Dierk Schaefers Blog

Sehr geehrter Herr Landesbischof July, mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen die Vorgänge in den Kinderheimen Korntal ins Gedächtnis rufen.

Frank Otfried July, der württembergische Landesbischof hat von der Arbeitsgemeinschaft Heimopfer Korntal [ www.opferhilfe-korntal.de ] Post bekommen.

Die Sache mit den Missbrauchsvorwürfen in Korntal zieht sich hin und Ulrich Scheuffele mahnt an. Die Vorwürfe gegen die Brüdergemeinde Korntal sind massiv, bis hin zum Verleih von Kindern für Missbrauch gegen Geld. Eigentlich müsste die Gemeinde vor Gericht ziehen, wenn sie die Vorwürfe bezweifelt. Doch das hätte sie schon lange tun müssen, warum tut sie’s nicht?

Wir sind im Monat Juni. Ob Herr Scheuffele wohl bis zum Juli von Herrn July Antwort bekommt?

 

Hier der Brief:

 

Sehr geehrter Herr Landesbischof July,

 

mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen die Vorgänge in den Kinderheimen Korntal ins Gedächtnis rufen.

 

Ich selbst war in den Jahren 1972/73 als Zivildienstleistender (habe aus Glaubens­gründen verweigert) in dem Kinderheim Hoffmannhaus in Korntal. Das erste, was ich mir von dem Heimleiter Werner Bizer anhören musste war, „ich solle den Kindern nichts glauben, sie wären alle Lügner“. Irgendwann sprach mich Bizer auf dem Hof des Heims an und meinte: Ich solle doch die Kinder immer mal wieder verprügeln, ich dürfte das, er nicht. Dies habe ich natürlich nicht getan. Ich bin aus christlicher Überzeugung nach Korntal gegangen, mit der Hoffnung, meine Erfahrung in der Jugendarbeit an die Kinder weitergeben zu können. Es dauerte nicht lange, bis ich merkte, welcher Geist in diesem Heim herrschte. Nicht wenige der Erzieher wurden alleine nach dem „Gesangbuch“ ausgewählt und nicht nach einer pädagogischen Qualifikation.

 

Der Heimleiter selbst war ausgebildeter Landwirt. Einer der Erzieher, mit dem ich ein Zimmer teilen musste, war ein schwerer Psychopath, aber schon auf eine fast fana­tische Weise fromm. Mein Einsatz als Zivi war nur im technischen Bereich und mit den Kindern hatten wir fast keinen Kontakt. Dies hat mich allerdings nicht davon abgehal­ten, doch den Kontakt zu den Kindern zu suchen. Nach kurzer Zeit konnte ich ein Vertrauensverhältnis mit den Kindern aufbauen und diese konnten ihre Sorgen bei mir abladen. Die Kinder hatten mich auch ins Herz geschlossen. Es dauerte nicht lange, bis der Heimleiter dies zu Ohren bekam und er verbot mir, weiter zu den Kindern Kontakt zu halten. Die Kinder „durften“ in den Ferien immer in das Freizeitlager nach Wilhelmsdorf fahren und ich war hier der Fahrer.

 

Bei einer der Fahrten bekam ich mit, dass die größeren Kinder zusammen mit dem technischen Personal des Kinderheims und einem Zivi an dem Neubau von Bizer Zwangsarbeit leisten mussten. Einmal ist dabei ein Kind schwer verunglückt, worauf man den Jungen ins Lager geschafft und ihn von dort ins Krankenhaus gebracht hat. Man hat es dann als Unfall deklariert, in dem der Junge beim Spielen vom Dach gefallen ist. Auch die Missbrauchsfälle sind mir nicht verborgen geblieben. So hat mir ein Zivi erzählt, dass ein Mitarbeiter der BG immer wieder einzelne Kinder mit auf sein Zimmer genommen hat. Wir Zivis haben uns dann bei unserem Dienstherren, dem Bundesverwaltungsamt, über die Zustände in Korntal beschwert.

 

Das Schreiben ist unbeantwortet an Bizer weitergeleitet worden mit der Aufforderung, uns zu sagen, dass solche Schreiben nur mit der Unterschrift des Heimleiters angenom­men werden, was Bitzer uns dann scheinheilig mitgeteilt hat. Wir Zivis durften auch zu Freizeiten, die von dem für die Zivis zuständigen Pfarrer Schäuffele geleitet wurden. Neben den Korntaler Zivis waren auch Zivis aus Einrichtungen der Evangelischen Gesellschaft dort, mit denen wir unsere Erfahrungen austauschten. Diese sagten uns, dass Korntal innerhalb des Diakonischen Werkes einen ganz schlechten Ruf hat. Weshalb ist das Diakonische Werk bzw. die zuständigen Jugendämter nicht bereits damals aufmerksam geworden und hat diese Einrichtung etwas stärker unter die Lupe genommen? Mein Aufenthalt in Korntal hat bei mir bewirkt, dass aus einem Mitglied der Landeskirche ein Kirchenkritiker wurde.

 

Nach meinem Ausscheiden aus dem Zivildienst habe ich mich meinem Gemeindepfar­rer und dem Dekan anvertraut. Beide waren erschüttert von meinem Bericht, aber Konsequenzen hat es nicht gegeben. Ich habe dann resigniert und bin einige Zeit später aus der Kirche ausgetreten. Meinen Schwur, keinen Fuß mehr auf Korntaler Boden zu setzen, habe ich jedoch nach vierzig Jahren gebrochen, als ehemalige Heimkinder mich gebeten haben, sie in ihrem Kampf um Anerkennung ihrer Leiden zu unterstützen. Diesem Wunsch bin ich gerne nachgekommen.

Heute bin ich Pressesprecher der Arbeitsgemeinschaft Heimopfer Korntal und bringe mich in der Öffentlichkeitsarbeit ein.

In den Gesprächen, die ich mit ehemaligen Heimkindern führte, hat sich eine Horror­welt aufgetan, die mir teilweise schlaflose Nächte bereitet hat. Neben der psychischen Gewalt mit Folter und körperlichen Misshandlungen hat in diesem Heim ein pädophi­les Netzwerk bestanden, in dem die Kinder systematisch missbraucht und gegen Spen­den an Pädophile ausgeliehen wurden. Eine Frau, die damals als vierzehnjährige Prak­ti­kantin im Heim war hat mir erzählt, dass sie vom Landwirtschaftsleiter zuerst betrun­ken gemacht und dann im Stall vergewaltigt wurde.

Anfang 2015 wurde mit einem großen Presserummel angekündigt, dass nun endlich eine Aufarbeitung stattfinden soll, einzigartig in ganz Deutschland. Dieser laut aufge­stiegene Luftballon ist Anfang 2016 leise geplatzt. Seither hat sich nichts getan und die Heimopfer werden immer mehr hingehalten. Die einzigen Reaktionen sind, dass der ehemalige Heimleiter Walter Link versucht, über die Presse zu vermitteln, dass die Heimopfer Lügner sind.

 

Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Landeskirche und die Diakonie von den Zustän­den in Korntal, die sich über Jahrzehnte hingezogen haben, nichts mitbekommen hat.

 

Nur wer bewusst wegschaute, konnte das menschenverachtende Treiben in Korntal nicht mitbekommen.

Fakt ist, dass die Brüdergemeinde, auch wenn sie vertragliche Sonderrechte hat, ein Mitglied der Landeskirche ist und sie über die Lebendige Gemeinde in der Synode sitzt. Es geht nicht, dass sich die Leitung der Landeskirche aus ihrer Verantwortung stiehlt und sich hinter dubiosen Verträgen versteckt.

 

Warum hat die Evangelische Kirche keinen Missbrauchsbeauftragten?

Die Katholische Kirche bietet diesen schon jahrelang!

 

Herr Landesbischof, viele der betroffenen Heimkinder leiden noch heute unter den Folgen der brüderlichen „christlichen Fürsorge“. Nachweislich haben viele ehemalige Korntaler Heimkinder schwere psychische Probleme, viele leiden unter Altersarmut.

 

Unerwähnt darf auch nicht bleiben, dass man nicht auf das Leben nach Korntal vor­bereitet wurde. Es war wie ein Sprung ins kalte Wasser.

Alkohol- und Drogenmissbrauch mit anschließender Prostitution, sogar Selbstmord, waren die Folgen.                                       

 

Die Korntaler Fürsorge hat einen menschlichen Scherbenhaufen hinterlassen. Die Kir­che ist mit in der Verantwortung und wenn sie als Oberhirte weiter schweigen, machen Sie sich persönlich schuldig. Die Heimopfer warten auf ein klärendes Wort von Ihnen.

 

Freundlicher Gruß
Ulrich Scheuffele

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9 Antworten

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  1. ekronschnabel said, on 16. Juni 2016 at 05:47

    Ulrich Scheuffele sagt in seinem Brief genau das, was ich schon immer über das Verhalten der Kirchenführer sagte. Abgebrühtheit, Menschenverachtung, Bagatellisieren und Aussitzen sind nachgewiesene Verhaltensweisen der Leiter der Konzerne mit dem Kreuz im Logo.

    Ulrich Scheuffele wird auch weiterhin keine brauchbaren Verhandlungsergebnisse erzielen. Warum nicht?
    Weil er – aus Anstand (?!)- das schmierige Verhalten der Adressaten seiner Schreiben duldet. Das „durch die
    Brust ins Auge“ kennen die Kirchenfürsten, damit können sie umgehen, damit bügeln sie die Anstand bewahrenden Briefeschreiber ab. Er wahrt Formen, spricht den July noch als „Herr Landesbischof“ an, macht sich zum ergebenen Diener. So lieben sie es, die Verweser des Märchenkonzerns, so wünschen sie sich ihre
    „Untertanen“. Weil ich das sehr schnell erkannte, gibt es für mich keine Etikette im Umgang mit den Rechtsnachfolgern der verbrecherischen Kirchendiener, die Kinder missbrauchten. Bei uns an der Küste gibt
    es einen sehr verständlichen Spruch, der da lautet „Haut se, haut se an’e Schnauze!“. Der Typ heißt July, er
    wird höchst aufmerksam, wenn ich ihm sogar das Herr verweigere. Das ist diese Sorte nicht gewöhnt, hat
    sie i.d.R. doch nur Leute mit – vom Reinkriechen – tief gebräunten Gesichtern um sich, die den Kriechgang perfekt drauf haben und sich servil unterwerfen. „Der Bauer erkennt seine Schweine am Gang“ weis man auf dem Land. Ich komme vom Land.

    Ulrich Scheuffele scheint nicht vom Land zu stammen – oder hat noch nicht begriffen, dass er die Töne anschlagen muss, die die Betreiber von Kinder-KZ’s wie Korntal oder Stephansstift Hannover den Kindern
    gegenüber anschlugen. Köter nehmen das Miauen eines Kätzchens nicht ernst und schnappen sogar nach
    dem Kätzchen, wie wir zu Beginn der Aufdeckungen des Kindesmisbrauchs erlebten.Da waren sich die
    Hochmerkwürden nicht zu fein, es mal mit Verleumdungsklagen zu probieren. Erst als es als Antwort -bildlich gesehen- richtig was auf die hochmütigen Rüben gab, zogen die Hochmerkwürden die Schwänz’chen ein.

    Ulrich Scheuffele muss schon Gummistiefel und Gasmaske anziehen, wenn er die Adressaten seiner Briefe erreichen will, denn diese „Herrschaften“ leben dort, wo sich der Dreck der Vergangenheit türmt und bestialisch stinkt. Aber vielleicht beginnt der July ja im Juli (2016, lieber July, nicht 2036…) mit dem Ausmisten
    des Schweinestall’s. Leider lernten wir im Umgang mit den Betbrüdern, dass die Hoffung ZUERST stirbt.

  2. dierkschaefer said, on 16. Juni 2016 at 10:01

    Wo er Recht hat, hat er Recht, der Herr Kronschnabel. Wo er nicht Recht hat, dort allerdings nicht. Dazu ein anderes Mal.
    Hier gilt nur zu ergänzen – unabhängig von diesem Landesbischof: Der Titel stammt aus vergangenen Zeiten, als die Bischöfe noch Bischöfe eines ganzen, von Napoleon gezeichneten Königreichs waren. So ist der bayrische Landesbischof noch ein echter Landes-Bischof, andere hingegen nur noch der Tradition wegen, wie z.B. der württembergische, der eben nur der Bischof der Württembergischen Kirche ist, also ein Halblandesbischof, wie auch der badische.
    Übrigens: Der Leiter der Bremischen Kirche trägt den Titel „Schriftführer“. Das ist hanseatische Bescheidenheit.

  3. Werner Bösen said, on 16. Juni 2016 at 13:43

    Als sich ein Heimkind einmal seinem Elternteil anvertraute und über die Prügelorgien informierte erlebte als Heimkind die Hölle auf Erden. Warum? Das Elternteil meinte mit guten Worten den Erziehern zur Einsicht zu verhelfen um die Prügeleien zu unterlassen. Doch das Heimkind erlebte die nächste Stufe des Mißbrauchs und fand anschließend keinen Mut mehr, seinen Elternteil wahrheitsgemäß zu informieren. Das Kind bemerkte, seine wahre Information über den Höllentrip würde seinen Elternteil noch mehr belasten. Und kein Kind möchte, dass seine Eltern weinen.
    Meine Mutter erzählte mir, sie hätte mich ins Kinderheim gegeben, da sie als alleinerziehende Mutter nicht mehr für genügend Essen und Trinken hätte sorgen können. Dass ich im Kinderheim geprügelt und gefoltert wurde, konnte meine Mutter nicht verstehen, zu groß war ihr Vertrauen in die „göttliche Überwachung“.
    Die direkte Auseinandersetzung mit den Verantwortlichen ist nicht zielführend und birgt das Risiko des Macht- und Vertrauensmißbrauchs, wie meine obigen Sätze aufzeigen. Der Bischof, vergleichbar in der Politik mit einem Ministerpräsidenten und fast ähnlich dotiert bzw. hofiert, wird sich auf die Stufe der „Ungebildeten“ und „Unreinen“ nicht begeben wollen. Der Bischof genießt den Schutz des Konkordates, den Staatsvertrag zwischen Vatikan und Hitlerdeutschland, der heute noch gilt. Das bedeutet insbesondere, dass der Bischof solche Mißbrauchsanliegen an die staatliche Gewalt delegieren kann und diese dann aktiv wird. So entstand ja auch mit der Runde Tisch Heimerziehung der 1950er und 1960er Jahre (RTH). Die Kirchenvertreter beriefen sich auf die gesetzliche Verjährung, obwohl es nach Kirchenrecht gar keine Verjährung gibt, sondern Vergebung, Reue und Buße.
    Wir brauchen also auch keinen Mißbrauchsbeauftragten bei den Kirchen. Dies sind bestenfalls Ansprechpartner und „Abdrücker“. Wir brauchen externe staatliche Hilfen. Der RTH war ein Versuch, die Hilfsleistungen in Geld jedoch nur ein Taschengeld für die Kirchen, so gering, dass sie im untersten Promillebereich des kirchlichen Steueraufkommens liegen. Der Bischof wird es an seinem Portemonnaie nicht merken, denn sein Bischofsentgelt wird aus dem allgemeinen Steuertopf finanziert. Die Verzahnung von Staat und Kirche ist also noch aktiv, wenn auch vom Grundgesetz nicht beabsichtigt, da nur Religionsfreiheit geschützt.
    An der Vergangenheit läßt sich nichts mehr ändern. Doch die Zukunft ist zu gestalten, damit sich Mißbrauch verhindern läßt, wenn auch nicht vollends. Es gibt nun u.a. eine Aufarbeitungskommission mit Infotelefon (Nr. 0800 4030040), die sich den Mißbrauchsopfern annimmt, http://www.aufarbeitungskommission.de
    Vielleicht hat nun diese Kommission ein paar Infos, wie der Bischof aus der Reserve gelockt werden kann.

    • ekronschnabel said, on 16. Juni 2016 at 14:11

      Diese Aufarbeitungskommission hat keine Infos darüber, wie der Halblandesbischof aus der Reserve gelockt werden kann. Da kann ich dir bessere Infos geben, lieber Werner.

      Merke: Weil der July nur Halblandesbischof ist (aber trotzdem den ganzen Sack „Kohle“ einstreicht!) geht der die Schweinereien auch nur halbherzig an.

      • Werner Bösen said, on 16. Juni 2016 at 17:50

        hast du ja oben schon angedeutet wie aus der Reserve gelockt werden kann. Da ich bereits sechs Jahre Kindergefängnis hinter mir habe, kann ich keinerlei Risiko mehr eingehen und es nur im guten versuchen. Daher bin ich über die staatlichen Aufarbeitungskommissionen erfreut, denen ich meinen Input geben kann. Ich hätte mir mehr von den Wissenschaftlern erhofft, aber die agieren auch sehr nach dem Motto „Wes Brot ich eß, des Lied ich sing“ und/oder wissen es einfach nicht besser. Nun habe ich mit David Archard einen Wissenschaftsvertreter kennengelernt, der in seinem neuesten Buch zu Kinderrechten auch sehr gute Hinweise dazu gibt, Kindesmißbrauch einzuschränken. So sind für ihn Waisenhäuser/Kinderheime keine Familien. Kinder brauchen eine Familie und keine Klostermauern, hinter denen sie für die Öffentlichkeit verschwinden. Außerdem plädiert Archard für die Aufnahme der Kinderrechte der UN-Kinderrechtskonvention in die nationalen Gesetzeswerke. Dann braucht sich kein Bischof mehr einzumischen in die Kindererziehung, denn sie ist eine staatliche Angelegenheit und keine kirchliche. Da sowohl Gutes als auch Böses in jedem Menschen wirkt, müssen sich die Eltern, bei Vollwaisen der Staat (nicht die Kirche) immer darüber klar sein, wem sie ihr Kind anvertrauen. Jedes Anvertrauen von Kindern an Fremde und kinderlos Lebenden erhöht das Risiko des Mißbrauchs. Es ist eine reine Risikobewertung, keine direkte Schuldzuweisung. Ich habe der Aufarbeitungskommission viel Erfolg für ihre Arbeit gewünscht und bin auf ihre Berichte gespannt.

  4. dierkschaefer said, on 18. Juni 2016 at 19:56

    Man muss ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen, dem Landesbischof. Wenn er bis Ende Juli nicht auf das Mail von Herrn Scheuffele geantwortet haben sollte, könnte das auch honorige Gründe haben.
    Zur Erklärung: Aus meiner Zeit eines Ferienjobs im hannoverschen Landeskirchenamt weiß ich, dass sämtliche eingehende Bischofspost – jedenfalls damals – über den Schreibtisch eines formell nicht sonderlich hervorgehobenen Mitarbeiters ging, der auf mich einen eher servilen Eindruck machte. Doch er hatte Macht. Was er nicht weiterleitete bekam der Bischof gar nicht erst zu Gesicht.
    Daran musste ich denken, als ich vor einer Reihe von Jahren mich an den damaligen Landesbischof meiner Landeskirche wendete, insgesamt drei Mal explizit als Appell an meinen obersten irdischen Dienstherrn. Ich erhielt keine Antwort – auch nicht von einem Stellvertreter, was in Ordnung gewesen wäre. Arglos wie ich damals noch war dachte ich, er hat’s gar nicht gekriegt.
    Als er in den wie es immer heißt „wohlverdienten“ Ruhestand ging, sagte ich mir, frag doch mal nach, nun hat er ja keine Briefzensur mehr vor sich. Das war auch richtig. Er antwortete – empört: Wie ich dazu komme, ihn im Ruhestand zu behelligen? Ja, ein Christ ist immer im Dienst.
    Meine Frau fragte: Hast Du eine solche Antwort erwartet und bist Du nun zufrieden? Ja, sagte ich. Genau das habe ich wissen wollen.
    Wenn Herr Scheuffele also keine Antwort bekommen sollte: Gemach. Er frage nach, wenn Herr July im Ruhestand ist. Vielleicht sieht er sich dann – anders als einer seiner Vorgänger – doch nicht nur im wohlverdienten Ruhestand.

    • ekronschnabel said, on 18. Juni 2016 at 20:56

      Lieber Herr Schäfer,
      ich sitze grinsend hier und sage mir „Wenn der Pastor als Landjunge aufgewachsen wäre, wäre ihm die
      Erfahrung mit seinem pensionierten Landesbischof erspart geblieben, denn dann hätte er gewusst, dass
      sein „Hochmerkwürden Bischof“ auch am Gang erkennbar war.Jeder Bauer erkennt seine Schweine am Gang. Stadtkinder haben diese Fähigkeit nicht, das führt zu dem, was Sie mit dem „Christ“ im Ruhestand
      erlebten. Wasser auf meine Mühlen… Noch haben wir Juni, vielleicht muckt sich der July ja im Juli.

      • dierkschaefer said, on 18. Juni 2016 at 21:29

        trugschluss. ich habe ihn nie persönlich, und auch nicht gehen sehen. doch das ergebnis hat mich in keiner weise überrascht.


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