Dierk Schaefers Blog

Die Sieger schreiben die Geschichte.

Das stimmt immer noch. Doch nicht ganz.

»Zeitzeugen gesucht!

Für den Bayerischen Rundfunk recherchieren wir über Medikamententests an Heimkindern. Wir sind auf der Suche nach Menschen, vorzugsweise aus Bayern, die sich an Medikamenten­gaben erinnern können: Haben Sie den Verdacht, dass an Ihnen Experimente für die Pharmaindustrie? gemacht wurden? Können Sie sich erinnern, solchen Tests Ihr Einverständnis gegeben zu haben? Oder gab es Medikamentengaben, die Sie sich im Nachhinein nicht erklären können, beispielsweise weil Sie nicht krank waren und trotzdem Medikamente bekommen haben?

Für unsere Recherche würden wir auch gerne mit ehemaligen Mitarbeitern von Kinderheimen sprechen, die sich erinnern können, Medikamente zu Testzwecken verabreicht zu haben.

Wir möchten allen Spuren nachgehen, nach Möglichkeit die Verantwortlichen konfrontieren und Unrecht aufdecken.

Sie erreichen uns unter den E-Mail-Adressen Christiane.Hawranek@br.de und Simon.Plentinger@br.de«

 

Zeitzeugen, Betroffene, Opfer schreiben Geschichte von unten. Die wird meist nicht gedruckt, aber das Internet ist ein großes Archiv und jeder kann dort Spuren hinterlassen, Spuren, die lästig sind für die Gewinner. https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/09/09/wenn-die-ohrenzeugen-der-augenzeugen-verstummt-sind-beginnt-die-geschichtsschreibung/ Wenn dann noch jemand kommt, der über diese Spuren in größerem Rahmen berichten will – und die Mittel dazu hat – wird Geschichte lebendig. Das Buch von Peter Wensierski war so ein Weckruf und brachte die Geschichte der Kinder in kirchlichen und staatlichen Heimen ins Bewußtsein der Öffentlichkeit. All die Leugnungs- und Vertuschungsversuche der Täternach­folger liefen ins Leere, auch ihre Drohungen. Doch außer Öffentlichkeit ist nicht viel gewesen, denn am Runden Tisch unter der „Moderation“ von Antje Vollmer konnten Staat und Kirche in Tätergemeinschaft das für sie Schlimmste verhindern: Eine Entschädigung der ehemaligen Heimkinder. https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

Aber das Vertuschen hat aufgehört. Die Täter stehen im Rampenlicht – und sie machen durch die Bank eine schlechte Figur.

Im Aufruf des Bayrischen Rundfunks geht es um Kinder als Versuchskaninchen. Schon am Runden Tisch war die Rede von Medikamentengaben, die nichts mit einer Krankheit der Kinder zu tun hatten. Doch wie beim Thema Zwangsarbeit war Frau Vollmer auch dafür taub. Sie schützte die Täter. Nachdem nun Sylvia Wagner mit ihrer Arbeit dieses dunkle Kapitel publiziert hat, http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-42079/04_Wagner_Heime.pdf liegen auch diese Verbrechen offen zutage. Ich habe hier im Blog bereits im Februar 2016 darüber berichtet. https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/02/03/demenz-die-medikamente-dafuer-wurden-an-heimkindern-getestet/ , im September folgte https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/09/19/kinder-als-versuchskaninchen/ . Der Forschungsbericht von Sylvia Wagner wurde im Juni publiziert.

Am Freitag voriger Woche haben wir Helmut Jacob das letzte Geleit gegeben. Es war ihm sehr wichtig, dass die Verbrechen an den Heimkindern nicht in Vergessenheit geraten.

Ich bitte darum die Leser meines Blogs, den Aufruf des Bayrischen Rundfunks zu verbreiten und alle von den Medikamentenversuchen Betroffenen, von ihren Erfahrungen zu berichten, auch wenn nicht mehr dabei herauskommt, als das alles herauskommt.

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5 Antworten

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  1. Mandolinchen said, on 16. November 2017 at 16:56

    Nun hat sich ein zweites Bundesland aufgemacht, die traurigen, und einfach nicht beschreibbaren ,und ebenso nicht faßbaren Schicksale der ehemaligen Heimkinder, die als Versuchs “ tiere “ der Pharmaindustrie herhalten mussten ohne gefragt worden zu sein, anzupacken und es öffentlich zu machen.
    Gut so……………….hoffentlich verläuft dieses Thema nicht ebenso im Sande wie das ursprüngliche Heimkinderthema, was noch längst nicht aufgearbeitet ist.

    Nicht die Zwangsarbeit, nicht die Kinderarbeit, und nicht die Folter, der viele der Heimkinder unterworfen worden sind.
    Ein “ es tut uns leid “ genügt mir nicht, und vielen anderen auch nicht. Dir auch nicht?

    Und wo bleibt Niedersachsen? Die ziehen mal wieder den Kopf ein und hoffen, der Zorn Gottes möge an ihnen vorüberziehen. 😦
    Doch die staatseigene Psychiatrie in Wunstorf bei Hannover hat sich ebenso an dieser Schweinerei beteiligt wie andere Institutionen.
    Unterlagen und Akten sind natürlich, wie sollte es anders sein, verschwunden.

  2. Ralf Bart said, on 18. November 2017 at 10:35

    Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte.

    Medikamentenstudien an nicht einwilligungsfähigen, waren nach dem Internatinonalen Pakt für Bürger und Zivilrechte nicht erlaubt und stellen eine nichtverjährende Straftat dar.

    Artikel 7

    Niemand darf der Folter oder grausamer, unmenschlicher oder
    erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen werden. Insbesondere
    darf niemand ohne seine freiwillige Zustimmung medizinischen oder
    wissenschaftlichen Versuchen unterworfen werden.

    16.12. 1966 hat auch Deutschland diesen Pakt ratifiziert. Seit 1948 wurde über diesen Pakt verhandelt.

    Der Pakt gehört zum Völkerrecht und steht über nationalen Gesetzen.
    Der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte (englisch International Covenant on Civil and Political Rights, ICCPR) oder in einer Kurzfassung UN-Zivilpakt oder IPbpR, in der Schweiz auch UNO-Pakt II genannt, ist ein völkerrechtlicher Vertrag.

  3. Ralf Bart said, on 18. November 2017 at 20:14

    Welcher „Objektivität“ unterliegen die Medien eigentlich?

    Liegt es nicht eher im Auge des Betrachters und somit der Zensur?

    Gibt es überhaupt mutige Redakteure / Journalisten?

    Für mich findet gerade in Heim/Psychiatrie Angelegenheiten ein systembedingtes gekusche statt.

    Niemand aber auch wirklich niemand will tatsächlich, tatkräftig den Dingen auf den Grund gehen und die Konsequenzen daraus ziehen.

    Niemand will tatsächlich Schuld zugeben müssen .

    Politisch ein Kasperletheater

  4. Emil von Bimshausen said, on 20. November 2017 at 22:12

    Jaja, die Medikamentenversuche… In der (kirchlichen) Anstalt Bethel (b. Bielefeld) gab es auch gewissenlose Anstaltsärzte, die von der Pharmazie-Firma Merck in Darmstadt bezahlt wurden, solche Medikamententests an den nichtsahnenden Anstaltskindern vorzunehmen. Ich habe als einer Betroffenen die Fa. Merck kontaktiert und da mal kritisch nachgefragt. Die haben alles auf die damaligen Anstalsärzte abgeschoben und waschen ihre Hände- wie üblich – in Unschuld. Ich denke, diese Fa. Merck sollte man mal an den Hampelbeinen ziehen. Das wird aber wohl ins Leere gehen, denn die sitzen (wirtschaftlich)( am längeren Hebel. Wann zieht man diese endlich mal zur Rechenschaft? Ich werde es wohl nicht mehr erleben. So was von verlogen! Igittigitt!

  5. Werner Boesen said, on 1. Dezember 2017 at 11:31

    Die Sieger schreiben die Geschichte …
    …und erfinden ihre Märchen wie das Elternrecht. Der Philosoph Phillip Montague stellte fest, das Elternrecht ist ein Mythos. Ich nenne es eine Fiktion, etwas frei erfundenes, eine Täuschung der Kinderwelt.
    Es bleibt noch viel zu tun. Kinderrechte gehören ins Grundgesetz. Einige Länder sind bereits vorangegangen. Unsere Presse könnte hier fürwahr nachhelfen. Doch sie beschäftigt sich mit Sachverhalten, die Sieger nicht mehr interessieren, da sie sich u.a. auf die Verjährung und ärztliche Schweigepflicht berufen können. Nun gibt es seit dem 25.09.2014 das 3. Zusatzprotokoll zur Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, dass auch Deutschland ratifiziert hat. Danach kann sich nun jedes Kind von einem Erwachsenen vertreten lassen (es müssen nicht mehr nur die Eltern sein), sofern es das eigene Land nicht schafft, ein Kinderrecht umsetzen zu können. Leider betrifft dies jedoch nur Verstöße gegen Kinderrechte, die nach dem 25.09.2014 begangen wurden. Doch mit dem 3. Zusatzprotokoll ist schon einmal der Anfang gemacht, das Elternrecht „vom Thron zu holen“.


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