Dierk Schaefers Blog

Beschneidungsdebatte und kirchliches Profil

Posted in Geschichte, Kinderrechte, Kirche, Menschenrechte, Theologie by dierkschaefer on 25. August 2012

Kaum war das Kölner Urteil zur Beschneidung bekannt, beeilten sich Vertreter beider Großkirchen, die Beschneidung zu verteidigen. Sie befürchteten eine Einschränkung des Elternrechts auf die religiöse Erziehung ihrer Kinder.

Gut gemeint ist oft aber schlecht gemacht, so auch in diesem Fall, der Anlaß gibt, an der Führungskompetenz der Kirchenvertreter zu zweifeln, zu verzweifeln.

Allzuviel nachgedacht haben sie offensichtlich nicht. Schließlich hätten sie wohl zum ersten Mal einen Vorteil aus ihrer Teil-Säkularisierung ziehen können, in der sie bisher immer nur Federn lassen mußten. Ich denke zwar, daß diese Verschlankung den Kirchen gut getan hat, doch das sehen manche anders – und auch sie haben gute Gründe dafür. Nachdem die Kirchen gezwungenermaßen eine Menge Ballast abgeworfen haben, weil dieser mit den Rechtsvorstellungen und Erkenntnissen unserer Zeit in deutlichem Widerspruch stand, haben sich die Kirchenvertreter in Beschneidungsfragen jedoch mit der Welt von vorgestern solidarisiert. Sie hätten ja auch den Modernisierungsdruck preisen und fordern können, daß auch andere Religionen menschenrechtswidriges Denken und Handeln ablegen sollen.

Hätten sie wenigstens geschwiegen!

Aber nein, sie hatten offensichtlich Angst vor den Kirchenfeinden, die am liebsten die religiöse Erziehung von Kindern ganz verbieten wollen, was doch immerhin eine illusorische und, wie ich meine, dumm-dreiste Forderung ist. Doch nun sitzen die Kirchen im selben Boot mit Leuten, die meinen, sie müßten Kindern am Penis herumschnippeln, und das sei gut so, denn Gott wolle das. Eine merkwürdige Gottesvorstellung, die doch wohl eher Gotteslästerung ist. Eine Steilvorlage für die Kirchengegner, die nun zum Generalangriff blasen. Der hat zwar keine Chancen. Aber unsere Kirchenoberen haben wieder einmal das bezeugt, was ihre Kritiker ihnen vorwerfen: Vorgestrige Institutionen, die Menschen- und Kinderrechte auf dem Altar ihrer Traditionen opfern.

Sie sollten mal die Geschichte von Abraham und Isaak auf neue Art lesen.

Kirchen, die so geführt werden, brauchen keine Feinde. Sie sind in sich selbst verkrümmt, ecclesiae incurvatae in se.

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11 Antworten

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  1. E.Kronschnabel said, on 26. August 2012 at 00:14

    Ich gehöre zu denen, die die Kirchen als FIRMEN mit den menschenfeindlichen Grundsätzen abschaffen
    will, lieber Herr Schäfer. Ich fordere genau das, weil diese Institutionen Feinde der einzelnen Gläubigen
    sind, sie mit idiotischen Doktrinen wie dem Beschneidungsritus und anderen menschenfeindlichen Riten
    überziehen, knechten, entmündigen.

    Solange die Träger (Pastoren,Rabbiner oder wie die sich nennen) dieser Institutionen Kirchen nicht in der Lage sind, die Menschen vor den Verbrechern in den eigenen Führungsetagen – egal ob muslimisch, jüdisch, katholisch, evangelisch oder sonst was – zu schützen, solange empfinde ich meine Forderung nach dem Verbieten dieser Institutionen als berechtigt!

    Ist es wirklich dummdreist, wenn ich diese Verbote fordere? Oder ist es dummdreist, Kniefälle vor den
    Verbrechern in den religiösen Führungsetagen zu machen, wie sie diese glorreiche Bundesregierung macht? Man kuscht vor einer Minderheit, die kranke Dogmen ausführen will, straffrei versteht sich!

    Einer der jüdischen Hardliner – Lau heisst der Typ wohl – fragte, ob sich die Juden in Deutschland nicht
    fragen sollten, ob sie im richtigen Land leben. Meine Antwort würde lauten: „Gute Frage, jetzt seid auch
    brav und verschwindet ins gelobte Land, wenn ihr deutsche Gesetze nicht achten wollt. Packen, verschwinden, Maul halten!“. So einfach ist das.

    Egal wo ich lebe, wenn ich die Gesetze missachte, muss ich mit Sanktionen rechnen. Juden wollen Sonderrechte. Dann sollen sie dahin verschwinden, wo sie die nach unseren Gesetzen verbotenen Taten
    straffrei begehen dürfen.

    Aber diese Republik lässt sich immer wieder in Sippenhaft nehmen. Ich sage jedem Juden, er möge sein
    Maul halten, wenn er mir gegenüber von Antisemitismus quatscht, denn ich verurteile die Taten der Nazis,
    lasse mich aber nicht von Kinderschändern in Sippenhaftung nehmen, die unbedingt Kinderpenisse verstümmeln wollen, um Macht auszuüben. Gott gab ihnen diesen Auftrag? Was für ein Gott ist das????
    Sie als Theologe könnten mir diesen Gott wahrscheinlich erklären, aber solange ich den Kerl nicht leibhaftig
    vorgestelllt bekomme, gehen alle Erklärungsversuche daneben.

    Was für ein Gedröhne um spinnerte Juden und Muslime, die ihre Kinder verstümmeln. Gesetze haben die zu achten, wenn nicht, greift das Gesetz- und ab geht’s für Moische und seine Helfer. Wer deutsche Gesetze
    nicht respektiert soll verschwinden. Gilt umgekehrt auch für Deutsche, die im Ausland leben.

    • dierkschaefer said, on 26. August 2012 at 07:00

      Diesen Gott, lieber Herr Kronschnabel, kann ich Ihnen nicht erklären, wohl aber das Gottesbild. Dazu müßte ich aber weit ausholen. Nur so viel: Wer die Bibel mit wachen Augen liest, wird auf viele Widersprüche stoßen, auch auf viele Widersprüche in der Auffassung von Gott. Dasselbe gilt – Trinität hin, Trinität her – auch von Jesus.
      Jenseits der theologischen Frage nach Gott ist die Frage nach dem „Gottesgebrauch“ zu stellen. Wer benutzt für seine Lebensführung und für seine Argumentation welches der überlieferten Bilder von Gott und wie entwickelt er es vielleicht weiter? Hier kommen nicht nur die von Ihnen genannten Macht- und -mißbrauchsfragen ins Spiel, sondern auch Fragen der Freiheit oder Gebundenheit des Denkens. Damit sind auch Fragen des persönlichen Gewissens verbunden. Und hier sind wir bei der Dummdreistigkeit mancher Frommen, die meinen, in Gottes Auftrag Kindern den Glauben einbleuen zu müssen – und dabei nicht merken, wie sie sich selbst zu dem strafenden Gott machen, an den sie glauben.
      Sie, Herr Kronschnabel, gehören mit den vielen Heimkindern zu den Märtyrern des theologisch-kirchlichen Sündenfalls. Ihnen allen werfe ich keine Dreistigkeit vor, auch wenn der Tonfall dreist ist. Sie haben dafür mit Lebensglück bezahlt. Aber die Leute von der Humanistischen Union sollten sich mit der Theologie besser auskennen, bevor sie pauschale Kirchenkritik betreiben. Kirchenkritik tut not, da muß man nicht nur an das Schicksal der ehemaligen Heimkinder in kirchlichen Heimen denken. Aber sie sollte besser begründet sein und auch denen gerecht werden, die gute Gründe haben, am kirchlichen Leben teilzunehmen.

    • dierkschaefer said, on 26. August 2012 at 09:41

      Nachtrag:
      Ach ja, noch zum Thema „Kirche als Firma“. Marketing, unabhängig von Moral halte ich für ein interessantes Thema. Also die Performance der evangelischen Kirchen unter Marketinggesichtspunkten:
      0 Es war ein Versäumnis, in der Beschneidungsdebatte nicht die eigene Modernität und Konformität mit den Menschenrechten herauszustellen.
      0 Es war ein Fehler, die Beschneider zu unterstützen.
      0 Doch das ist nichts gegen den Umgang mit den Fehlern der Vergangenheit am Runden Tisch. Hier war der Markenkern der Kirchen beschädigt. Tätige Reue, selbst wenn nur geheuchelt, wäre die einzige marketinggerechte Maßnahme gewesen. Die Kirchen haben diesen unverzeihlichen Fehler mit meßbarem Kundenverlust und unermeßlichem Bedeutungsverlust teuer bezahlt, teurer, als tätige Reue gewesen wäre.
      Aber auch andere Firmen werden durch Managementfehler in den Ruin getrieben.

    • Heidi Dettinger said, on 27. August 2012 at 18:51

      Hallo Herr Kronschnabel,

      ich kann mich eigentlich so ziemlich immer mit so ziemlich allem einverstanden erklären, was ich von Ihnen lese. In diesem Falle nicht:

      Wenn Sie schreiben „Gesetze haben die zu achten, wenn nicht, greift das Gesetz- und ab geht’s für Moische und seine Helfer. Wer deutsche Gesetze nicht respektiert soll verschwinden. Gilt umgekehrt auch für Deutsche, die im Ausland leben“ nämlich.

      Ich darf Sie erinnern: Die meisten Juden, die in Deutschland leben SIND Deutsche. Nur eben keine Evangelen, keine Katholen, sonder Juden. Das hat was mit Religionszugehörigkeit und nicht mit Nationalität zu tun.

      Wenn ein Moslem Deutscher ist, gilt selbiges natürlich auch für ihn.

      Wenn Sie nämlich rausschmeißen wollen – wohin dann mit all den Befürwortern in Kirche und Politik, die diesen ganzen kinderschänderischen Irrsinn erst gesellschaftsfähig machen und das Verbot verhindern?

      Wen schmeißen wir dann mal wohin? Katholen wahlweise nach Spanien, Portugal oder Polen? Evangelen nach Holland? Polit-Köppe… hmmm, ja wohin mit denen? Auf die Bahamas? Oder die Kaiman-Inseln?

      Eine Bemerkung noch zu der „illusorischen“ Forderung nach Abschaffung von religiöser Erziehung der Kinder, die Herr Schäfer dazu noch „dumm-dreist“ findet. Es ist natürlich sein Recht, diese Forderung als illusorisch einzuschätzen – zum Glück muss ich ja nicht damit übereinstimmen! Aber warum Sie, werter Herr Schäfer, eine durchaus verständliche Forderung „dumm-dreist“ nennen, entschlüsselt sich mir nicht!

      Sie schreiben Ende Ihres Postings „Kirchen, die so geführt werden, brauchen keine Feinde. Sie sind in sich selbst verkrümmt, ecclesiae incurvatae in se.“

      Diese Sichtweise legt geradezu nahe, dass die Forderung nach Abschaffung aller religiöser Erziehung vielleicht gar nicht SO illusorisch ist…

      Mein Statement dazu: Kirchen, die so geführt werden, sollten keine Kinder erziehen dürfen! Denn so, wie sie (die Kirchen) in sich verkrümmt sind, werden sie auch die Kinder verkrümmen (at best!), die sie in ihre Finger bekommen.

      Ich jedenfalls will das nicht!

      • E.Kronschnabel said, on 27. August 2012 at 23:07

        Hallo Frau Dettinger,
        eben stürzte mir diese verdammte Kiste ab, ich hatte schon einen endlosen Text fertig, also nochmals.

        Sie erwischten mich bei einer ungenauen Definierung meiner Forderungen, zur Strafe darf ich mich jetzt
        rechtfertigen. Wenn ein Jude oder Moslem mit unserer Gesetzgebung nicht leben kann, soll er packen und
        dort
        hingehen, wo er seine – nach unserem Gesetz strafbaren – Glaubensrituale leben kann. Ob er Deutscher,
        Israeli oder Türke ist, interessiert juristisch überhaupt nicht! HIER, IN DIESER BANANENREPUBLIK, haben
        unsere Gesetze Gültigkeit! (Was ein Kilo Polit-Bananen wert ist, bestimmen die Lobbyisten)

        Die Legislative ist gerade dabei, für Gesetzesbrecher bestimmter Religionen Sondergesetze zu schaffen. Ist es das, was Sie wollen, um die Probleme zu beseitigen? Morgen kommt dann ein Pädophilenclub, macht einen auf Kirche und kann Kinder legal mißbrauchen. Ich glaube nicht, daß Sie das wollen.

        Es darfkeine Sonderrechte für irgend eine Ganovenvereinigung geben, die sich unter dem Deckmantel KIRCHE
        als Kinderschänder betätigt! Wenn Moische oder Ali einen deutschen Pass haben gilt: Brechen sie hier
        Gesetze, gehen sie in den Knast, wenn sie Deutsche sind. Sind sie keine, werden sie ausgewiesen. DAS ist
        international übliche Gesetzeslage. Mehr verlange ich nicht.

        Dierk Schäfer verkennt – nach meiner Einschätzung – die Realität keineswegs. Der weiß zu genau um die
        Schwachpunkte der Firma, die seine Pension bezahlt. Und er zeigt auch mit dem Finger darauf und prangert
        an. Sagt einer, der keiner Kirche angehört, keine Religionsfirma mag, aber zwischen eben diesen Firmen
        Kirche und dem einzelnen Gläubigen unterscheidet.

  2. E.Kronschnabel said, on 26. August 2012 at 10:43

    Meine aus der Kirche ausgetretene Zwanzigjährige las Ihre Antwort, schrieb was auf einen Zettel und sagte
    „Der Pastor denkt noch in befangenen Bahnen, was die Begrifflichkeit der Dreistigkeit betrifft. Tippe ihm mal
    das rein, was auf meinem Zettel steht“ . Da steht, lieber Herr Schäfer: „Quod licet lovi, non licet bovi!“
    (sinngemäß:Was Jupiter darf bleibt dem Rindvieh verboten). So hätten es viele Leute noch gerne, ich weiß.

    Klar lache ich mir eins wegen der Antwort der Tochter an Sie, denn sie übersetzte es für mich Nicht-Lateiner.

    Ich bleibe bei meiner Dreistigkeit, die half schon vielen meiner Heimgenossen, wenn man ihnen auf den Anlaufstellen mal richtig dummdreist kam. Die Jupiter-Nachfolger holt man mit der notwendigen Dreistigkeit
    erstaunlich schnell vom Sockel. ‚Der Zweck heiligt die Mittel‘, heißt es bei mir. ‚Die Mittel heiligen den Zweck‘
    hieß stets die Devise der Kirchen

    • dierkschaefer said, on 26. August 2012 at 21:25

      Ja, das ist ein interessantes lateinisches Sprichwort. Ich habe es oft im berufsethischen Unterricht benutzt und gesagt, es müsse umgepolt werden nach der Maxime noblesse oblige: Was Dir Rindvieh erlaubt ist, darf Jupiter noch lange nicht. So, denke ich, sollte es sein.
      Schönen Gruß an Ihre Tochter!

  3. Lars Claas said, on 27. August 2012 at 11:08

    Die Kirchen und kirchlichen Organisationen sind zu Profitgiganten verkommen.

    http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?topic=1384.0;wap2
    Zitat: Wohlfahrtsbranche: Die stillen Riesen

    „Die Zahl der Arbeitnehmer in der Wohlfahrtsbranche hat sich seit 1970 vervierfacht. Laut einer Studie gehören die kirchlichen Arbeitgeber zu den Top-Arbeitgebern in Deutschland.

    Diakonie und Caritas sind zwei christliche Grundgedanken. Sie beschreiben den Dienst am und die wertschätzende, uneigennützige Hingabe zum Menschen. Hilfseinrichtungen wie die Caritas, das Diakonische Werk, die Malteser, Johanniter oder die Heilsarmee haben in diesen schon im Alten Testament festgehaltenen christlichen Tugenden ihren Ursprung. Angesichts von Barmherzigkeit, Fürsorge und Uneigennützigkeit wird jedoch kaum wahrgenommen, dass sie zu bedeutenden Wirtschaftsunternehmen geworden sind…“ Artikel von Daniel Baumann in der Frankfurter Rundschau vom 25.12.2010 [>>]
    Lohndumping durch Leiharbeit:

    Die miesen Tricks der Diakonien
    Von Wohlfahrt und Nächstenliebe keine Spur: Pflegeeinrichtungen der Diakonie drücken durch Dumpingmethoden die Löhne zehntausender Angestellter. Vor allem bei qualifiziertem Personal spart das Unternehmen nach stern-Recherchen kräftig. Artikel im Stern vom 12.01.2011 [>>]
    Quelle: http://www.labournet.de, http://www.swr.de/report

    ù Zur Erinnerung:
    Ich war ab 1964 in Niedersachsen im Stephansstift Hannover mit seinen Nebenheimen Kronsberg und Backhausenhof in Burgdorf. Es waren Heimeinrichtungen der Evangelischen Hannoverschen Landeskirche und seiner Diakonie Hannovers. Mit unserer Gesundheit wurde sehr leichtsinnig umgegangen. Sei es gesundheitsgefährdende schwere Zwangsarbeit bei einem Privatunternehmer für die Messe Hannover oder bei Frost auf dem Felde. Die Jüngsten oder Schwächeren mussten oft Faust- und Knüppelschläge sowie Tritte über sich ergehen lassen. Die Älteren wurden vom Personal hofiert weil sie vor denen Angst hatten. I.d.R. waren perverse kranke Diakone die Täter. In dunklen Ecken od. Nachts wurde schonmal missbräuchlich zum „Rapport“ gebeten. Diese kriminelle Drecksbande ist wohl bis heute ungeschoren davon gekommen.


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