Dierk Schaefers Blog

„Man befürchtet dass sich der neue Fonds, als ‚Fass ohne Boden‘ entpuppen wird!“

Posted in Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Menschenrechte, Pädagogik by dierkschaefer on 19. Januar 2015

Diesem Offenen Brief, der mich als Mail erreichte, habe ich nichts hinzufügen.

Offener Brief !

Sehr geehrte Damen und Herren der Ministerpräsidenten-Konferenz,
sehr geehrter Herr Kardinal Marx,
sehr geehrter Herr Kardinal Woelki,
sehr geehrter Herr EKD-Ratsvorsitzender Bedform-Strohm,
sehr geehrter Herr Bischof Ackermann,

mit Bedauern, aber auch mit grossem Entsetzen, habe ich durch die Presse (s.Links anbei)
erfahren müssen, wie schwer sich Staat und Kirche sich weiterhin tun, damit auch ehemalige
Heimkinder, welche seinerzeit in Behinderten-Einrichtungen lebten, der Zugang zum
Fond-Heimerziehung, ermöglicht wird.
Das aber ausgerechnet das bevölkerungsreichste Land NRW, hier das NRW-Sozialministerium,
auf Konfrontationskurs geht, ist um so unverständlicher, angesichts der vielen Behinderten-
Einrichtungen (noch heute) in NRW.
Zitat: „Man befürchtet dass sich der neue Fonds, als „Fass ohne Boden“ entpuppen wird!“

Wiedereinmal diskutieren PolitikerInnen darüber, wieviel man bereit ist, für „erlittenes Leid“
zu zahlen, welches unzählige ehemalige Heimkinder erleben mussten.
Schon bei der Einrichtung des Fond-Heimerziehung 2010, haben wir mit Entsetzen, die
unwürdige Diskussion am Runden-Tisch-Berlin, zur Kenntnis nehmen müssen und verfolgt.
Eine derartige Diskussion, wird nun erneut geführt, nur diesmal, ganz ohne die Beteiligung
ehemaliger Heimkinder und über die Köpfe derer hinweg, welche seinerzeit in
Behinderteneinrichtungen, oftmals ohne einer eindeutigen Diagnose, untergebracht waren.
Allgemein reichte es schon, wenn sich ein Arzt fand (der fand sich immer), der eine
entsprechende Verordnung, für eine Unterbringung oder Einweisung in eine der vielen
„Anstalten“ anordnete bzw. verfügte.
Dies wiederum berechtigte die Einrichtungen, von den staatlichen Behörden, einen
„höheren Pauschbetrag“ für das betroffene Heimkind zu erwirken.

Schon die Tatsache allein, dass diese ehemaligen Heimkinder mit Behinderung, vom Fond-
Heimerziehung Ost und West, ausgeklammmert wurden, ist mit Worten kaum zu beschreiben!

Erst durch viele Aufrufe, Aufschreie und Anmahnungen, dank der Unterstützung durch die Medien,
haben sich, der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch und
der ehemalige EKD-Ratsvorsitzender Schneider, sich dazu durchringen können, auch behinderten ehemaligen
Heimkindern, den Zugang zum Fond-Heimerziehung zu ermöglichen.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie Frau Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, auf einer
SPD-Veranstaltung, ein damaliges Missbrauchsopfer, weinend umarmte und unbürokratische
Hilfe zugesagt hatte. Diese, ist aber nachweislich bis heute ausgeblieben!
Ich möchte nochmals daran erinnern, dass viele Behinderten-Einrichtungen noch heute in NRW bestehen,
in denen damals ehemalige Heimkinder untergebracht waren:
Stiftung Wittekindshof, Stiftung Hephata, St.Josefshaus in Mönchengladbach, Landesklinik Viersen,
Bielefeld-Bethe, West-u.Ostuffeln in Werl u.v.a.m.
Über einige dieser Einrichtungen, wurden Gutachten in Auftrag gegeben, welche belegen, unter
welch unmenschlichen Bedingungen damalige Heimkinder leben mussten, so auch von
Prof. Schmuhl, Prof. Günder, Frau Dr. Winkler, Universität Bochum…

Es waren auch viele Kirchenvertreter und Bischöfe, welche in Talk-Sendungen und Interview´s,
ihr Mitgefühl und ihre Anteilnahme gezeigt und kundgetan haben und schnelle Hilfe versprachen!
Dennoch mussten/müssen tausende ehemalige Heimkinder, in Bittstellermanier,
die Anlauf-u.Beratungsstellen aufsuchen.
Einigen ehemaligen Heimkindern, welche in Behinderten-Einrichtungen leben mussten, ist mitgeteilt worden,
das sie keinen Anspruch auf den Fond-Heimerziehung haben und sind mit einem lapidaren Schreiben,
teilweise abgewiesen worden. (Schreiben liegen vor)
Viele von den Betroffenen sind nicht in der Lage festzustellen, unter welchen gesetzlichen Voraussetzungen,
sie seinerzeit in Behinderteneinrichtungen untergebracht waren.
Die meisten Heimakten sind für viele ehemalige Heimkinder nicht zugänglich, oder die Akteneinsicht wird
aus unerklärlichen Gründen generell verweigert. Warum?

Wir reden hier von ehemaligen Heimkindern, welche zwangsmedikamentiert wurden, die trotz ihrer
angeblichen Behinderung, Arbeiten verrichtet haben, ohne dafür entlohnt worden zu sein und wenn,
haben sie nur ein geringes Taschengeld erhalten!
Ich spreche von vielen Mädchen, denen Spritzen gesetzt wurden, damit ihre Periode ausblieb,
oder den Jung´s, die gespritzt wurden, um den Sexualtrieb im Pupertätsalter zu unterdrücken!
Ich spreche von Missbrauchsopfern, welche sich per Antrag an eine der beiden Kirchen gewandt haben,
um eine finanzielle Anerkennung, für das“erlittene Leid…“ zu erhalten.
Dies unter genauer Angabe, von Täter, Tatort, Tatzeit und Tathergang, sowie einer präziesen Schilderung
des Missbrauchs.
Ich spreche von Menschen, welche als Hausmädchen der Heimleitung dienten, oder von anderen Personen
und Firmen in Dienst genommen wurden, weil sie sich an den Unterbringungskosten beteiligen mussten.
Weiterhin spreche ich hier von Menschen, über die Jahrzehnte nur verfügt wurde, ohne das sie je
eine Chance hatten, sich privat wie beruflich selbstbestimmend weiter zu entwickeln.

Sie wurden gedemütigt, missbraucht, gezüchtigt und ihrer Würde beraubt und waren den
Launen des Personals hilflos ausgeliefert!

Teils wurden sie wie Sklaven gehalten, da alle Grundrechte in den Behinderteneinrichtungen, ausser
Kraft gesetzt waren, weil die staatliche Aufsicht versagt hatte. Dies gilt übrigens für fast alle damaligen
Heime und Einrichtungen!
Mittlerweile, sind die damaligen Heimzustände, durch in Auftrag gegebene und gut bezahlte Gutachten,
(s.o.) nicht mehr zu wiederlegen und unbestreitbar!
Doch aber auch, dank der vielen Berichterstattungen und Dokumentationen, in fast alle Medien!
Angesichts der Tatsache, dass ein grosser Teil der ehemaligen Heimkinder heute alt und gebrechlich ist,
sie von einer geringen Rente, oder von Grundleistungen leben müssen, fordere ich Sie hiermit auf,
allen ehemalige Heimkindern, welche in einer Behinderteneinrichtung lebten, teilweise zwangsweise,
den unverzüglichen Zugang zum Fond-Heimerziehung möglich zu machen!
Schaffen Sie schnellstens dafür eine gesetzliche Regelung, damit ehemalige Heimkinder nicht erneut,
auf eine monatelange Auszahlung warten müssen!
Bedenken Sie dabei aber auch, dass unendlich viele ehemalige Heimkinder, schon damals ihren
finanziellen Beitrag an den Staat geleistet haben und sie nicht dafür verantwortlich zu machen sind,
wenn, trotz Zusagen, für sie nicht in die Rentenkasse eingezahlt, oder ihre Ersparnisse nicht ausgezahlt
wurden.
Unter Berücksichtigung, dass viele von denen heute Analphabeten/Legastheniker sind, andere wiederum
kein Internetanschluss haben, geschweige denn über ein Handy verfügen, sollte diesmal das
Antragsverfahren, erheblich vereinfacht werden.
Die Frist für die Antragstellung, sollte mindestens auf 3  Jahren ausgeweitet werden, sodass alle
eine Chance erhalten, auch die, welche heute in Altenheimen, oder anderen Einrichtungen erneut
leben müssen.
Vor dem Gesetz sind alle gleich, mag dies speziell in diesem Fall, erstrecht auch für alle ehemaligen
Heimkinder mit und ohne Behinderung gelten.
Die Bundesländer fordere ich auf, sich dieser Verantwortung zu stellen, damit diese Menschen endlich
ihren „gerechten Lohn“ erhalten, schnell und unbürokratisch.
An Ihnen aber allen liegt es, dafür Sorge zu tragen, dass alle ehemaligen Heimkinder, ein würdiges
Leben führen können, für den Rest ihrer noch verbleibenden Lebensjahre.
Dieser Verantwortung darf sich niemand entziehen, der Staat nicht und auch die Kirchen nicht!

Mit freundlichen Grüssen,
Uwe Werner
Immelmannstr. 163
41069 Mönchengladbach
02161-5734277

http://www.rp-online.de/politik/deutschland/laender-blockieren-entschaedigungsfonds-fuer-missbrauchsopfer-aid-1.4800449  http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/kirche-setzt-auf-neue-missbrauchsstudie-aid-1.4803128
http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/aufarbeitung-mit-luecken-aid-1.4801339

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Eine Antwort

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  1. Rolf Schmidt said, on 21. Januar 2015 at 11:31

    Den Brief von Uwe Werner, kann ich nur voll und ganz unterstützen.
    Wenn ich überlege, wie lange ich schon warte auf eine Unterstützung und wieviel Anträge schon gestellt wurden, dann die dreisten und frechen Absagen die ich bekam, es ist zum Weinen.
    Nun bin ich 80 Jahre geworden und mag nicht mehr als Bittsteller auftreten und mich beleidigen lassen.
    MfG. Rolf


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