Dierk Schaefers Blog

Der Missbrauch mit dem Missbrauch

Die „Bewirtschaftung“ der ehemaligen Heimkinder und ihrer Schicksale stellt sich mittler­weile als Missbrauch der Missbrauchten dar [1]. Missbrauch ist hier umfassend zu verstehen als aktive Verletzung von Kindeswohl und Kinderrechten in staatlichen und kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen.

Worin besteht diese Form des Missbrauchs der Missbrauchten?

Umfassend stellt das der in Österreich erscheinende Standard in einem glänzend geschrie­benen Artikel zu einem Kinderheim in Tirol dar[2]: »Mittlerweile wurden die Schicksale der ehemaligen Tiroler Heimkinder historisch erforscht, kulturell bearbeitet und auch medial einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die vormals „schlimmen Kinder“ haben dabei brav kooperiert, führten Besucher durch ihre einstigen Folterstätten, ließen ihre Geschichten und Porträts ins Internet stellen … nahmen an Podiumsdiskus­sionen und Buchpräsentationen teil, gingen keiner Belastung aus dem Weg, auch nicht der Preisgabe intimer und schmerzhafter Details. Eine Betroffenheitswelle wurde erzeugt – aber die allein machte keinen Heller locker. Gewiss, es geht um Bewusstmachung, um Anerkennung, die „Restitution von Würde“, aber eine materielle Restitution folgte ihr nicht. Der Optimismus der letzten Jahre ist verflogen. Die Bearbeitung ihrer Geschichte hat die ehemaligen Heim­kinder aufgerieben: Öffentlichkeitsarbeit, Behördenirrwege, mangelnde Akteneinsicht, taube Ohren, fragwürdige Gutachten, eingestellte Ermittlungen, geplatzte Hoff­nungen, Almosen statt Entschädigung.«

ausgequetscht

Photo aus: https://www.mup.wi.tu-darmstadt.de/media/bwl7/praxisportal/dasfachgebietimspiegelderpresse/2010-06-10-Spielregeln.pdf

In Deutschland ist die Situation nicht anders. Die ehemaligen Heimkinder wurden ausge­quetscht wie Zitronen.[3] Zunächst ging es um Misshandlungen jeder Art in den Heimen, nun aber um den viel „geileren“ sexuellen Kindesmissbrauch. Die Medien sprangen drauf und dann die liebe Wissenschaft. Ein weites Feld wissenschaftlichen Forschens liegt vor uns. Waren manche Heimkinder im Dienste der Wissenschaft pharmazeutischen Versuchen ausgesetzt, so nun der historischen Neugier. Diese Bewirtschaftung ihrer Schicksale ist pure Ausbeutung und bringt den Ausgebeuteten außer einer momentanen Aufmerksamkeit nichts, gar nichts. Die Medien benutzen zwar – unverbesserlich – den Begriff „Entschädigung“, obwohl es zu beantragende Almosen sind. Doch für echte Entschädigung[4] ist – wie auch in Österreich niemand zuständig: »Die Verantwortlichen, das wären die Republik Österreich, die Tiroler Jugendwohlfahrt, die beteiligten Bezirks­haupt­mannschaften und Gemeinden, die katholische Kirche und der Bene­diktiner/innen-Orden. Aber die bleiben un(an)greifbar, bis auf die paar Ausführende, jene Klo­sterschwestern, die für Gottes Lohn den ihnen Anbefoh­lenen das Leben zur Höllen machten. Die meisten sind inzwischen verstorben, die übrigen dement, also nicht mehr ver­handlungsfähig. Schaden­ersatzforderungen ehemaliger Heim­kinder, die … für ihr Leben gezeichnet sind, stoßen auch bei weltlichen Behörden auf taube Ohren, sei es bei Stadt, Bezirk, Land oder Bund, den höchstverantwortlichen Trägerinstan­zen.«

»„Wir werden immer weniger. …Die mei­sten von uns haben resigniert, viele sind krank, manche verstorben.“ Zwar hätten ihnen die mediale Unterstützung und sogar offizielle Betroffenheitsbezeugungen der letzten Jahre durchaus den Rücken gestärkt, dennoch sähen sie sich der alten Zermürbungstaktik ausgesetzt: Man behandelt die Überlebenden des breitangelegtesten Verbrechens der Nachkriegszeit weiterhin als Bittsteller, anstatt sie in ihrer berechtigten Forderung nach Entschädigung wahrzunehmen. Geschweige denn sie zu ermutigen.«

Ja, so kann man nennen: Das am breitesten angelegte Verbrechens der Nachkriegszeit.

Es findet seine Fortsetzung, harmlos und ohne böse Absicht, in der Bewirtschaftung der Schicksale von damals schon Missbrauchten.

„Vae Victis“ – Wehe den Besiegten!

Fußnoten

[1] Ursprünglich meinte „Missbrauch mit dem Missbrauch“ der instrumentell oder irrtümlich erhobene Vorwurf von Kindesmissbrauch, um einen Ex-Partner vom Umgang mit dem Kind ausschließen zu können. Ich machte eine Tagung zu diesem Thema. https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/11/02/politisch-korrekt-ist-dieses-buch-ganz-und-gar-nicht/ . Es referierte auch der Autor eines gleichnamigen Buches: http://www.alteck.de/alteck_show.cfm?CFID=cc708de0-7f56-4d81-b3bc-996e487728e4&CFTOKEN=0&xx=start_beschluss.cfm . Siehe auch: https://de.wikipedia.org/wiki/Missbrauch_mit_dem_Missbrauch .

[2] Zitate aus: https://www.derstandard.de/story/2000093295474/missbrauch-im-kinderheim-falltuer-auf-kind-rein-falltuer-zu

[3] Das begann mit der damaligen Familienministerin: „Die Einrichtung eines nationalen Entschädigungsfonds wird von Bundestag und Bundesregierung nicht angestrebt.“ https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/runder-tisch-bericht-ds.pdf .

Sie fand eine willige Helferin in der „Moderatorin“ des Runden Tisches: Dr. Antje Vollmer. https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/ .

[4] Es heißt immer wieder abwehrend, mit Geld sei das Ganze ohnehin nicht wieder gut zu machen.

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Wenn der Landesbischof zum Trigger wird und dann auch noch Meister heißt …

Meister im Ablenken.

»Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat eine Vertrauenskrise in der Gesellschaft beklagt. Diese Krise durchziehe alle Bereiche, sagte Meister vor der Landessynode in Hanno­ver. „In der Ökonomie erkennen wir betrügerische Absichten von großen Konzernen und teilweise eine Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit“, kritisierte er in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament.«[1]

Das ist ja nicht falsch. Dennoch hätte er besser zunächst vor der eigenen Tür gekehrt, durch­leben doch die Kirchen derzeit eine Vertrauenskrise sondergleichen.

Allerdings muss gesagt werden, dass die epd-Nachricht verkürzt war. Er sagte immerhin auch: Die Kirche muss Vertrauen schaffen, indem sie sich ihren Fehlern stellt, befand Meister: „Die zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs haben einen Vertrauensverlust herbeigeführt, dessen Ausmaß wir nicht ermessen können.“ Er kündigte an, dass die Landeskirche aktiv die wissenschaftliche Studie der EKD zum Thema unterstützen werde. Darin sollen unabhängige Experten untersuchen, ob es systemische Ursachen in der evangelischen Tradition oder Theologie gibt, die Missbrauch begünstigen. „Wir haben viel getan, aber es hat vielleicht nicht gereicht“, räumte Meister selbstkritisch ein. Doch in die Twitter-Kurznachrichten hat es diese Passage nicht geschafft. Und das hat getriggert.

 

labi meister

Als ich den Tweed las und beantwortete, hatte ich am Tag zuvor ein Mail erhalten. Ein Pamphlet, wie sein Verfasser heute selber sagt: diese berichte auf ekd.de lösten mein Pamphlet an meister aus, die kamen mir gestern auf den schirm.“ Und da ist er ausgezuckt. Sein Brief an den Landesbischof ist nicht einmal ein Pamphlet, sondern eine Unverschämtheit.[2] Allerdings eine verständliche. Dazu hatte ich gerade hier im Blog geschrieben.[3]

Ich selber bin kein Betroffener, weder von kinderheimtypischen Misshandlungen etc. noch von Missbrauch. Die Misshandlungen waren bis in die 70er Jahre in den kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen weithin üblich, sexueller Missbrauch war nicht selten. Im hannover­schen Stephansstift kam er besonders oft vor.

Von Missbrauch im Stephansstift wussten wir Linde­ner[4] Kinder nichts, aber wir wussten: »Böse Buben kommen ins Stephansstift, böse Mädchen nach Himmelsthür. Wer verrückt ist, kommt nach Ilten, und wer schon mal in Wunstorf war, also in der Psychiatrie, wie die Frau in unserem Haus, Erdgeschoß, links, der war immer noch merkwürdig.«[5] Wie schlimm diese gottesgefälligen Einrichtungen waren, erfuhr ich erst viel später, auch welche Auswirkungen ein erzieherischer Aufenthalt im Stephansstift haben kann: lebenslänglich. So für das Heim­opfer des Stephansstifts, der sich absolut unhöflich an den Landesbischof gewendet hat.[6]+[7] Wo sein Mail wohl gelandet ist? Als ich 1965 in der Registratur des LKA (Landeskirchenamt, nicht Landeskriminalamt) in Hannover gejobbt habe, gab es eine Akte mit der Aufschrift Curiosa. Vielleicht also dort?

Wir kennen es aus der Politik: Gibt es innenpolitische Probleme, lenkt man gern außen­poli­tisch ab. Warum nicht auf die Autoindustrie einschlagen, die ja tatsächlich als organisierte Kriminalität gesehen werden kann? Aber warum macht das der hannoversche Landesbischof? Den Namen Meister hat er verdient, ein Meister im Ablenken. Da darf er sich nicht wundern, dass der Vertrauensverlust der Kirche sich schlimmer auswirkt als die demographische Entwicklung. Die Kirchen sind zum Beispiel für Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit geworden, nicht nur die hannoversche. Und auch keine Spur von Professionalität im Umgang mit Problemen.

Und hier das „Pamphlet“ – der Verfasser hat es für den Blog freigegeben.

Absender:

Erich Kronschnabel

Empfänger:

Landeskirche Hannovers

Herrn Bischof Meister 

 

Guten Tag, sehr geehrter Herr Meister! 

Ihr Amtstitel weist Sie als Bischof der Evangelischen Landeskirche Hannovers aus. Sie sind also der Aufseher, Vorsteher, Vorstandsvorsitzende des Konzerns Landeskirche Hannovers.

Ich darf mich vorstellen: Sexualopfer der Schergen der Diakonie, die mich und andere Kinder des damaligen Kinder-KZ „Stephansstift“-Außenstelle „Kronsberg“- zur Befriedigung ihrer Geilheit benutzten. Die Diakonie gehört zum von Ihnen vertretenen Konzern Landeskirche.

Seit Jahren pflegte ich Umgang mit der sogenannten „Unabhängigen Kommission“ Ihrer Firma. Dass die Mitglieder nicht unabhängig sind belegen die Jobs, die diese Kommissionsmitglieder für Ihren Konzern erledigen. Disziplinarrichter und ein Mitglied der Synode bescheinigt genau die Unabhängigkeit, die Sie als Bischof auch haben. Logisch, oder, Herr Meister?

Sie berichteten auf der Synode von 119 Opfern notgeiler Kinderficker im Dienste der Firma

Landeskirche Hannovers. Einige dieser Opfer begleitete ich bis ins Büro von Frau Pastorin Mahler. Übrigens die EINZIGE Person Ihrer Abteilung „Aufarbeitung“, die Opfer mit Empathie behandelte. 

Warum schreibe ich Ihnen überhaupt?

Seit Beginn der „Aufarbeitung und Entschädigung erlittenen Leides“ habe ich mit Mainusch zu tun, Ihnen nicht unbekannt, wie mir das Netz sagt. Mainusch und seine juristischen

Zuarbeiter erfanden einen Fragebogen zwecks Opfererfassung, der an Perversität nicht zu überbieten ist. Mainusch lässt ernsthaft nach Datum und Uhrzeit der Missbräuche fragen!!!

Klar ist ja auch dem größten Depp, dass in den Jahren 1950 – 1975 und danach KEIN EINZIGES HEIMKIND EINE ARMBANDUHR IN BESITZ HATTE! Ignoriert Mainusch natürlich, interessiert ihn einen Dreck, er sieht seine Aufgabe klar erkennbar darin, Opfer abzuschrecken und zu retraumatisieren. Klappt ja auch, bei mir saßen vier Opfer, die sofort jede Kontaktaufnahme mit der Landeskirche ablehnten, als sie diesen idiotischen Fragebogen aus Mainuschs Feder lasen. 

Lassen Sie sich die Korrespondenz zwischen mir und Mainusch zu diesem Thema von Mainusch geben. Er – von Gottes Gnaden-  begreift nicht, was sein idiotischer Fragebogen bewirkt! Er ist genau die Sorte Täternachfolger, die mir immer wieder im Umgang mit Kirche begegnete. Selbstgefällig, großkotzig, empathielos, so wie auch Annette Kurschus. Die Opfer werden erneut zu Opfern gemacht, Retraumatisierung ist Programm!

Sie beklagen auf der Synode Vertrauensverlust!? SOLANGE TYPEN WIE MAINUSCH SELBSTHERRLICH OPFER ERNEUT ZU OPFERN DER KIRCHE MACHEN, SOLANGE werden wir Opfer dagegen aufstehen, Herr Meister! Aufarbeitung und „Entschädigung für erlittenes Leid“ nennt die Kirche die Affigkeiten, mit denen die Opfer retraumatisiert werden!

Was haben Sie für Mitarbeiter, Herr Meister? An der Spitze der sich grossmäulig „unabhängig“ nennenden Kommission ein pensionierter Richter, den ich als Mensch achte, als juristischen Leiter dieser ominösen Kommission aber verachte. Deshalb verachte, weil er zulässt, was der Träger Ihres Paragrafenköfferchens gnadenlos inszeniert.Den aus der Nazizeit bekannt gewordenen Begriff „Furchbarer Jurist“ hat er sich mit Eifer und perversem Fragebogen erarbeitet – auf Kosten der Opfer!  

Und Sie stehen all diesen Schauspielern vor, sehen seit Jahren bei den Theaterstückchen zu und begreifen offensichtlich nicht, dass nicht die Taten der Schweine in Kirchenkreisen zu immer stärkerem Vetrauenverlust führen, sondern die immer noch laufenden Vertuschungen, Beschönigungen und Lügen die Ursache für Vertrauensverlust sind. Ihre

„Aufarbeiter“ arbeiten nicht auf! Ihre „Aufarbeiter“ reichen Taschengeld für zerbrochene Opfer des Konzerns Diakonie=Kirche aus – und wollen die Menschen glauben machen, dass alles wieder gut ist.

Es sind die Mainusch’s die ohne jegliche Empathie eiskalt gegen die Opfer agieren. Die Blödheit ist so grenzenlos, dass nicht mal begriffen wird, was dieser perverse Fragebogen

bei Opfern anrichtet. Frau Mahler hat es begriffen. Leider kann sie es nicht umsetzen. 

Frage an Sie, Herr Meister: Wieso wurde kein Psychologe/Psychater in diese ominöse Kommission geschickt ? Es waren immer die Juristen, die Menschlichkeit mit Füßen traten. Sollten Sie als Theologe eigentlich wissen. Ich googelte Sie ausführlichst, ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Ihnen fällt auf, dass mich Titel und Höflichkeiten einen Dreck interessieren. Ich „genoss“

die Perversitäten der Kinderficker mit Titel Diakon – und Sie würden schlagartig die Gesichtsfarbe wechseln, wenn ich die Betitelungen an Sie weitergebe,mit der die Schweine der Diakonie  uns Kinder benannten. „Spreche mit dem Respekt, den man dir entgegen brachte!“ lautete ein Lehrsatz meines Vaters. 

Leute wie Mainusch unterscheiden sich von den Tätern von damals lediglich dadurch, dass sie die Opfer von damals heute durch perverse Fragebogen retraumatisieren und erneut vergewaltigen!  Sagt Ihnen der blödeste Psychologe, wenn er Mainusch’s Fragebogen sieht.

Lassen Sie mich und die anderen Opfer wissen, wann Sie die immer noch eingesetzten Sauereien=Fragebogen (Motto: „Wann wurdest du gefickt? Datum und Uhrzeit bitte!“)  a la Mainusch endlich abschaffen wollen.  Die Opfer haben nämlich das Problem so häufig von den geilen Brüdern Ihres Glaubens gefickt worden zu sein, dass sie sich Daten und Uhrzeiten nicht merken konnten, Herr Meister….Die Akten Ihrer Abhängigen Kommission verraten es Ihnen. Lesen Sie, Sie erleben eine völlig neue Welt der lustvollen Diakonie!!!

Frau Mahler kann Ihnen mehr über mich berichten, falls Sie verstehen wollen, was ich will!:

Die früheren Opfer vor neuen Vergewaltigungen durch Kirchentypen vom Zuschnitt Mainusch schützen! 

Es grüsst Sie ein Sexualopfer

Ihrer Firma Landeskirche Hannovers

Erich Kronschnabel

Fußnoten

[1] https://www.ekd.de/ralf-meister-synodenbericht-vertrauenskrise-41025.htm nachgelesen: Donnerstag, 29. November 2018

[2] Ich gebe das Mail an den Landesbischof unten unzensiert wieder.

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/11/25/wenn-die-seele-zuckt-trigger/

[4] Linden ist der größte Stadtteil von Hannover.

[5] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2015/01/rezension-himmelsthc3bcr.pdf

[6] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

[7] Nach diesem Teil der Geschichte des Stephansstiftes sucht man auf deren Homepage vergeblich. https://www.dachstiftung-diakonie.de/die-dachstiftung-diakonie/foerderstiftungen/stiftung-stephansstift/

Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen – und dann ab mit ihm ins Meer?

Die „Kinderficker“ sind gemeint, aber Klartext sprach Jesus nicht.

mühlstein1

Die Software meines Blogs macht Schwierigkeiten, den Text hochzuladen. Darum stelle ich ihn als PDF ein.

Bitte hier anklicken: Wer soll den Mühlstein um den Hals kriegen_2_2

Schweigen sieht nach Vertuschung aus.

Die hannoversche Landeskirche scheint sich am Papst zu orientieren. „Es sei besser, zu diesen Dingen nicht ins Detail zu gehen, kein Wort werde er dazu sagen, der Text spreche für sich selbst, man möge ihn lesen und eigene Schlüsse ziehen, da­nach – vielleicht – werde er sprechen, der Papst.“[1] Die Details aus der Landeskirche gibt es wohl. Sie werden anscheinend in einem „Kommissionsbericht“ genannt, doch der wird zurückgehalten. Warum?

Ist es ein Wunder, wenn ehemalige Heimkinder aufgebracht sind und sich drastisch äußern, wie es Herrn Kronschnabel in seinem Mail tut?

Ich frage mich, wie lange die Kirchen ihren Vorzugsplatz für Negativmeldungen in den Medien noch behalten wollen. Sie geben sich alle Mühe. Umsichtige Führung sieht anders aus.

Hier das Mail, das mir für den Blog freigegeben wurde.

———- Forwarded message ———
From: Mail von E.K. <e.kronschnabel@googlemail.com>
Date: Do., 6. Sep. 2018 um 15:08 Uhr
Subject: Re: Kommissionsbericht
To: <Rainer.Mainusch@evlka.de>

Sehr geehrter Herr Doktor Mainusch,

besten Dank für Ihre Stellungnahme.

Die Opfer haben kein großes Zeitfenster, wie Sie es sich wünschen. Die biologische Uhr arbeitet für die Seite der Täternachfolger, trotzdem sollte die Landeskirche sich um eine zeitnahe Entscheidung und deren UMSETZUNG bemühen. Zeitnahes Arbeiten bewies Ihre Abteilung bei der Gestaltung des menschenverachtenden Fragebogens. Wer Opfern solche Schläge verpasste, hat die Pflicht, zeitnah Rechenschaft in Form des Kommissionsberichtes abzuliefern.

Das Versagen von Diakonie und Landeskirche ist hinreichend bekannt. Zeitraubende Schönfärbereien des Kommissionsberichtes sind  also nicht nötig – und würden die Täternachfolgeseite auch in keinem besseren Licht erscheinen lassen. Das biologische Drängen der Zeit kann ich Ihnen gerne durch 4 Fotos von Grabstellen zwischenzeitlich verstorbener Opfer belegen. Wir Überlebenden freuen uns sehr darüber, dass die Verstor­benen wenigstens noch die Almosen erhielten, die die Landeskirche überwies.

Ist Ihnen überhaupt bewusst, dass keines der Opfer einen „Entschädigungsbetrag“ in der Höhe der Jahres-Pension eines Kirchenrates erhielt? Noch lebende Täter (wir kennen noch solche Drecksäcke) bekommen p.a. schon mehr wie ein Opfer erhielt. Dieser Zynismus ist wahrlich christlich-dummfrech. Befriedigend ist es, dass die Menschen die Konzerne mit dem Kreuz im Logo immer häufiger meiden. „Kirche schafft sich selbst ab“ kann man in Sarrazin’s Sprechweise sagen.

Sie können etwas dagegen tun. Geben Sie den Kommissionsbericht zeitnah heraus.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Kronschnabel

Soweit das Mail.

 

Noch ein unverkürztes Mail aus Australien:

Australien: Laienorden schließt Vergleich mit Missbrauchsopfer

utl: Todkranker 74-jähriger Mann erhält Millionenentschädigung von „Christlichen Brüdern“=

Sydney, 16.8.2018 (KAP/KNA) Ein todkrankes Missbrauchsopfer in Australien erhält von den „Christlichen Brüdern“ eine Entschädigungszahlung in Höhe von einer Million australischen Dollar (umgerechnet 640.000 Euro). Der 74-jährige Paul Bradshaw hatte den Laienorden wegen Missbrauchs verklagt, dem er in den 1950er in Einrichtungen der Gemeinschaft ausgesetzt war. Nach dem vor einem Gericht in Westaustralien geschlossenen Vergleich sagte Bradshaw am Donnerstag gegenüber Medien: „Es ging mir nicht ums Geld. Ich wollte Gerechtigkeit.“

Laut Medienberichten beträgt die Lebenserwartung des Mannes noch maximal sechs Monate. Das Geld werde er seiner Familie vererben, sagte Bradshaw. „Ich habe den größten Teil meines Lebens auf der Straße gelebt. Ich möchte nicht, dass sie dasselbe erleiden müssen wie ich.“ Er hoffe, die letzten Monate seines Lebens in Frieden verbringen zu können.

Die Klage war durch eine Gesetzesreform in Westaustralien möglich geworden, durch die Missbrauchsopfer Klagen auch in lange zurückliegenden Fällen einreichen können. Nach den Worten von Bradshaws Anwalt Michael Magazanik könnte das Urteil eine ganze Klageserie gegen die Christlichen Brüder anstoßen. Allein sein Anwaltsbüro vertrete 60 Betroffene, so Magazanik gegenüber australischen Medien.

Die „Christlichen Brüder“ (Congregation of Christian Brothers) spielen eine zentrale Rolle im australischen Missbrauchsskandal. Der Laienorden hat aus Sicht der staatlichen Missbrauchskommission beim Schutz von Kindern „komplett versagt“. Den „Christlichen Brüdern“ sei der sexuelle Missbrauch in ihren Waisenhäusern in Westaustralien seit Jahrzehnten bekannt gewesen, ohne dass sie gegen die „systematischen Misshandlungen“ vorgegangen seien.

(ende) gut/gpu/

Fußnote

[1] CHRISTIAN GEYER, Und sagte kein einziges Wort, FAZ, 5.9.18, S. 9 – Dort auch: »„Das Schweigen der Hirten“ heißt eine ZDF-Dokumentation, die dies beklem­mend nahelegt.«

 

 

 

 

Erinnerung und Identität

Stein des Anstoßes für diesen Essay war ein Gedenkstein auf dem Gelände des Wittekindhofs: „Das Geheimnis der Versöhnung heißt Erinnerung.“

Ich kannte den Text anders: „Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung.“ So steht es auf dem Gedenkstein vor der Ulmer Synagoge.

Erinnerung

Erinnerung und jüdische Identität

„Bist du Jude?“ Als Sally[1] sich von seinen Eltern im Ghetto in Łódź[2] verabschiedete, hatte er zwei Auf­träge bekommen. „Vergiss nicht, dass du Jude bist!“, hatte ihm sein Vater als Ver­mächtnis mitgegeben, „Du sollst leben!“, seine Mutter. „Ich möchte die letzten Abschieds­worte meiner Eltern erwähnen, weil sie für meine Zukunft von entscheidend­ster Bedeutung waren. Meine Eltern waren sehr religiöse Juden, Gott war der Inhalt unserer Familie. Auch ich war erfüllt von Gottesfurcht. Mein Vater sagte mir, nachdem er mir seinen Priestersegen gegeben hatte, seinen letzten Wunsch: »Sally, vergiß nie, wer du bist.« Damit wollte mir sagen: bleibe immer Jude, glaube immer an deinen Gott, er wird dir in der Not beistehen. … Damit wollte er mich stärken. Meine Mutter fügte drei einfache Worte hinzu bevor ich sie verließ, sie sagte: »Sally, mein Sohn, du sollst leben.« Das war ein Befehl. … Erst nach vielen, vielen Jahren, als ich begonnen habe, meine Geschich­te zu bewerten, zu analysieren, wurde mir klar, daß diese drei Worte: Du sollst leben! auch mein Leben gerettet haben. [3] Nun stand er in einer Reihe mit anderen Flücht­lingen auf einem schlammigen osteuropäischen Waldstück, vor ihnen ein deutscher Soldat, der sie der Reihe nach überprüfte. Sally trat seine Identitätspapiere in den Schlamm. Als er an der Reihe war, antwortete er: „Ich bin kein Jude, ich bin Volksdeutscher.“ Damit begann Sallys zweites, nein, sein paralleles, sein gespaltenes Leben als Jupp, der Hitlerjunge.[4]

Sein drittes Leben begann nach einer Art geistigen Quarantäne von 40 Jahren[5]. Damit kam das Erinnern, nicht nur das Sich-Erinnern. Noch über 90jähriger kommt er immer noch regelmäßig nach Deutschland, um Jugendliche zu erinnern.[6] „Ihr wollt in die Hitlerjugend?“ fragte er, als in einer Aula mehrere Schüler aufstanden und ihm den Hitlergruß entboten. „Dann fragt mich. Ich war da.“ Und hinterher, so erzählte er, standen diese Jugendlichen mit seinem Buch in der Schlange und wollten eine Widmung.

In seinem dritten Lebensabschnitt kann er die beiden Personen, Jude und Hitlerjunge, zwar nicht vereinen, aber nebeneinander stehen lassen. Mit seinem glaubhaften Auftreten vor deut­schen Jugendlichen sorgt er dafür, dass die Erinnerung nicht verblaßt: „Ihr seid jetzt alle Zeit­zeugen!“ sagt er ihnen und nimmt sie in die Pflicht zur Erinnerung.

Das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. So lautet die vielzitierte Aussage des Ba’al Schem Tov[7]: „Das Exil wird länger und länger des Ver­gessens wegen, aber vom Erinnern kommt die Erlösung“. [8], [9]

Was bei Sally Perel eine vielleicht nur in seiner individuellen Psyche sich abspielende identi­tätsverändernde Erlösung ist, dürfte der Begründer des Chassidismus kollektiv gemeint haben: Die Erinnerung an Israels Geschichte mit Gott und an seine Gebote – und an seine Feinde.

Es ist nicht leicht, im Exil, im Ausland, im Elend[10] seine Identität mit all den 613 nicht gerade lebenspraktischen Geboten[11] zu bewahren und zu behaupten. Israels Identität beruht auf der Erinnerung: „Ein umherirrender Aramäer war mein Vater…[12] Diese Erinnerung ist mit der Hoffnung auf ein Ende des Exils verbunden: Wenn du in das Land kommst, das dir der HERR, dein Gott, zum Erbe geben wird, und nimmst es ein und wohnst darin.[13]

Den liturgischen Ort dieser Erinnerung finden wir in der Pessach-Haggada.

Eine persönliche Erinnerung: Unsere Reisegruppe sitzt am Seder-Abend in einem Kibbuz am See Genezareth. Natürlich wollen wir an der Zeremonie teilnehmen. Judit, unsere Reise­füh­rerin, besorgt den Text der Haggada mit deutscher Übersetzung. „Die Männer müssen den Kopf bedecken“, sagt sie. Ja, es genüge auch ein Taschentuch oder ein Waschlappen. Und so sitzen wir lächerlich bedeckt im Hintergrund und verfolgen mit unserem Text­büchlein[14] not­dürftig den uns fremden, auf hebräisch gesprochenen Ritus. Es geht um den Allmächtigen, der sein auser­wähltes Volk aus Ägypten[15], aus der Sklaverei geführt hat. Je länger ich zuhöre und schaue, verkehrt sich für mich die Reihenfolge: Es geht um das Wir! der Auserwählten mit ihrem Gott.

Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen: Diese zur Schau gestellte fröhliche aber zugleich ausgren­zende Auserwähltheit ist eine der Wurzeln für die Ablehnung durch die Nicht-Aus­erwählten, die doch meinen und überzeugt sind, Gott sei ihrer und der richtige, so die Christen (wie auch die Moslems). Freud nannte als ersten Grund für den „unsterblichen Haß“ auf die Juden den „nicht überwundenen Glauben an die Auserwähltheit Israels, der bei den nicht-jüdischen Völkern starke Eifersucht ausgelöst habe. Die Idee der Auserwähltheit löst so massiven Neid aus, dass die eigene Überlegenheit behauptet bzw. das eigene Gefühl der Minderwertigkeit durch Verfolgung der Juden bekämpft werden muss.“[16]

Die immer wieder als verbindend beschworenen „Abrahamitischen Religionen“ sind Kon­kur­renzreligionen, schon immer gewesen. Dem Schock durch den Holocaust folgte, jedenfalls bei einigen, das Schuldbewusstsein der Deutschen und der Christen unter ihnen. Zurzeit wird der Hass auf die Juden bei uns wieder lebendig. Viele eingewanderte Muslime bringen einen abgrund­tiefen Judenhass mit. Eine Reihe von Deutschen wiederum hassen beide, die Muslime und die Juden. Jüdische Einrichtungen stehen – nicht nur in Deutschland – unter polizei­li­chem Schutz.

Wie aber konnten die Juden – wohl als einziges Volk in der Weltgeschichte – ihr „Narrativ“[17] bewahren? Trotz aller Ausgrenzung, Verfolgung und Progrome bis hin zum Holocaust?[18]

Es begann mit den Erzählungen, in denen die Juden sich von Gott als auserwählt darstellen; diese Erzählungen wurden schließlich schriftlich fixiert und gewannen quasi kanonischen Charakter.

In der Profange­schich­te hatten „die Kinder Israel“ selten Glück. Doch für Rückschläge fan­den sie ihre Erklärung im selbstverschuldeten Versagen, im Ungehorsam gegenüber Gottes Gebo­ten und der Vorstellung der gerechten Strafe durch einen geradezu pädagogisch wirken­den Gott. Ein in sich geschlossenes Gedankensystem, das sich selbst erhält, auch durch die negati­ven Verstärker.

Voraussetzung dafür ist die Erinnerung und damit die Fortschreibung des Narrativs. Die zehn verlorenen Stämme werden wohl keine rituelle Erinnerung gepflegt haben und sang- und klanglos in anderen Völkern aufgegangen sein, vermutlich im Nahen Osten.[19] Zur Zeit des Neues Testamentes finden wir die Juden über das ganze Römische Reich verteilt, teils ohne und teils mit Zwang. Ursache für Verfolgungen und Ausweisungen hatten eher politische Gründe. Der strikte Monotheismus allerdings störte in einer polytheistischen Umwelt. Die Juden standen nicht auf dem Boden der römischen Staatsräson und verweigerten den „Treue­eid“, indem sie Roms Göttern nicht opfern wollten. Doch es ging nicht nur um Staats­raison. Mit ihrem alle anderen exkludierendem Selbstbewusstsein wurden sie als Störenfried in der in Religions­dingen toleranten Gesellschaft wahrgenommen.[20], [21] Erst der moderne jüdische Staat hat das Gedankengefängnis verlassen und sieht sich als Akteur im nahöstlichen Geschehen. Damit hat er Israels Opferrolle – gegen den Widerstand der Ultraorthodoxen – abgelöst durch ein „Winner-Bewusstsein“: Nie wieder Masada![22] Moni (Menasche) Ben-Ari, ein Sabre[23], Siedler und „weltlicher Jude“, erinnert sich sehr nachhaltig: »Es läßt mich nicht in Ruhe. Was denken Sie denn? Ich habe noch Rechnungen zu begleichen, die dreitausend Jahre alt sind. Es sind die meines Volkes. Ich habe sie immer bei mir. Es hat mich niemand gefragt, als sie mir aufgeladen wurden. Jetzt trage ich die Last! Ich brauche mir nur zu überlegen, was ich mit dieser Last mache und wie ich der nächsten Generation ein Leben ermöglichen kann. Das sind die Gedanken, die mich leiten.«[24]

Erinnerung und deutsche Identität

Joseph Wulf,[25] deutsch-polnischer Historiker jüdischer Herkunft und Holocaust-Überle­ben­der, schrieb am 8. September 1964 an Ernst Jünger[26]: »Ich könnte eigentlich auch über anti-jüdische Pogrome und Antisemi­tismus im allgemeinen in der Sowjetuni­on schreiben. Über dieses Thema habe ich ein ganz grosses Archiv. Weiterhin könnte ich beispielsweise doku­men­tie­ren, wie sowjetische oder polnische Parti­sanengruppen während des zweiten Welt­krieges Juden gemordet haben. Aber da sage ich Ihnen aufrichtig, ich werde solche Bücher wahrscheinlich in Deutschland nie veröffentlichen. Sie le­sen, wie Sie mir mal gesagt haben, wenig Zeitungen, und deshalb wissen Sie wahr­scheinlich nicht, dass es heute in Deutsch­land Kreise gibt, die eine neue These auf­bauen. Das ist die folgende: alle sind Mör­der – die Amerikaner haben gemordet, die Franzosen haben gemordet und wir Deutsche haben auch gemordet.«

Eine persönliche Erinnerung: „Juden und Deutsche sind durch den Holocaust aneinander gekettet,“ sagte ich dem damaligen Landesrabbiner, den ich für ein Referat gewinnen wollte. An seine Antwort erinnere ich mich nicht mehr, aber er war nicht zufrieden mit dem Spruch.

Eine weitere persönliche Erinnerung: An der Klagemauer. Ein Jude spricht mich an, woher ich komme. „Germany“, sage ich und habe ein verdammt schlechtes Gefühl. Da stehe ich an der Klagemauer und muss offenbaren, dass ich aus dem Land der Täter komme, – auch wenn mein Jahrgang nicht involviert war.

Noch eine persönliche Erinnerung: Yad Vashem. Meine Mutter, sie war „Parteimitglied“, bekommt einen Schwächeanfall angesichts der Berge von Schuhen. Ich kümmerte mich um sie, doch mir fiel auf, dass sie mir nicht leidtat.

Doch wir müssen unterscheiden. Der systematische Judenmord war eine rein deutsche Ange­le­genheit, aber die Ausgrenzung der Juden, die Pogrome und die Vertreibungen gehören zum christlichen Abendland. Ohne den Antijudaismus an manchen Stellen des Neuen Testamentes ist der Antijuda­ismus des Abendlandes nicht erklärbar und die Spur führt bis zum rassischen Antisemitismus der gut bürgerlichen Schichten, bis hin zum Holocaust, und das schon seit Luther.[27] Der Anti­semitismus durchzieht die gesamte abendländisch-christliche Geschichte und gehörte zum jüdi­schen Narrativ des verfolgten Judentum in der Diaspora. Ich überblicke nicht, inwie­weit der Antisemitismus für die Identität anderer europäischer Gemein­schaf­ten/Nationen eine Rolle spielt, wenn man davon absieht, dass ein Pogrom und die begleiten­den Plünde­rungen die Täter in actu zusammengeschweißt haben dürften. Deutschland hat auch hier einen „Son­der­weg“ beschritten, indem es glaubte, die „Juden sind unser Unglück“. Sie wurden es, weil die angestrebte „Endlösung“ zu Deutschlands Kainsmal wurde. Das Wider­streben all der wil­li­gen Helfer gegen die Erinnerung mit Beschweigen und verzögerter juristischer Aufar­bei­tung der Verbrechen hat allerdings dazu geführt, dass es lange dauerte, bis der Genozid tat­säch­lich im Bewusstsein der Deutschen angekommen war, und als Bestand­teil der Staats­räson deklariert wurde.[28] Zwar wäre es wohl unrealistisch zu fordern, der Judenmord solle in ein deutsches Nationalnarrativ aufgenommen werden.[29] Doch manche würden gern ver­gessen. »Man kann nicht sagen, dass das Volk davon überzeugt wäre. Seit Jahrzehnten stellen Demoskopen bei einer Mehrheit den Wunsch fest, einen Schlussstrich zu ziehen; die Zustim­mung zu der entsprechen­den Frage schwankt etwa zwischen der Hälfte und zwei Dritteln.« [30] Einerseits sind wir also geradezu Musterknaben im Erinnern und in der „Auf­ar­beitung“ unse­rer Vergangenheit, andererseits möchten viele nicht mehr erinnert werden und an die Tradi­tion der Dichter und Denker anknüpfen, als ob nichts gewesen wäre.[31] Das Holo­caust­denkmal wird unterschiedlich wahrgenommen und gehört auch mit zu den Anlaufstellen eines „Traum­urlaubs“[32]. Doch die „Vergangenheitsbewältigung“ führt angesichts der Monstrosität des Ver­brechens allenfalls zur Selbsttäuschung. Der mordende SS-Mann wurde zu einer Ikone des Deut­schen nicht nur in Literatur und Comic, sondern die Nazi-Symbole werden bei Bedarf auch in der politischen Auseineinandersetzung wieder hervorgeholt.[33] Der Erinnerung an den Holocaust werden wir Deutschen uns auch weiterhin stellen müssen. Sie gehört zu unserer nationalen Geschichte und die Frage ist, ob unsere Neubürger (Asylsuchende und Flüchtlinge) sie akzeptieren[34], wenn sie sie sich auch nicht zu eigen machen können.[35]

 

Erinnerung und christliche Identität

Ich hätte dem Landesrabbiner wohl besser gesagt: „Juden und Christen sind durch den Antiju­daismus aneinander gekettet.“ Vielleicht hätte er dem zugestimmt. Es ist tatsächlich eine merk­würdige und einseitige Hass-Verbundenheit, um nicht Hass-Liebe zu sagen, die beide Gruppen seit altersher verbindet. Bereits im Neues Testament haben die Christen den Juden das Erst­geburts­recht auf Auserwähltheit aberkannt. Der Alttestamentler Herbert Donner sprach in der Vorlesung vom zwangsgetauften Alten Testament. Es wurde und wird immer noch als zeichenhaft auf Christus hinweisend interpretiert.[36] Heidenchristen begründeten seit dem 2. Jahrhundert mit solchen antijüdischen NT-Aussagen die Substitutionstheologie,[37] die den Heilsverlust aller ungetauften Juden behauptete.[38] Und nicht erst die Heidenchristen: Selbst wenn der Blutruf, Sein Blut komme über uns und unsere Kinder, nur die Exculpierung der Römer bezwecken sollte, hat er eine verheerende Tradition ingang gesetzt.[39] Das muss hier nicht weiter ausgeführt werden. Wichtig ist das psychologische Moment: Die identitäts­wahrende Wirkung für beide sich voneinander distanzierende Gruppen: Juden und Christen. Sie zeigte sich durchgehend im Ausschluss der Juden von „ehrlichen“ Berufen. Und dann der nicht völlig beigelegte Streit über die „Judenmission“.

»Die Problematik scheint stark in der Struktur der beiden Religionen begründet zu sein. Ein offener Dialog ist möglich, wenn sich die Gesprächspartner auf der gleichen Ebene befinden. Aus jüdischer Sicht ist es selbstverständlich, christliche Lehren, so weit sie nicht andere Indi­viduen oder Gruppen negativ tangieren, zu respektieren, da das Judentum nicht behauptet, im Besitz der allein „wahren Lehre“ zu sein. Fundamentalistische Christen hingegen fühlen sich aufgrund ihres Bibelverständnisses dazu berufen, Juden zu evangeli­sieren, d.h. sie zum Glauben an Jesus als den Messias und G’ttes­sohn zu bringen. Sie sind von der Struktur ihrer Glaubensüberzeugungen her nicht in der Lage, die jüdische Religion als vollwertig und gleichwertig zu akzeptieren, da sie den alleinigen Anspruch auf die Wahrheit erheben.«[40]

 

Versöhnung – Versuch einer Identitätsreparatur

»Durch seine Orientierung am Neuen Testament beruhte christliche Identität lange Zeit auf (feindlicher) Abgrenzung; seit der systematischen Vernichtung des europäischen Judentums wächst die Einsicht, dass Abgrenzung und Judenfeindschaft dem Christentum selbst gescha­det haben. Der Dialog zielt auf Heilung der auf beiden Seiten eingetretenen, unter­schied­lichen Schäden,[41] unterschiedlich verursacht und unterschiedlich erlitten. Auf christlicher Seite setzt er die Bereitschaft und Fähigkeit zu grundlegender Umkehr und zu einem neuen Verhältnis mit dem Judentum voraus: Das Christentum hat und behält im Judentum seine Wurzeln; darum ist es mit ihm wesenhaft verbunden«.[42] – Es geht also, zumindest auch, um Schadens­begrenzung auf christlicher Seite. Doch das ist so, wie wenn ein Vergewaltiger erkennt, dass sein Image gelitten hat; zwar verurteilt er seine Tat, ist nun aber auch um seine Rehabilitation bemüht und sucht dazu den Dialog mit dem Opfer. Makaber?

Die Nachfolger der Täter sprechen von Versöhnung und vereinnahmen damit die, die allen­falls berechtigt wären, von Versöhnung zu sprechen. Da gibt es Beispiele: Die Gemeinde Süßen im Landkreis Göppingen war besonders eifrig bemüht, „judenfrei“ zu werden. Die evangelische Jugend leistete dann Aufbauarbeit in Israel und Süßen lud ehemals Verfolgte ein, die überlebt hatten. Aus der Ansprache des Gemeinderats und Mitglied der Landes­syn­ode: „Ich freue mich, dass Sie durch Ihren Besuch als Versöhnte unseren ausgestreckten Arm angenommen haben“.[43] Welche Vereinnahmung, welche Anmaßung! Kurt Grünberg verdeut­licht die Dissonanz: »Mitunter wird christlich-jüdische „Begegnung“ gesucht, die die durch die nationalsozialistische Judenverfolgung geschaffene Kluft zwischen Juden und Deutschen überwinden helfen soll. Spätestens jedoch, wenn die Hand zur Versöh­nung gereicht oder zuweilen gar verlangt wird, spätestens dann wird auf jüdischer Seite häufig ein gewisses Unbe­hagen spürbar; der Gedanke kommt auf, vielleicht doch „im falschen Zug“ zu sitzen. Dann erkennen Juden, daß sie „eingebunden“ werden sollen, daß sie sich als Teil eines „Gedächtnistheaters“ (Bodemann 1996) zur Verfügung stellen sollen, um den Deutschen zu helfen, mit der „Last Deutscher zu sein“ (Giordano 1987) besser fertig zu werden. Juden erkennen, daß sie letzten Endes mißbraucht werden sollen.«[44]

Anderen Opfergruppen wird in ähnlicher Weise Versöhnung aufgenötigt. So mit der Ver­wen­dung des eingangs erwähnten Gedenksteins auf dem Wittekindshof.[45] Diese Einrichtung war wie viele andere Ziel der Nazis bei der Vernichtung „unwerten Lebens“. Der Abtransport geschah gegen den Willen der Anstalt. Es ist gut, aber auch schmerzlos, daran zu erinnern. Auch auf der Homepage der Anstalt wird der Vorgang unter Hinweis auf die Nazis benannt.[46] Versöh­nung? Wozu und mit wem? Dann gibt es aber noch einen eigenen Anteil an Unrecht und Schuld. Die ehemaligen Heimkinder der Einrichtung werden zwar im Gedenkgottesdienst erwähnt, doch die einschlägigen Texte auf der Homepage sind nicht mehr vorhanden.[47] Hier will man nur noch rituell gedenken, nicht einmal konkret erinnern. Aber man beschwört Ver­söhnung, um eine neue, saubere Identität präsentieren zu können.

 

Die Aufgabe der Identität und die Konsequenzen

Um Erinnerung und Identität geht es auch manchen Neubürgern. Sie erinnern an die Frühzeit des Islam und wollen so leben, wie sie meinen, dass die Gläubigen damals gelebt haben.[48] Das soll hier nicht näher ausgeführt werden. Doch es gibt Stimmen, die sich von dieser Identi­tät lösen wollen und einer weitestgehenden Assimilation das Wort reden. Besonders deutlich die Stimme von Zana Ramadani [49] in ihrem Buch Die verschleierte Gefahr.[50] Darin ist sie vergleichbar mit der schon erwähnten Deborah Feldman[51], die in der FAZ eine Art Bekennt­nis zur deutschen Gesellschaft ablegte. [52] Die barbusigen Auftritte des CDU-Mit­glieds Rama­dani im Rahmen der FEMEN-Aktionen sind eine spektakuläre Abkehr von allem, was wir mit Islam und seinem Frauenbild verbinden, doch abgesehen davon ist auch die Position von Feld­man ein vergleichbar-radikaler Bruch mit ihrer religiösen Vergangenheit. Der Bruch mit der frühe­ren Identität ist Ergebnis ihrer unguten Erinnerung und konversions­ähnlichen Umbe­wertung ihrer Vergangenheit. [53] Hier hat schonungslose Erinnerung zu einer grundlegenden Erlösung geführt. Die Parallelen zu Paulus im Philipperbrief sind nur zu deutlich: „Ich erachte mein bisheriges Leben für Kot.“

Noch spannender ist die Frage deutscher Erinnerung und Identität angesichts der aktuellen Herausforderungen durch Einwanderer, deren Identität fest in der unkritischen Erinnerung und Vergegen­wärtigung ihrer Religion wurzelt. Im Land herrscht „religiöse Ahnungs­losig­keit“ schreibt Michael Wolffsohn in der Schwäbischen Zeitung und meint damit beide, Chri­sten und Juden.[54] Ein Befund, der so neu nicht ist. Harm de Blij wies bereits 2009 darauf hin, dass Anführer ethno-religiöser Gemein­schaften, gemeint sind islamische, »höchst unflexible und rückwärtsgewandte Eigenschaften ihres Glaubens« in ein Europa übertragen könnten, »das immer noch die Narben aus Glau­bens­kriegen von vor einem halben Jahr­tausend trägt. Das ist ein Kampf grundsätzlicher Gegen­sätze in einer Gegend, deren Bevöl­kerungszahlen schrumpfen, und viele durch Über­legungen den Glauben an den Glauben verloren haben – und nun werden sie mit der Vitalität, demographisch wie religiös, eines unendlichen Stroms von Einwanderern mit einem unerschütterlichen Glauben an den Glauben konfrontiert.«[55]

Wer sein kulturelles Gedächtnis, das auch ein religiöses ist, leichtfertig vergibt, schwächt seine Identität und wird kaum anderen, starken Identitäten standhalten können.

 

Das Thema Erinnerung in Zusammenhang mit Missbrauchserfahrungen hatte kürzlich hier im Blog eine nachdenkenswerte Fortsetzung:

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/27/die-erinnerung-soll-ein-bruder-sein-doch-wohl-eher-eine-schwester/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

Fußnoten

[1] Ich habe Sally Perel mehrfach erleben dürfen, sogar mit meiner Familie und ihm einen Ausflug gemacht. Dadurch habe ich ihn mehrfach mit seiner Geschichte gehört. Seine Berichte changieren ein bißchen in der Wortwahl, sind aber in den Grundzügen überprüft: „… es wurde auch in einigen Medien behauptet, dieser alte Herr dort in Israel — damit meinte man mich — hat diese Geschichte erfunden. Um das zu beweisen, haben mich zwei deutsche Zeitschriften aus Israel nach Deutschland eingeladen, der Stern und der Spiegel. Unter anderem ist es ihnen gelungen, die Adresse des Soldaten ausfindig zu machen, der mir damals gegenüberstand und mich fragte, ob ich Jude bin. Wir haben ihn bei sich zu Hause besucht. … Die Journalisten fragten ihn: »Herr Weidemann« – so heißt er – »erinnern sie sich noch an diesen Moment?“«. Er sagte: »Ja, natürlich. Ich war mit ihm fast ein Jahr in derselben Wehr­machtseinheit.«“ Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“ (runterscrollen) https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[2] Es war das am längsten existierende nationalsozialistische Ghetto und nach dem Warschauer Ghetto das zweit­größte. Es diente, wie die anderen NS-Ghettos auch, vor allem als Zwischenstation vor der Deportation in die Vernichtungslager Kulmhof (Chełmno nad Nerem), Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. https://de.wikipedia.org/wiki/Ghetto_Litzmannstadt

[3] Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“, s. Anmerkung 1 https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[4] „Ich sollte nicht vergessen, wer ich bin, und habe doch vollkommen vergessen, wer ich bin. Ich wurde ein Hitler­junge. Der aus mir gewordene Hitlerjunge mußte sich so schnell wie möglich und so weit wie möglich von dem in ihm jetzt versteckten Sally entfernen und vergessen, und das ist mir gelungen. Ich habe Sally vergessen, nur so konnte ich überleben.“ Textbeispiel 9 in „Rück-Sicht“, s. Anmerkung 1 https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/05/kriegskinderkongress_frankfurt.pdf

[5] „Er brauchte 40 Jahre, um das Erlebte zu verarbeiten.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Sally_Perel https://www.profil.at/kultur/doppelleben-hitlerjungen-salomon-7759615

[6] https://www.google.de/search?client=firefox-b&dcr=0&ei=74FYWvjfAsKrUaCig8gC&q=sally+perel+termine+2018&oq=sally+perel+termine&gs_l=psy-ab.1.0.0l3j0i22i30k1l2.67946.69270.0.72153.7.2.0.5.5.0.116.213.1j1.2.0….0…1c.1.64.psy-ab..0.7.257….0.nYb0hiJxDxs

[7] „Rabbi Israel ben Elieser (ישראל בן אליעזר‎), genannt Baal Schem Tov (בעל שם טוב ‚Besitzer des guten Namens‘), abgekürzt Bescht; geboren um 1700 in Okop bei Kamieniec-Podolski, Polen-Litauen; gestorben am 22. Mai 1760 in Międzyborz (jiddisch מעזביזש Mezbizh), Wojewodschaft Podolien, Polen-Litauen) gilt als der legendäre Begründer der chassidischen Bewegung im Judentum.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Israel_ben_Elieser und ISRAEL ben Elieser BA’AL SCHEMTOW, Jüdisches Lexikon, Nachdr. d. 1. Aufl. Berlin, Jüd. Verl., 1927. – 1982, Bd. 3, Spalten 68 – 72

[8] „Das Wort Sachor gilt entweder G-tt oder dem Volk Israel. Israel soll sich seines G-ttes, seiner Geschichte und seiner Feinde erinnern. Ohne die Fähigkeit der Erinnerung gäbe es das jüdische Volk heute nicht mehr. Sachor bedeutet letztendlich Existenzsicherung durch Erinnern.“ http://www.israel-information.net/glossar/Sachor.htm

[9] Sefer Ba’al Schem Tov, II, 190 § 8; zitiert nach Grözinger, a.a.O., S. 32, entnommen aus Kurt Grünberg, Versöhnung über Auschwitz? http://www.hagalil.com/2011/02/versoehnung/

Zum Begriff Versöhnung weiter unten.

[10] elend‚außer Landes seiend‘, … ‚Außer Landes‘ oder ‚in einem anderen Land‘ ist der Ver­bannte oder Vertriebene, daher die Bedeutungsent­wicklung zu ‚unglücklich, jammervoll‘.“ aus: Kluge, Friedrich: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, Berlin, New York, 199923 S. 216f

[11] Mitzwot

[12] 5. Mose 26, 5

[13] 5. Mose 26, 1+3

[14] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/27426142489/in/dateposted-public/

[15] „Der Hebräische Name für Ägypten ist „Mizrajim“, was „Grenzen“, „Einschränkungen“ und „Hindernisse“ bedeutet.“ http://de.chabad.org/holidays/passover/pesach_cdo/aid/1219847/jewish/Nchstes-Jahr-in-Jerusalem.htm

[16] aus: Wolfgang Hegener in Wolfgang Benz (ed.), Handbuch des Antisemitismus, Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart, Bd. II, Berlin 2009, S. 251

[17] Es geht um die als gültig angesehene Erzählung, auch wenn sie aus kompilierten, redaktionell genealogisch verbundenen Geschichten besteht. In dieser Genealogie sind verwandte Konkurrenzstämme ausgegrenzt: Ismael, der Stammvater der Araber, Esau, Stammvater der Edomiter, Ham, Stammvater der Hamiten, Jafet, Stammvater der Völker nördlich von Israel, Lot,Vater und zugleich Großvater der Söhne Moab und Ben-Ammi, den Stammvätern der Moabiter bzw. Ammoniter. S. auch https://de.wikipedia.org/wiki/Narrativ_(Sozialwissenschaften) „Ein Narrativ ist eine sinnstiftende Erzählung, die Einfluss hat auf die Art, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Es transportiert Werte und Emotionen, ist in der Regel auf einen bestimmtem Kulturkreis bezogen und unterliegt dem zeitlichen Wandel. In diesem Sinne sind Narrative keine beliebigen Geschichten, sondern etablierte Erzählungen, die mit einer Legitimität versehen sind.“

[18] Laut Deborah Feldman (Unorthodox, Zürich 20165) ist auch der Holocaust integraler Bestandteil des Narrativs der chassidischen Satmar-Gemeinde in New York. „Nach Meinung der Satmarer war die Vernichtungspolitik der Nazis ein göttlicher Racheplan, um assimilierte Juden für die Abkehr vom orthodoxen Weg zu bestrafen. Und wer nach der Shoah kein rigide orthodoxes Leben führt, taumelt womöglich in die nächste gottgewollte Katastro­phe hinein.“ http://www.deutschlandfunk.de/deborah-feldman-ueberbitten-suche-nach-einer-neuen.700.de.html?dram:article_id=392331

[19] Zehn der zwölf Stämme Israels gelten seit ihrer Verschleppung durch die Assyrer 722 v. Chr. als die „verlore­nen Stämme“. Diese haben seit alters die Phantasie beschäftigt. Sind sie einfach in anderen Völkern aufgegan­gen? Das ist die wahrscheinlichste, einfachste und unspektakulärste Lösung. http://www.ezw-berlin.de/html/15_1296.php s. auch: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14280

[20] Die Mosaische Unterscheidung (Jan Assmann, Moses der Ägypter, Entzifferung einer Gedächtnisspur, Frank­furt am Main, 2000). Die Gründlichkeit, mit der Echnaton den Ammonskult durch seine Sonnenreligion ersetzt hatte, war Vorläufer der gnadenlosen Auslöschung seiner Spuren. Ist diese Auseinandersetzung ein Vorläufer aller ideologischen „Kriege“ um die absolute Wahrheit?

[21] „Das Volk Israel entdeckt, Gott ist nicht sein Privatgott, sondern er ist Gott und Vater aller Menschen“ , sagte Kardinal Marx unter Bezugnahme auf die Völkerwallfahrt zum Zion. http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/marx-nationalismus-ist-widerspruch-zur-bibel Das ist wohl richtig, aber es beeinhaltet die Unterwerfung aller Völker unter Israels Gott, perpetuiert also den Anspruch des israelischen Primats. s. auch: Völkerwallfahrt/Völkerkampf: https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/voelkerwallfahrt-voelkerkampf/ch/96f6a340ae122629a8952a7a7eedc000/

[22] http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/15685

[23] Sabre: https://de.wikipedia.org/wiki/Tzabar

[24] Zitiert bei David Grossmann, Der gelbe Wind, München 1988, S. 109

[25] https://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Wulf

[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Ernst_J%C3%BCnger

[27] Es war ausgerechnet der Humanistische Pressedienst, der zu Beginn der „Lutherdekade“ darauf aufmerksam gemacht hat: http://hpd.de/print/13504

[28] »Denn der Holocaust ist Kern des Selbstverständnisses der Bundesrepublik; das Gedenken daran ist ihre Staatsräson. Daher ist es nur folgerichtig, dass das Mahnmal so zentral in der Hauptstadt liegt, direkt am Brandenburger Tor. „Wir wollen Lehren ziehen, die auch künftigen Generationen Orientierung sind“ – so begründete Bundespräsident Roman Herzog 1996, dass er den 27. Januar, den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, als Gedenktag proklamiert hatte. Ohne Auschwitz gebe es keine deutsche Identität, fügte sein Nachfolger Joachim Gauck 2015 hinzu.« http://www.rp-online.de/politik/deutschland/holocaust-gedenktag-2017-das-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723

[29] Auch wenn D.D. (Daniel Deckers) in der FAZ vom 11. Januar 2018 von einer unauslöschlichen Signatur der deutschen Geschichte schreibt,

[30] http://www.rp-online.de/politik/deutschland/holocaust-gedenktag-2017-das-gedenken-als-staatsraeson-aid-1.6562723

[31] Thüringens AfD-Chef Björn Höcke: „Wir brauchen eine erinnerungspolitische Wende um 180 Grad“ http://www.tagesspiegel.de/politik/hoecke-rede-im-wortlaut-gemuetszustand-eines-total-besiegten-volkes/19273518-all.html

[32] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/2508784391/

[33] So in Griechenland. http://www.n-tv.de/politik/Zeitschrift-wirft-Kanzlerin-Voelkermord-vor-article6829721.html und in der Türkei: http://www.handelsblatt.com/politik/international/tuerkei-streit-merkel-als-weiblicher-hitler-mit-ss-uniform/19532982.html

[34] Die Landtagsabgeordnete Doris Schröder-Köpf (SPD) sagte in ihrer Ansprache zur Chanukka zu antisemi­tischen Ausfällen von Zuwanderern, „notfalls müsse man dagegen neue Gesetze schaffen. Wer hierherkomme, müsse auch Reli­gionsfreiheit und Toleranz lernen. Quelle: Hannoversche Neue Presse, NP 18.12.2017

[35] Zur Zeit wird ein Pflichtbesuch deutscher Schulklassen, also inclusive von Zuwandererkindern, in einem der Vernichtungslager diskutiert; z.B. http://www.taz.de/!5476251/

[36] Man schaue sich beispielhaft den „Verduner Altar“ in Klosterneuburg bei Wien an. https://de.wikipedia.org/wiki/Verduner_Altar

[37] „Als Substitutionstheologie (von lateinisch substituere, „ersetzen“; auch: Ersatz-, Ersetzungs-, Enterbungs- oder Enteignungstheologie) bezeichnet man eine verbreitete christliche Lehre, wonach das von Gott erwählte Volk Israel nicht mehr das Volk seines Bundes, sondern für alle Zeit von Gott verworfen und verflucht sei. Aufgrund des angeblichen Gottes- bzw. Christusmordes seien Gottes Verheißungen an Israel auf die Kirche als neues Volk Gottes übergegangen. Juden könnten ihr Heil daher nur noch durch die Taufe erlangen, also durch die Aufgabe ihres Judentums.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Substitutionstheologie

[38] https://de.wikipedia.org/wiki/Antijudaismus_im_Neuen_Testament

[39] http://www.israelogie.de/2016/sein-blut-ueber-uns-und-unsere-kinder-juedische-alleinverantwortung-fuer-jesu-tod/

[40] http://www.judentum.org/judenmission/judenmission/dialog.htm

[41] Hervorhebung, Dierk Schäfer

[42] https://www.bibelwissenschaft.de/wibilex/das-bibellexikon/lexikon/sachwort/anzeigen/details/juedisch-christlicher-dialog-christl-sicht/ch/980355f85c1fabb2b9b6c0210920741d/

[43] Quelle: Christian Buchholz, Gottes Geist an Fils und Alb, Lebensgeschichten, Göppingen 20171, S.104

[44] http://www.hagalil.com/2011/02/versoehnung/

[45] Link zum Photo und zum Pressebericht: http://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/21925448_Gedenkgottesdienst-fuer-Opfer-von-Gewalt.html

[46] https://www.wittekindshof.de/unternehmen/geschichte/

[47] »so kann die Anstalt mittlerweile auf ihrer Homepage zwar ein Kapitel „Geschichte“ präsentieren, den unseligen Teil dieser Geschichte, der allein der Anstalt anzulasten ist und nicht den Nazis, ganz einfach verschweigen. Ein besonderer Link ist seit 2012 nicht mehr zugänglich.« https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/24/das-geheimnis-der-versoehnung-heisst/

[48] https://de.wikipedia.org/wiki/Salafismus

[49] https://de.wikipedia.org/wiki/Zana_Ramadani

[50] Die verschleierte Gefahr. Die Macht der muslimischen Mütter und der Toleranzwahn der Deutschen. Europa Verlag, München 2017

[51] https://de.wikipedia.org/wiki/Deborah_Feldman

[52] http://plus.faz.net/feuilleton/2017-09-06/was-ich-an-dieser-gesellschaft-schaetze/51375.html Leider mit Zahlschranke versehen.

[53] http://www.deutschlandfunk.de/deborah-feldman-ueberbitten-suche-nach-einer-neuen.700.de.html?dram:article_id=392331https://deutscherarbeitgeberverband.de//aktuelles/2016/2016_02_01_dav_aktuelles_interview-ramadani.html

[54] http://www.schwaebische.de/politik/inland_artikel,-Im-Land-herrscht-%E2%80%9Ereligioese-Ahnungslosigkeit%E2%80%9C-_arid,10780096.html

[55] Harm de Blij, The Power of Place, Oxford University Press, Oxford, New York 2009, S. 69

Auf Kindesmissbrauch kann lebenslänglich stehen – für die Opfer

Posted in Geschichte, heimkinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche, Kriminalität, Psychologie, Religion, Täter by dierkschaefer on 29. August 2018

Ich bin ja ziemlich abgebrüht nach vielen Gesprächen mit vielen ehemaligen Heimkindern in den vergangenen Jahren. Was einige von ihnen erlebt haben, sprengt vielfach die Vorstel­lungs­kraft. Sie waren für mich oft auch der lebendige Beweis für die Langzeitfolgen der erlebten Heimerziehung. Untersuchungen im Bereich der Hirnphysiologie untermauern den Befund wissenschaftlich. Wie gesagt: Ich bin viel gewohnt.

Doch gestern erreichte mich ein Aufschrei, der mich zunächst einmal sprachlos machte. So etwas kannte ich nur aus Berichten über Kriegsheimkehrer, die nachts wild um sich schlagen und schreiend aufwachen.

Unsere Beschwichtigungsformeln, mit denen wir versuchen auf Distanz zu gehen, funktio­nieren in solchen Fällen nicht. Auch die Opfer können nicht auf Distanz gehen; zu voll sind sie mit der immer noch bedrängenden ängstigenden Vergangenheit, zu erfüllt sind sie mit Hass auf die Täter. Nein, sie wollen und können keinen ruhig-abschätzenden Blick auf ihre Erlebnisse und die dafür verantwortlichen Einrichtungen werfen, sie wollen und können auch nicht erkennen, dass diese Einrichtungen sich verändert haben. Es gibt ja auch eine nahtlose Fortsetzung nicht der Methoden, aber doch der Abwehr gegen die Ansprüche auf Ehrlichkeit in der Zerknirschung und Großzügigkeit in der Kompensation für erlittenes Leid.

Damit das eigentlich nicht Nachvollziehbare auch allen Lesern deutlich wird, habe ich diesen Aufschrei aus dem Kommentarbereich nach vorn geholt.

Es ging um eine Werbebroschüre der Diakonie.[1]img 13520

»Der Titel der Broschüre belegt die Dummheit der Diakonie. Sie wünscht sich die Erinnerung – und ist in ihrer Schafsblödheit nicht in der Lage zu erkennen, dass GENAU DIE ERINNERUNG die Opfer von Kirche und deren Tochtergesellschaften wie Diakonie fern hält!

In der Erinnerung von Kirchenopfer gibt es nur einen schenkenden Gott und der schenkte: Demütigung, Misshandlung, Zwangsarbeit und Prügel. Und ein Teil der Kinder wurde auch noch Missbrauchsopfer. Auf derlei „Geschenke“ hätten die Kinder nur zu gerne verzichtet.

Wer zu den Geknechteten und Vergewaltigten zählt pfeift auf Hoffnung, leidet unter furchtbaren Erinnerungen. Sie kommen nachts, sie reissen dich aus dem Schlaf, sie nehmen dir die Luft, du schreist deine Angst vor der geilen Drecksau mit Titel Diakon heraus – und wenn du Glück hattest, wachst du in den dich haltenden Armen deines Partners auf. Und irgendwann, wenn sie gross genug sind um zu verstehen, fragen auch deine Kinder nicht mehr, warum der Vater/die Mutter nachts manchmal so schreit. Du siehst es in ihren Augen, du siehst das Mitleid, die Zuneigung, die Liebe und auch die Verschrecktheit. Und erlebst, dass sie bei dem Wort Kirche nur Hass zeigen. Du leidest darunter wie ein Hund, weil du erkennst, dass die Täterschweine auch deine Kinder erreichten.

DIE VERBRECHERISCHEN SCHWEINE DER DIAKONIE MACHTEN AUCH MEINE KINDER ZU OPFERN!«

Fußnote

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/27/die-erinnerung-soll-ein-bruder-sein-doch-wohl-eher-eine-schwester/

Die Erinnerung soll ein Bruder sein? Doch wohl eher eine Schwester.

Aber vorweg: Ich habe nichts gegen die Katastrophenhilfe der Diakonie, spende darum auch hin und wieder.

Aber das Deckblatt dieser Werbebroschüre ist selber fast schon eine Katastrophe.img 13520.jpg

Aus zweierlei Gründen.

  1. Erinnerung ist rein sprachlich gesehen weiblichen Geschlechts. Nur ein sprachlich völlig unsensibler Mensch wird ihr eine Bruderrolle zusprechen wollen.
  2. Schlimmer noch ist allerdings die mangelnde Sensibilität für die Opfer Diakonischer Einrichtungen in der Vergangenheit. Ihre Erinnerung an die Erlebnisse in den Kinderheimen, an Demütigung, Zwangsarbeit, Misshandlung, Missbrauch und an eingeschränkte Bildungsmöglichkeiten, diese Erinnerungen ließen einmal die Hoffnung aufkeimen, die Opfer würden angemessen entschädigt und ihnen bliebe im Alter ein weiterer Aufenthalt in einem Heim möglichst erspart. Doch diese Hoffnung wurde am Runden Tisch für ehemalige Heimkinder brutal abgewürgt.

Im Editorial der Broschüre wird Charles Dickens zitiert: „In der kleinen Welt, in der Kinder leben,  wird nichts so genau wahrgenommen und gefühlt wie Ungerechtigkeiten.“ Man hätte seine Klassiker früher beherzigen soll. Nun fällt einem so ein Spruch auf die Füße.

Meine Frau sagte, was werden wohl die Heimkinder zu diesem Deckblatt sagen?

Ja, dieses Deckblatt ist ein Verdeckblatt. Sicher wird man der Diakonie u.ä. Einrichtungen nicht abverlangen können, bei jedem Auftritt vorweg ein Schuldgeständnis abzulegen. Doch die mangelnde Sensibilität lässt den Schluss zu, dass es mit dem Schuldbewusstsein nicht weit her ist und wohl eher ein Lippenbekenntnis hervorgebracht hat, um unbeschwert in die Zukunft gehen zu können. Doch diese Hoffnung trügt. Sie hat eine Schwester – und die heißt Erinnerung.

Dazu:

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/24/das-geheimnis-der-versoehnung-heisst/

https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/27/das-geheimnis-der-erloesung-heisst-erinnerung/

Demnächst auch hier im Blog: Erinnerung und Identität – Zur Bewältigung deutscher Vergangenheit in einem veränderten gesellschaftlichen Kontext, von: Dierk Schäfer, Deutsches Pfarrerblatt – Heft: 9/2018, http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/index.php?a=show&id=4563

Nicht nur Misshandlung und Missbrauch, Korntal war auch ein Ausbeutungssystem.

So berichtet der swr in seiner Sendung REPORT MAINZ [1]. Er beruft sich dabei auf den „Aufklärungsbericht“.[2] [3] zwangsarbeit

Einige Zitate:

»Gegenüber dem ARD-Politikmagazin berichtete Detlev Zander, der den Missbrauchsskandal in Korntal 2013 erstmals an die Öffentlichkeit trug, er habe von seinem sechsten bis zu seinem 16. Lebensjahr in der Gärtnerei der Brüdergemeinde, im Stall und auf dem Acker arbeiten müssen. Ferner habe er als Heimkind mehrere Privathäuser mit gebaut und die privaten Fahrzeuge eines Heimleiters waschen müssen. Im Interview erinnert er sich:

„Ich habe auf der Baustelle so viel Gewalt erlebt. Gewalt und dieses ununterbrochene Arbeiten.“

„Wir durften den ganzen Tag arbeiten. Fenster herausreißen, Türen herausreißen, Wände herausreißen. Ein großer Teil meiner Kindheit ist hier in diesen Baustellen draufgegangen.“«

»Betroffene wie Thomas Mockler und Detlev Zander sagten gegenüber REPORT MAINZ, sie empfänden die bislang gezahlten Summen als Hohn. „Diese Summen sind den Taten und Misshandlungen in keinster Weise angemessen“, sagte Thomas Mockler. Sie wollen weiterkämpfen, nicht nur um eine Anerkennungsleistung, sondern um eine ihrer Meinung nach gerechte Entschädigung für die Zwangsarbeit.

Zwei Betroffene erzählten exklusiv von schwerem sexuellen Missbrauch bis hin zu Verge­waltigungen, dem sie immer wieder durch Mitarbeiter der Kinderheime ausgesetzt gewesen sein sollen. Darüber hinaus habe die Brüdergemeinde sie an Wochenenden an so genannte Patenfamilien abgegeben, wo sie ebenfalls sexuell missbraucht worden sein sollen.«

 

Die Äußerung des weltlichen Vorstehers der Evangelischen Brüdergemeinde, Klaus Andersen, entspricht leider der üblichen Unsensibilität – oder ist es Umverschämtheit -, mit der die heute Verantwortlichen solcher Einrichtungen reagieren. Auch er versucht die „bedauerlichen“ Vorfälle abzumildern: »„Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.“«[4]

 

Mich ekelt vor solchen Menschen“

 

Fußnoten

[1] SENDETERMIN Heute | 21.45 Uhr | Das Erste

https://www.swr.de/report/betroffene-fordern-entschaedigung-fuer-zwangsarbeit-ausbeutung-durch-kinderarbeit-in-heimen-der-evangelischen-bruedergemeinde-korntal/-/id=233454/did=22231810/nid=233454/1wljzcr/index.html#utm_source=Facebook&utm_medium=referral&utm_campaign=SWR%2Ede%20like

[2] Ausführlich hier im Blog behandelt, allerdings wurde der Aspekt Zwangsarbeit noch nicht angeprochen.

https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/07/21/korntal-ein-system-der-gewalt/ mit einer Fülle von Kommentaren, das andere Posting, Korntal – eine never-ending Story hat nun seine Aktualität erfahren: https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/03/korntal-eine-never-ending-story/

[3] Photo: https://shop.spreadshirt.de/780704/verbot+der+sklaverei+und+zwangsarbeit-A26323887. Ich empfehle das T-Shirt als Arbeitskleidung für das Personal solcher Einrichtungen.

[4] 2017 gegenüber REPORT MAINZ: „Das bedauern wir sehr. Und ich weiß, dass damals auch die Mitarbeiter, trotz alledem, mit viel Herzblut und Engagement ihre Arbeit getan haben.“

Korntal: Ein System der Gewalt

„Die Aufklärer sehen ein System der Gewalt in Korntal, dafür bat die Diakonie heute um Entschuldigung“.[1]

Detlev Zander hatte den Stein ins Rollen gebracht. Er sagt: „Die haben uns regelrecht die Seele gebrochen.“ [2]

Die „Diakonie der evangelischen Brüdergemeinde Korntal gGmbH“[3] denkt schon weiter: „Wir erleben aber, dass in persönlichen Kontakten mit Betroffenen ein Verständigungsprozess vielleicht – sogar ein Versöhnungsprozess möglich ist“.[4]

O ja, die Harmonie, es gab sie nicht, doch man hätte sie gern.

Wenn man sich anschaut, wie lange Korntal sich gesträubt hat beim ersten Schritt, der Erinnerung, wie aufwendig der zweite Schritt war, die Verständigung, dann denkt man doch etwas vorschnell an Versöhnung.[5] Auch die Aufarbeitung der Erinnerungen wurde nur unvollständig und wenig professionell geleistet. Heftige Kritik übt auf zwanzig Seiten Ursula Enders unter der Überschrift „Doppelter Verrat, – Demütigende Aufarbeitung der Gewalt in Heimen der evangelischen Brüdergemeinde Korntal“[6]. Die Opfer – und nur sie – können entscheiden, ob sie so etwas wie Vergebung und Versöhnung überhaupt wünschen, unter welchen Umständen sie möglich ist, und wann der Zeitpunkt dafür sein könnte. Denn durch den aktiven Widerstand gegen die Aufarbeitung, es begann mit der Verleugnung, begleitet von Verleumdungen, wurde die heutige Diakonie zu einer Täterorganisation, die nicht nur die damaligen Taten bei einer Versöhnung, sondern ihr eigenes Verhalten auf den Prüfstand stellen muss.

Bei der internen Aufarbeitung – hat sie schon begonnen? – muss man im Fall von Korntal drei Kategorien von Kindesmisshandlung unterscheiden.

  1. Die gewalttätige Pädagogik (Misshandlungen)
  2. Die „ideologische“ Beeinflussung
  3. Den sexuellen Missbrauch.

Dazu gesellt sich durchgehend der Faktor der Vertuschung, angefangen vom Nichtwahr­habenwollen zur Zeit der Misshandlungen bis zur Leugnung der Taten und der Verschleppung der Aufklärung.[7]

Mit dem sexuellen Missbrauch ist man schnell fertig, denn er war nie entschuldbar.

Die „ideologische“ Beeinflussung ist schon etwas schwieriger einzuordnen, schließlich war Korntal von Beginn an eine dezidiert pietistische Einrichtung. Selbstverständlich gab es Andachten und Gottesdienste, selbstverständlich versuchte man die Kinder im Geiste des Pietismus zu erziehen. Erziehung geschieht immer im weltanschaulichen Rahmen der Erziehenden, selbst wenn dieser ein freigeistiger ist. Die Frage ist nur, was man tut, wenn die Kinder aus dem weltanschaulichen Korsett austeigen wollen.

buschSchwieriger ist schon die gewalttätige Pädagogik.[8] Sie war in der Regel ideologisch unter­mauert – wie auch die Erziehung zu Demut und Gehorsam. Gerade für eine „fromme“ Einrichtung wie Korntal geht es dabei an die Substanz, jedenfalls soweit die frühere Pädagogik betroffen ist. Denn die speist sich aus der Überzeugung, dass das Leben im Himmel wichtiger ist als das auf der Erde. Dafür die Weichen zu stellen, rechtfertigte auch – zuweilen heuchlereich – die Gewalt. Da werden sich unsere Frommen zu anderen frommen Vorstellungen überwinden müssen. Ich empfehle die Besinnung auf Christph Blumhardt. Der war fromm, dabei nicht engstirnig und sozial sehr aktiv.[9]

Fußnoten

[1] So auf der Pressekonferenz: https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[2] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[3] http://www.diakonie-korntal.de/

[4] https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/Missbrauchsfaelle-Bruedergemeinde,av-o1029559-100.html

[5] Zu diesem Dreischritt: https://dierkschaefer.wordpress.com/2017/09/27/das-geheimnis-der-erloesung-heisst-erinnerung/

[6] https://www.zartbitter.de/gegen_sexuellen_missbrauch/images/Presse/Bericht_Korntal.pdf

[7] In anderen kirchlichen wie staatlichen Einrichtungen kämen noch die Zwangsarbeit und das Vorenthalten angemessener Bildung hinzu. Von zweckdienlichen Fehldiagnosen (geistig behindert) ganz abgesehen.

[8] http://gutenberg.spiegel.de/buch/plisch-und-plum-4189/25

[9] Dazu findet man etwas in https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/07/16/was-ist-denn-an-bad-boll-so-toll/

Was ist denn an Bad Boll so toll?

Der Ort hat doch nicht mal 6.000 Einwohner!

Dennoch, Bad Boll: Ein Dorf, mehr als manche Stadt

Wieso?

Wer aufmerksam durch den Ort geht, dem fallen Häuser auf, deren Architektur unty­pisch für ein Dorf ist. Auch die Siedlungs­struktur, denkt man sich die Neubau­gebiete weg, erscheint merkwürdig. Friedhöfe gibt es gleich mehrere – und das nicht nach dem Schema alter und neuer Friedhof. Bei der Kirche gibt es einen alten und zum neuen muss man nur durch ein Tor. Diese Friedhöfe gehören zu Boll und seinen zwei Siedlungskernen. Der dritte, das ursprüng­liche BAD Boll hat auch zwei beieinander liegende Friedhöfe. Beide erstaunen, weil viele der dort Bestatteten aus so ziemlich allen Winkeln der Welt hier gelandet sind.[1] Wie kommt es zu den acht Trigrammen aus dem I GING[2] auf dieser Grabstätte?

 

Der Ort hat also was. Doch was?

 

Das Besondere begann mit „des Königs Wunderbad“ und seinen illustren Besuchern, die kamen wegen der Blumhardts und danach kamen mehr oder weniger zufällig die Anthroposophen und schließlich die Evangelische Akademie.

 

Manche sprechen vom „Kraftort Bad Boll“; so eine Referentin beim Abendgespräch im Café Heuss; sie stieß auf Zustimmung bei anderen Teilnehmerinnen. Der Künstler KWAKU-Eugen Schütz sprach bei seiner Vernissage[3] vom „Heiligen Boden“, und meinte damit die Akademie.

 

Das brachte mich in eine gewisse Verlegenheit. Normalerweise hätte mein geschätzer und hochkompetenter Kollege Albrecht Esche den Vortrag im Literarischen Salon übernehmen sollen.

Blumhardts Literarischer Salon in der Villa Vopelius in der Evangelischen Akademie Bad Boll [4]literatursalon.jpg

Er hätte dann von der Teufelsaustreibung bei der Gottliebin Dittus und dem glaubens­starken Blumhardt berichtet, mit dem alles begann. Ich hätte still dabeigesessen und mir meine Gedanken gemacht. Nun aber, der Kollege war im Urlaub, musste ich einspringen – Magie und Zauberei sind wirklich nicht meine Sache[5]. Schließlich nannte mich jemand den „am meisten säkularisierten Pfarrer unserer Akademie,“[6] und spuk­hafte Erscheinungen halte ich eher für erklärungsbedürftig und prinzipiell auch erklä­rungs­fähig.[7] Ein Kraftort? Ich halte es eher mit Sankt Hieronymos, der meinte, es komme nicht darauf an, in Jerusalem gewesen zu sein, denn „sowohl von Jerusalem wie von Britannien aus steht der Himmel gleichermaßen offen; denn das Reich Gottes ist inwendig in euch.“[8] Was also tun? Ich schlug also folgerichtig das Stich­wort „Ort“ im „Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens“ nach.[9] Das lässt dann ganz schnell an andere Verbindungen von Ort und Magie denken (Friedhöfe, Wallfahrtsorte), aber auch an „stoffgebundene“ magische Vorstel­lungen (Sakramente, Reliquien). Ja, der Aber­glaube kennt Kraftorte, gute wie böse.

Und Bad Boll?

Ob Kraftort oder nicht: Es gibt drei Aspekte für die besondere Bedeutung von Bad Boll

  1. Das Kurhaus
  2. Die Anthroposophie
  3. Die Akademie

ad 1: Herzog Friedrich I. von Württemberg ließ ohne Erfolg nach Salz graben.

1595 stieß man dabei auf Versteinerungen und auf die Schwefel- und Thermalquellen. Das „Wunder­bad“ bezog sich auf die Versteinerungen, die hielt man für ein Wunder Gottes.

1596 wurde das heutige Kurhaus in seiner ersten Form von Heinrich Schickhardt[10] erbaut. Es gab 12 Freiplätze für „Gnadenbädler“. Das Bad florierte nicht so sehr. Die erhofften „oberen Stände“ kamen nicht.

1821 – 23 lässt König Wilhelm I die noch heute das Kurhaus bestimmende schlossartige Anlage in Huf­eisen­form errichten.

1852 erwirbt Blumhardt d.Ä. das Kurhaus mit 400 Gulden Eigenkapital (Der Preis war schon auf 25.000 Goldgulden gesunken)[11]. Mit seinem Wirken beginnt die nationale und internatio­nale Ausstrahlung von Bad Boll.

Wer war Johann Christoph Blumhardt? Ein Wunderheiler? Ein Teufelsaustreiber?

Johann Christoph Blumhardt (* 16. Juli 1805 in Stuttgart; † 25. Februar 1880 in Boll) war ein Pfarrer der württembergischen Erweckungsbewegung, evangelischer Theologe und Kirchenlieddichter. … 1820 – nach einer zweiten Aufnahmeprüfung, dem „Landexamen“ – wurde er Stipendiat des Evangelisch-theologischen Seminars in Schöntal. Während seines Theologiestudiums in Tübingen lernte er u.a. Eduard Mörike kennen, der ebenfalls als Student im Evangelischen Stift wohnte und zu dem sich eine innige Freundschaft entwickelte. … Im Juli 1838 wurde er zum Pfarrer in Möttlingen (bei Bad Liebenzell) ernannt. Hier heiratete er Doris Köllner, eine Tochter seines Missionsfreundes Karl Köllner. 1842 wurde ihr Sohn, der spätere Theologe Christoph Friedrich Blumhardt, geboren.

Gottliebin Dittus, eine junge Frau aus der Gemeinde, litt an einer unerklärlichen Krankheit: sie wurde von Krämpfen geplagt, fremde Stimmen redeten aus ihr.[12] Zwei Jahre lang – 1842 und 1843 – begleitete er diese Frau seelsorgerlich, indem er sie immer wieder an Gottes Ver­heißungen erinnerte und mit ihr betete. An Weihnachten 1843 endete ihr Leiden, das Blum­hardt später in einem Krankheitsbericht an das kirchliche Konsistorium als „Geister­kampf“ bezeichnet. Der laute Ruf der Geheilten „Jesus ist Sieger“ wird zum Losungswort Johann Christoph Blumhardts.[13]

Diese Heilung löste in Möttlingen eine Buß- und Erweckungsbewegung aus. [14]

Wenn ein Ort eine Ausstrahlung hat, ein Kraftort ist, dann wäre Möttlingen zunächst ein böser Ort, der dank Blumhardt zum guten Kraftort wurde und nach seinem Weggang nicht mehr war. Am Ort kann’s also nicht gelegen haben.

Die Erweckungsbewegung brachte Turbulenzen und die Kirchenbehörde begrenzt Blum­hardts Aktivitäten. Er darf nun keine Auswärtigen mehr empfangen und keine Heilungen (Handauf­legen) mehr tätigen. So sucht er nach Alternativen und kauft das Kurhaus. Damit beginnt der „Aufstieg“ des Kurbades und Ortes von Bad Boll. Jetzt kamen die „illustren Besucher“.

„Bad Boll war im 19. und beginnenden 20. Jahr­hundert ein vielbesuchtes »protestantisches Lourdes«. Im Kurhaus versammelten sich neben einheimischen Gästen aus Württemberg auch Angehörige des reformierten und lutherischen Bürgertums aus der Schweiz, dem Elsass und aus Norddeutschland, darunter nicht wenige Adelige. Sie hofften von Krankheiten geheilt zu werden, suchten aber auch ihr Seelenheil, also Lebenshilfe, Lebenssinn und Orientierung.

Zwischen 1852 und 1919 wirkten hier Vater (Johann Christoph) und Sohn (Christoph) Blumhardt als Pfarrer und Therapeuten. Wurde der Ältere vor allem als erfolgreicher Heiler – im Dienste seines Heilandes – wahr­genommen, so erlangte der Jüngere eine spektakuläre Berühmtheit durch sein politisches Engagement in der SPD. Deshalb galt Bad Boll seit 1900 auch als Treffpunkt von Sozialisten, politischen wie religiösen.“

Zu Johann Christoph Blumhardt sind drei Persönlichkeiten zu nennen, die im Literatur­salon präsentiert werden.

ð Eduard Mörike, mit ihm bestand eine Freundschaft seit dem Studium am Tübinger Stift.

ð Ottilie Wildermuth war mehrmals bei Johann Christoph Blumhardt und – wie sie eigens betonte – seiner Ehefrau Doris zu Besuch. Sie bewunderte Doris noch mehr als Johann Christoph, die mit großer Ruhe und Gelassenheit das umtriebige Gewimmel von zahlreichen Menschen aus ganz Deutschland und dem angrenzenden Ausland „managte“. Ottilie bekam als begabtes und intelligentes Kind früh einen „Wunderkindstatus“. Ihre Stellung als bekann­teste und geschätzte Autorin der Zeit war durchaus etwas Besonderes und Ungewöhn­liches.

Sie schrieb vom „Frieden, der auf diesem Haus ruht“. Mit den Worten „Wenn selten Wunder noch geschehen. Weil jetzt der Herr nur leise schafft“ hatte sie den Wandel in der Blumhardt­schen Wirkung getroffen.

ð „Christian Buddenbrook“, alias Friedrich Wilhelm Leberecht Mann. Er war der Onkel von Thomas Mann, war psychisch-labil, und wird in einer krankhaft belasteten Zeit zu Blum­hardt nach Bad Boll geschickt. „Was Blumhardt bewirken konnte, wissen wir nicht – von Heilung spricht niemand.“ Übrigens: Buddenbrook war der Name eines Sekundanten im Effi Briest-Duell.

1880 nach dem Tod seines Vaters übernahm Christoph Friedrich Blumhardt die Leitung von Bad Boll. Er gewann als Seelsorger und wortgewaltiger Bußprediger einen Ruf weit über seine Heimat hinaus. Ging es seinem Vater überwiegend um individuell-seelsorgerliche Hil­fen, so dem Sohn um die Heilung der Strukturen. Er sah in der Sozialdemokratie die Kraft zur Förderung des Reiches Gottes.

1888 gründete er in Eckwälden das „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“, er verkaufte es 1901. Den Grund dafür konnte ich nicht herausfinden.

Persönlich kamen zu ihm und sind im Salon präsentiert:

ð Ludwig Richter (und Sohn) war insgesamt sechs Mal »in dem lieben Boll«. Anlass dafür gab ihm sein Sohn Johannes Heinrich (1830-1890), der seit 1872 häufig Hilfe bei den Blum­hardts suchte und seit 1888 ganz in Eckwälden, in dem von Christoph Blumhardt gegründeten „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“, lebte. Er hatte Depressionen, wohl auch Paranoia. „Heinrich Richter fand in Bad Boll einen Zufluchtsort, der ihm Leben ermög­lichte. Er starb am 12. Juli 1890 und liegt auf dem Blumhardt-Friedhof begraben.“

ð „Effi Briest“, alias Elisabeth (Else) Baronin von Ardenne[15] »Ein gütiges Schicksal führte mich nach Bad Boll im lieben Württemberg, das mir zur zweiten Heimat wurde. Die Seele des großen Hauses, Pfarrer Blumhardt, dessen helfende Liebesfäden weit über Deutsch­land liefen, wusste auch mir festen Grund unter die lahm gewordenen Füße zu geben und meiner Seele neuen und besseren Aufschwung.« Christoph Blumhardt setzte sie als Pflegerin im Haus für Nerven- und Gemüts­kranke in Eckwälden ein. Sie starb in Lindau und bekam ein Ehrengrab bei Potsdam.[16]

ð Hermann Hesse „hatte das Dasein »Unterm Rad« im evangelischen Seminar Maulbronn satt und riss aus. Deshalb wurde er von seinen hilflosen Eltern dem Rettungsanker Christoph Blumhardt anvertraut und landete im Mai 1892 in Bad Boll. … Sechs »selige Wochen in Boll« erlebte Hermann Hesse. Nach einer Suizidvorbereitung wegen unerwiderter Liebe setzte Blumhardt ihn zornig vor die Tür und empfahl ihn nach Stetten in die Heil- und Pflegeanstalt für Schwach­sinnige und Epileptische.“

ð Gottfried Benn „begann auf Wunsch seines Vaters 1903 in Marburg ein Theologie- und Philosophiestudium. Viel lieber aber wollte er Medizin studieren. Deshalb reiste Pastor Gustav Benn aus Sellin/Brandenburg 1904 mit seinem Sohn nach Bad Boll, um Rat und Hilfe einzuholen, sicherlich auch um Unterstützung durch den berühmten Gottesmann zu erhal­ten. Christoph Blumhardt ergriff Partei für den jungen Gottfried Benn und leitete so die Karriere ein, die den späteren Dichter und Arzt berühmt machen sollte.“

ð Richard Wilhelm   „kam 1897 als Vikar nach Boll und freundete sich rasch mit Christoph Blumhardt sowie dessen 18-jähriger Tochter Salome an, seiner späteren Frau. 1899 reiste er als Missionar nach China aus und lebte in Tsingtau/Kiautschou.[17]“ Der Boxeraufstand[18] 1900 mit der Parole von Wilhelm II. »Pardon wird nicht gegeben« öffnete Richard Wilhelm die Augen für die Motive des Kolonialismus und der sie stützenden Mission. »Unter Umständen müsst Ihr Chinesen mit den Chinesen werden, sei es auch, dass es zu einer Trennung von den kirchlich denkenden Menschen kommt. […] Christen brauchen sie gar nicht zu werden. Diesen Namen sollte man in fremden Ländern gar nicht aufkommen lassen. Wer den Willen Gottes tut, ist des Himmelreichs Kind, ob er von Konfuzius oder von Kirchenvätern abstammt.« – Christoph Blumhardt an Richard Wilhelm, 21. Januar 1901.“ Man beachte die Weite des Horizontes dieses ansonsten sehr pietistischen Mannes.

ð Hermann Kutter – „Sein Buch »Sie müssen!« (1903) wurde zum wirkungsmächtigsten Dokument der religiös-sozialen Bewegung[19]. Jenseits aller Differenzierungen und Vorbehalte werden darin die Sozialdemokraten für Gottes Wirken in der Welt in Anspruch genommen.“

ð Karl Barth »Das Einzigartige, wir sagen mit vollem Bedacht: das Prophetische in Blum­hardts Botschaft und Sendung lag darin, wie sich das Eilen und Warten[20], das Weltliche und das Göttliche, das Gegenwärtige und das Kommende in seinem Reden und Tun begegnete, vereinigte, ergänzte, immer wieder suchte und fand.«

Es fehlt August Bebel: „Wenn er bei Blumhardt in Bad Boll sei, könne sogar er an Gott glauben.“[21]

Auch Clara Zetkin besuchte Bad Boll und schrieb an Blumhardt: „Mit der Versicherung herzlichster Hochachtung grüßt Sie Ihre ergebene Clara Zetkin.“

Zu nennen wäre noch Max Reger, der auf Vermittlung von Blumhardt in Boll kirchlich getraut wurde. Reger war katholisch, seine Braut war evangelisch und geschieden. Zu damaliger Zeit ein Hindernis für eine kirchliche Trauung. Reger wurde nach der Trauung exkommuniziert.

Die Eingabe Heine/Blumhardt gibt bei Google keinen passenden Treffer. Die beiden werden einander nicht gekannt haben. Und doch unterstelle ich eine Seelenverwandtschaft zwischen dem ernst-frommen Blumhardt und dem Spötter Heine.

Die Heineverse wären jedenfalls, von der Frivolität abgesehen, durchaus nach dem Sinn von Blumhardt gewesen:

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.[22]

Im Laufe der Jahre wurde Blumhardt zu einer bedeutenden Person der Zeitgeschichte. Als 1888[23] Kaiser Wilhelm I. auf dem Sterbebett lag, wurde Blumhardt zu ihm gerufen.[24]

1887/1988 ließ Blumhardt in Eckwälden das „Haus für Nerven- und Gemütsleidende“ bauen. Baronin von Ardenne hatte hier ihr Arbeitsfeld. Das Haus wurde bereits 1901/1902 an die vier Schwestern Härlin verkauft, die hier bis 1930 ihr Pensionat „für höhere Töchter“ führten.[25] Ob und wie dieser Verkauf mit dem Weggang der Baronin zusammenhing, konnte ich bisher noch nicht ermitteln.

1920 (erw)erben die Herrnhuter[26] von den Blumhardt-Erben das Kurhaus, das den Erforder­nis­sen der Zeit nicht mehr entsprach.[27]

Im Gefolge der Herrnhuter sozusagen kam nach dem Krieg die „Europäisch-Festländische Brüder-Unität“[28] nach Bad Boll (1961).

Mit den Herrnhutern beginnt die Fortsetzung der Geschichte des Kurhauses, zunächst ganz im Sinne von Blumhardts Erben. Heute, nach mehrfachem Besitzerwechsel, ist das Kurhaus ein normaler Rehabi­li­tationsbetrieb. Noch (?) wird der große Saal, der „Kirchensaal“ für Gottes­dienste genutzt. Im „Blumhardtzimmer“ fällt eher die Nutzung durch die Kurseelsorge auf: ein großer dominierender Tisch aus der Jetzt-Zeit und das Regal voll mit den derzeit gebräuchlichen Gesangbüchern; das „Zinzendorfzimmer“ taucht nur noch im Wegweiser auf. Fragt man penetrant nach, wird einem die Zimmertür zum psychologischen Dienst des Kurbetriebes gezeigt.

Albrecht Esche schreibt: Mit dem Tod der Blumhardts „war dann in Bad Boll alles aus und vor­bei. Auch das gute Wasser, die Schwefelquelle sowie die — al­lerdings erst vor einigen Jahr­zehnten aufgefundene — Mi­neralquelle, wurde nicht als Geschenk des Schöpfers und der Schöpfung religiös-therapeutisch genutzt, auch nicht die einmalige Lage und Naturlandschaft. So bleiben die Besucher mit sich allein und auf sich selbst gestellt. Und so bleibt uns heute nur noch die Erinnerung — oder aber ein neuer Aufbruch zu den unerschöpflichen spirituellen Quellen, die dieser Ort zu bieten hat.“

ad 2: Nur kurz zur Anthroposophie

Anknüpfungspunkt: Wala und Blumhardthaus in Eckwälden

  •  1935 gründet Rudolf Hauschka die Firma „Wala“ in Bad Boll-Eckwälden.[29] Mit dieser Gründung begann die Ausbreitung der Anthropo­sophie in Bad Boll-Eckwälden.
  •  1937 Im Blumhardthaus eröffnet der Anthroposoph Dr. Geraths[30] das „Heil-und Erziehungs­institut[31] für seelenpflegebedürftige Kinder“[32] Er knüpfte auch bewusst an das geistige Erbe der Blumhardt’s an.
  •  1965 gründet Geraths das „Rudolf Steiner-Seminar für Heilpädago­gik“[33]. In diesen Umkreis gehört auch die
  •  1962 gegründete „Margarethe-Hauschka-Schule für künstlerische Therapie und Massage“.
  • O 1987 wird in Bad Boll das „Seminar für freiheitliche Ordnung e.V“.[34] gegründet.

So kamen im Lauf der Zeit viele Anthroposophen nach Boll und Bad Boll; man sieht’s im Ortsbild an der alternativen Bekleidung der Frauen. Es gibt auch eine anthroposophische Apotheke[35]. Bad Boll scheint für die Anthroposophen ein Kraftort zu sein.

Zwei Anmerkungen zur Anthroposophie in Bad Boll.

  1. Aus einem unveröffentlichten Protokoll von „Karma“[36]-Arbeits-Sitzungen hier in Bad Boll:

„Frau M. ist „hellsichtig“, stieß bei der Karmaarbeit mit X. auf dunkle gemein­same Geschichten, die sie den Engeln zur „Transformation“ übergaben. Sie bekamen von diesen den Auftrag, zu ihnen Kontakt zu halten, weiter alle vier Wochen Karmaarbeit zu betreiben, sich um die Landschaft und ihre Geschichte zu kümmern.

Y gab den Hinweis auf unerlöste Orte in der Gegend. So kam man auf den Brunnen im Kurhaus mit unerlösten Gestalten.“

X und Y kenne ich persönlich. Über X habe ich im vorigen Jahr ein religionspsychologisches Gutachten zur forensischen Verwendung erstellt.

  1. Das „Heil-und Erziehungs­institut für seelenpflegebedürftige Kinder“, 1937 in Eckwälden gegründet, hat es geschafft, dass kein einziges der behinderten Kinder der T4-Aktion[37] der Nazis zum Opfer fiel.

Aus meinen vielfachen Kontakten mit Anthroposophen und ihren Einrichtungen habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese mit Menschen mit Behinderung angemessener umgehen, als das in unseren kirchlichen Einrichtungen oft der Fall zu sein scheint. Die Aussicht auf spätere Inkarnationen reduziert offenbar den Erfolgsdruck, Menschen mit ihrem einzigen Erdenleben auf den richtigen Weg zum Himmel zu bringen oder gar zu zwingen.

ad 3: Die Akademie

Der Künstler der augenblicklichen Ausstellung sprach vom „heiligen Boden“ und meinte damit die Begegnungen auf Tagungen der Akademie. Er pries die Dynamik; hier entstehe etwas Neues.

Was hat es damit auf sich?

Schon vor Kriegsende gab es Pläne für eine Akademie, die sich mit der Initiative von Eber­hard Müller und Prof. Helmut Thielecke konkretisierten. Sie wollten eine Art Forum für gesell­schaftspolitisch wichtige Fragen schaffen: Meinungsvielfalt, die es unter der Nazi-Herrschaft nicht gab. Die Anfänge waren turbulent und sind hier nicht im Detail darzustellen. Das Kurhaus wurde nur rein zufällig der Ort der ersten Tagung und der folgenden. Banaler Grund: Es stand leer, weil die Amerikaner die Betten abtransportiert hatten. Eberhard Müller besorgte die Betten und konnte die erste Tagung mit knapp 160 Teilnehmern eröffnen. Die Tagung wendete sich an „Männer des Rechts und der Wirtschaft“, Frauen waren nicht „mitge­meint“[38]. Die Teilnehmerliste zeigt: Hier war die erhoffte Nachkriegselite angespro­chen. Die zweite Tagung diente der Verankerung der Akademie-Idee in der Württember­gi­schen Landeskirche, die dritte hatte die Arbeiter im Focus.

Um die Auswirkungen der Akademiearbeit nur kurz zu skizzieren: Lange galt es als Aus­zeich­nung, (auch ohne Honorar) in der Akademie zu referieren. Neben hochrangigen Wissen­schaftlern war auch viel Politprominenz zu verzeichnen, oft auch auf dem Weg zum Aufstieg ins Spitzenamt. Wenn man unbedingt will, könnte man meinen, dieser Kraftort habe den end­gültigen Kick zur Spitze gegeben.

Die Evangelische Akademie Bad Boll wurde zudem die Mutter aller kirchlichen Akademien, bundesweit, evangelisch wie katholisch. Auch eine Akademie auf Kreta ist Ergebnis der Arbeit von Eberhard Müller. Veranstaltungen dieser Akademien waren –wie ich es nenne – Talkshows vor dem Begriff. Heute haben die Talkshows im Fernsehen den Akademien erfolg­reich die Teilnehmer und Zuschauer streitig gemacht. Mit den Talkshows können Politiker sehr schnell auf vorgegebene aktuelle Fragen reagieren, die Zuschauer brauchen sich nicht vom Sofa zu erheben und haben keinen – inzwischen wirklich sehr teuren – Tagungs­beitrag zu entrichten.

Die Kirchen bauen ihre Akademien zurück oder geben sie auf.

img 13404Es ist eine Ironie der Geschichte: Auf dem architekto­ni­schen Höhepunkt der Akade­mie[39], 1995 zum 50jährigen Jubi­läum (Kapelle und erhebliche Erweiterung des Café Heuss) wurde das Dilemma der Akademien deutlich formu­liert. 2001 kamen das Symposium und 2010 der neue Süd­flügel hinzu, all dies Glanzstücke moderner Architektur.

Ich sagte damals: Der Hotel­betrieb ist Chance der Akademie und zugleich Klotz am Bein. Nun, der Hotelbetrieb floriert dank der Gasttagungen, die Akademie-Tagun­gen gehen zurück. Wer seine Teilnahme selber finanzieren muss, überlegt sich das.

Vom „Kraftort Bad Boll“ bleibt die Erinnerung an kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begeisterungsfähige Persönlichkeiten. Erinnerungen, die ständig der Neubelebung bedürfen, wenn der Ort seine museale Anziehungskraft behalten will und er braucht Menschen, die aufs Neue Zeichen setzen, die über Bad Boll hinauswirken.

Warten (auf das Reich Gottes) und pressieren (sein Kommen beschleunigen) – dafür stan­den die Blumhardts. Der Skeptiker merkt an, dass dies auch verheerende Folgen haben kann, wenn man zu sehr pressiert, aber die uneigennützige Liebe zu den Menschen fehlt. Ein Reich Gottes gab es auch zur Täuferzeit in Münster[40] und in der historischen Abfolge manche ideo­logische Verirrung, mit der kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begeisternde Per­sönlich­keiten die Völker ins Verderben gestürzt haben. Die Blumhardts waren vor der Hybris gefeit, weil sie trotz aller Begeisterung für Gottes Reich ihm Raum ließen, es zu voll­enden. Und auch für uns ließen sie Platz für die kraftvolle, tatkräftige, phantasievolle und begei­sternde Mitwir­kung am Reich Gottes.

Die nächste Blumhardttagung im Oktober trägt Blumhardts Motto: „Wir müssen Gott in die Hände arbeiten“.

 

Editorische Nachbemerkung

Dieser Text entstand im Rahmen eines Klassentreffens der Abiturklasse 13d des Jahrgangs 1964 der Humboldt­schule in Hannover-Linden. Da mein Kollege Albrecht Esche urlaubs­bedingt verhindert war, musste ich mich einar­beiten und den Vortrag in Blumhardts Literatur­salon in der Villa Vopelius in der Evangelischen Akademie Bad Boll übernehmen. Ich habe es nicht bereut.

Sehr viele Informationen stammen aus dem Buch von Albrecht Esche, Reich Gottes in Bad Boll, 20164. Ich verdanke ihm sehr viel. Die Zitate sind nicht im Detail nachgewiesen. Das Buch ist in der Akademie erhältlich und sehr empfehlenswert. ISBN 978 936369-53-3

Viele Informationen habe ich auch entnommen aus GEMEINDE BOLL (ed.), Boll, Dorf und Bad an der Schwäbischen Alb, 1988. Auch diese Zitate sind nicht eigens ausgewiesen.

Fußnoten

[1] Der Blumhardt-Friedhof, der im Jahr 1866 angelegt wurde, gilt als kulturhistorisch bedeutsam, nicht nur für die Region. In seiner Erde ruhen sowohl viele Mitglieder der weitläufigen Familie Blumhardt als auch Menschen aus aller Herren Länder, die sich um Johann Christoph Blumhardt (1805–1880) und später um seinen Sohn Christoph Friedrich Blumhardt (1842–1919) scharten. https://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.bad-boll-blumhardt-friedhof-wird-restauriert.67efc5ee-65c2-404c-9543-c564177e90ee.html

[2] https://de.wikipedia.org/wiki/I_Ging

[3] 10. Juni 2018

[4] Photo: Dierk Schäfer

[5] Obwohl wir 15 Jahre in einem „Spukhaus“ gewohnt haben. Doch die ungeklärten Klopfgeräusche haben uns nicht aus der Ruhe gebracht. Wir lachen immer noch darüber.

[6] So wurde ich vom Kollegen Wolfgang Wagner einem Besucher vorgestellt. Ich wusste gar nicht, dass er mich so gut kennt.

[7] Mit Parapsychologie habe ich mich vielfach beschäftigt und wurde regelmäßig in meiner skeptischen Haltung bestätigt. Interessant, dass auch Thomas Mann bei spiritistischen Sitzungen Protokoll führte und sich bluffen ließ. Auch der „Geisterkampf“ der Gottliebin mit Blumhardt (d.Ä.) bietet manche Erklärungsansätze für spukhafte Erscheinungen.

[8] Zitiert nach Herbert Donner, Pilgerfahrt ins Heilige Land, Stuttgart, o.J., S. 13

[9] Sp. 1308 – 1311

[10] https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Schickhardt

[11] Der „Rest“ wurde durch eine großzügige Spende abgedeckt und durch Stellung einer Bürgschaft.

[12] Man fühlt sich an der Film „Der Exorzist“ erinnert: https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Exorzist . Als Skeptiker denkt man aber eher an „Chopper“ http://www.sueddeutsche.de/bayern/jahre-geist-chopper-spuk-in-der-zahnarztpraxis-1.1299536 oder an den Lehrling im Haushaltswarengeschäft: https://www.zeit.de/1979/08/der-kriminalist-und-der-spukprofessor

[13] Sein Bericht an die Kirchenbehörde: Möttlingen, den 31. Juli 1850. http://www.christliche-autoren.de/sieg-ueber-die-hoelle.html Montag, 16. Juli 2018 Die Webseite, auf der der Bericht gehostet ist, wird von Personen mit vergleichbarer Vorstellungswelt und Glaubensintensität betrieben.

[14] nach Wikipedia

[15] geb. Elisabeth von Plotho ð https://de.wikipedia.org/wiki/Elisabeth_von_Plotho

[16] Der Tagesspiegel vom 9.2.09 schrieb: „Elisabeth von Ardenne ist 34 Jahre alt, als ihr Ehe-Albtraum ein Ende hat. Von da an lernt sie, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen. Sie reist ins württembergische Bad Boll zu einem Guru, [sic!] von dem sie sich spirituelle Orientierung erhofft. Der Bußprediger Christoph Blumhardt steht im Ruf, ein Wunderheiler zu sein, später wird er Sozialist und SPD- Landtagsabgeordneter. Blumhardt redet der Ehebrecherin ihre Schuldgefühle aus und ermutigt sie, eine Ausbildung zur Krankenpfle­gerin zu beginnen. Sie arbeitet in vielen Heilanstalten in Süddeutschland, der Schweiz, in Schlesien und in Berlin-Zehlendorf. Besonders gut kann sie mit Patienten umgehen, die unter psychischen Störungen leiden, die Ärzte schätzen die kluge Für sorglichkeit und Engelsgeduld der Krankenschwester. Ab 1915 verdient sie ihren Lebensunterhalt als ständige Begleiterin der schwer nervenkranken Margarethe Weyersberg. Die wohlhabende Familie der Pflegetochter finanziert nicht nur die gemeinsame Wohnung, sondern auch Reisen der beiden Frauen nach Italien.“ Zum Thema „Ehrengrab“ gibt die Vorsitzende der „AG Histo­rische Friedhöfe und Kirchhöfe Berlins“ am 27.6.18 per Mail die Auskunft: „meines Wissens nach wurde die Grabstätte E.V. Ardenne als Ehrengrab anerkannt, weil sie das Vorbild für Fontanes Effie Briest war. einen anderen Grund kenne ich nicht.“

[17] https://de.wikipedia.org/wiki/Kiautschou

[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Boxeraufstand

[19]Religiöser Sozialismus https://de.wikipedia.org/wiki/Religi%C3%B6ser_Sozialismus#1900_bis_1945

[20] Am Kurhaus stehen die Initialen des Königs und seiner Frau: W und P, Wilhelm und Pauline wurde auch als „Warten und Pressieren“ interpretiert, warten auf das Reich Gottes und seine Ankunft beschleunigen.

[21] https://kochmeint.wordpress.com/tag/blumhardt-friedhof/ „Bebel- und auch bibelfest“ sei er, so stellte die Göppinger SPD in einem Wahlplakat zur Landtagswahl 1900 ihren Kandidaten Blumhardt vor. https://lassalle-kreis.de/print/795

[22] http://gutenberg.spiegel.de/buch/-383/2

[23] Dreikaiserjahr https://de.wikipedia.org/wiki/Dreikaiserjahr

[24] https://lassalle-kreis.de/print/795

[25] https://www.swp.de/suedwesten/landkreise/lk-goeppingen/mit-blumhardt-verwoben-17625939.html

[26] https://de.wikipedia.org/wiki/Herrnhuter_Br%C3%BCdergemeine

[27] https://www.bruedergemeine-bad-boll.de/brueder-unitaet/geschichte/

[28] https://www.ebu.de/startseite/

[29] https://de.wikipedia.org/wiki/Wala_Heilmittel https://www.wala.de/unternehmen/

[30] http://biographien.kulturimpuls.org/detail.php?&id=217

[31] http://institut-eckwaelden.de/

[32] Anthroposophische Seelenpflege – für eine Person, die sich in ihrer gegenwärtigen Inkarnationsform nicht in der uns geläufigen Art zu realisieren vermag, die jedoch der Pflege und Bildung bedarf, um dadurch für spätere Inkarnationen bessere Voraussetzungen zu erlangen. Quelle nicht mehr gefunden.

[33] https://www.akademie-anthroposozial.de/rudolf-steiner-seminar/ueber-uns/

[34] https://www.dreigliederung.de/profile/badbollseminarfuerfreiheitlicheordnungev

[35] Ich spreche vom „Kugellager“.

[36] „Karma“ und „Doppelgänger“ sind Schlüsselbegriffe bei Rudolf Steiner. https://anthrowiki.at/Doppelg%C3%A4nger https://anthrowiki.at/Doppelg%C3%A4nger

[37] https://de.wikipedia.org/wiki/Aktion_T4

[38] Dennoch gibt es vier namentlich genannte Frauen in der Teilnehmerliste. Bei drei Teilnehmern war der Vermerk c. ux. (cum uxore) hinzugefügt.

[39] Die Evangelische Akademie Bad Boll ist – wie auch manche andere – durch zahlreiche Erweiterungen (aufgrund ihrer Erfolge) ein Spiegelbild der architektonischen Entwicklung in Deutschland. Photo: Werner Feirer, © Evangelische Akademie Bad Boll

[40] https://de.wikipedia.org/wiki/T%C3%A4uferreich_von_M%C3%BCnster