Dierk Schaefers Blog

Die Kirche braucht Hilfe, um wieder ehrlich zu werden.

Allein schafft sie es nicht. Sie hat zwar die Verbre­chen gestanden, die Misshandlungen, die Miss­bräuche und die Demütigungen, die in kirch­lichen Einrichtungen durch kirchliche Mitarbeiter verübt wurden, sie ist aber nicht willens, in den Stand der tätigen Reue zu treten. Außerdem verhindert sie durch die Einrede der Verjährung eine gründliche Aufklärung der Verbrechen und ihrer Folgen. Der Staat folgt diesem Prozesshindernis, indem er Verfahren erst gar nicht eröffnet, da sie – strafrechtlich – keine Folgen haben würden.

Angesichts der Menge der Verbrechen und der großen Zahl der Opfer, oft auch angesichts der besonderen Schwere der Vorwürfe, wird durch die paumissbrauch b2schale Verjährung aber kein Rechts­friede hergestellt – und die Kirchen bleiben unter dem Vorwurf der Verbrechen, ihrer Vertuschung und der Verweigerung zumindest der Aufklärungsforderungen ihrer Opfer; von gefinkelten[1] Zahlungszusagen ganz zu schweigen

Da die Kirchen[2] derart verstockt sind, brauchen sie Hilfe von außen, Hilfe von denen, die sich immer noch Kirche als die communio sanctorum vorstellen. Auch die anderen, soweit sie nicht kirchen- oder religionsfeindlich eingestellt sind, bedauern die Haltung der Kirchen, die ihre seelsorglichen, ihre caritativen und die kulturellen Leistungen verdunkelt.

Hilfe von außen könnte der Staat bieten, wenn er bereit wäre, Rechtsfrieden wieder herzustellen, nicht zuletzt auch, um die historischen und immer noch wirkenden kulturellen Werte gegen ihre offiziellen Vertreter zu schützen. Dazu könnten Elemente aus der – auch den Kirchen gut bekannten – Inquisitionsprozessordnung dienen. Es geht dabei nicht um Folter oder Scheiterhaufen, sondern um die Ermittlungsidee: »In einem Inquisitionsverfahren stand die Ermittlung der möglichst durch Geständnis zu offenbarenden Wahrheit im Vordergrund, und nicht die Anklage.«[3]

Das Geständnis liegt bereits vor, denn die Kirchen konnten sich der Beweiskraft der Wolke von Zeugen[4] und der Qualität der vorliegenden wissenschaftlichen Untersuchungen auf die Dauer nicht verschließen. So fehlt es nun noch an der umfassenden Aufklärung ohne Rück­sicht auf Prozesseinreden, also der Verjährung. Diese Inquisition sollte der Staat leisten, indem er einen Untersuchungsrichter benennt und ihn befugt, Akten noch vor ihrer Vernichtung zu beschlagnahmen, Sach­verständige anzuhören und die heutigen kirchlichen Verantwortlichen zu verhören. Dies alles, soweit nicht mehr strafrechtlich verwertbar, ohne Strafandrohung aber mit zivilrecht­licher Wirkung auf Entschädigungs­leistungen – die vielleicht dann doch „freiwillig“ erfolgen könnten, wenn unserer „Behördenkirche“[5] die Augen nicht mehr gehalten[6] sein sollten. Das wäre auch eine Erleichterung für all die Kollegen und Kolleginnen, die – selber ehrlich – ihre Kirche wieder ehrlich sehen wollen.

Fußnoten

[1] Sinnverwandte Begriffe: ausgefuchst, durchtrieben, gerissen, gewieft, raffiniert, schlau, trickreich, tricky; schweizerisch: gefitzt https://www.wortbedeutung.info/gefinkelt/

[2] Zeichnung: Die Wurmlinger Kapelle auf einer etwa 1830 von Louis Helvig angefertigten Lithografie.

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Inquisitionsverfahren

[4] Hebr. 12,1

[5] Martin Niemöller

[6] Lukas 24,16

Wenn der Landesbischof zum Trigger wird und dann auch noch Meister heißt …

Meister im Ablenken.

»Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister hat eine Vertrauenskrise in der Gesellschaft beklagt. Diese Krise durchziehe alle Bereiche, sagte Meister vor der Landessynode in Hanno­ver. „In der Ökonomie erkennen wir betrügerische Absichten von großen Konzernen und teilweise eine Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit“, kritisierte er in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament.«[1]

Das ist ja nicht falsch. Dennoch hätte er besser zunächst vor der eigenen Tür gekehrt, durch­leben doch die Kirchen derzeit eine Vertrauenskrise sondergleichen.

Allerdings muss gesagt werden, dass die epd-Nachricht verkürzt war. Er sagte immerhin auch: Die Kirche muss Vertrauen schaffen, indem sie sich ihren Fehlern stellt, befand Meister: „Die zahlreichen Fällen sexuellen Missbrauchs haben einen Vertrauensverlust herbeigeführt, dessen Ausmaß wir nicht ermessen können.“ Er kündigte an, dass die Landeskirche aktiv die wissenschaftliche Studie der EKD zum Thema unterstützen werde. Darin sollen unabhängige Experten untersuchen, ob es systemische Ursachen in der evangelischen Tradition oder Theologie gibt, die Missbrauch begünstigen. „Wir haben viel getan, aber es hat vielleicht nicht gereicht“, räumte Meister selbstkritisch ein. Doch in die Twitter-Kurznachrichten hat es diese Passage nicht geschafft. Und das hat getriggert.

 

labi meister

Als ich den Tweed las und beantwortete, hatte ich am Tag zuvor ein Mail erhalten. Ein Pamphlet, wie sein Verfasser heute selber sagt: diese berichte auf ekd.de lösten mein Pamphlet an meister aus, die kamen mir gestern auf den schirm.“ Und da ist er ausgezuckt. Sein Brief an den Landesbischof ist nicht einmal ein Pamphlet, sondern eine Unverschämtheit.[2] Allerdings eine verständliche. Dazu hatte ich gerade hier im Blog geschrieben.[3]

Ich selber bin kein Betroffener, weder von kinderheimtypischen Misshandlungen etc. noch von Missbrauch. Die Misshandlungen waren bis in die 70er Jahre in den kirchlichen Erzie­hungs­einrichtungen weithin üblich, sexueller Missbrauch war nicht selten. Im hannover­schen Stephansstift kam er besonders oft vor.

Von Missbrauch im Stephansstift wussten wir Linde­ner[4] Kinder nichts, aber wir wussten: »Böse Buben kommen ins Stephansstift, böse Mädchen nach Himmelsthür. Wer verrückt ist, kommt nach Ilten, und wer schon mal in Wunstorf war, also in der Psychiatrie, wie die Frau in unserem Haus, Erdgeschoß, links, der war immer noch merkwürdig.«[5] Wie schlimm diese gottesgefälligen Einrichtungen waren, erfuhr ich erst viel später, auch welche Auswirkungen ein erzieherischer Aufenthalt im Stephansstift haben kann: lebenslänglich. So für das Heim­opfer des Stephansstifts, der sich absolut unhöflich an den Landesbischof gewendet hat.[6]+[7] Wo sein Mail wohl gelandet ist? Als ich 1965 in der Registratur des LKA (Landeskirchenamt, nicht Landeskriminalamt) in Hannover gejobbt habe, gab es eine Akte mit der Aufschrift Curiosa. Vielleicht also dort?

Wir kennen es aus der Politik: Gibt es innenpolitische Probleme, lenkt man gern außen­poli­tisch ab. Warum nicht auf die Autoindustrie einschlagen, die ja tatsächlich als organisierte Kriminalität gesehen werden kann? Aber warum macht das der hannoversche Landesbischof? Den Namen Meister hat er verdient, ein Meister im Ablenken. Da darf er sich nicht wundern, dass der Vertrauensverlust der Kirche sich schlimmer auswirkt als die demographische Entwicklung. Die Kirchen sind zum Beispiel für Verwahrlosung von Anstand und Ehrlichkeit geworden, nicht nur die hannoversche. Und auch keine Spur von Professionalität im Umgang mit Problemen.

Und hier das „Pamphlet“ – der Verfasser hat es für den Blog freigegeben.

Absender:

Erich Kronschnabel

Empfänger:

Landeskirche Hannovers

Herrn Bischof Meister 

 

Guten Tag, sehr geehrter Herr Meister! 

Ihr Amtstitel weist Sie als Bischof der Evangelischen Landeskirche Hannovers aus. Sie sind also der Aufseher, Vorsteher, Vorstandsvorsitzende des Konzerns Landeskirche Hannovers.

Ich darf mich vorstellen: Sexualopfer der Schergen der Diakonie, die mich und andere Kinder des damaligen Kinder-KZ „Stephansstift“-Außenstelle „Kronsberg“- zur Befriedigung ihrer Geilheit benutzten. Die Diakonie gehört zum von Ihnen vertretenen Konzern Landeskirche.

Seit Jahren pflegte ich Umgang mit der sogenannten „Unabhängigen Kommission“ Ihrer Firma. Dass die Mitglieder nicht unabhängig sind belegen die Jobs, die diese Kommissionsmitglieder für Ihren Konzern erledigen. Disziplinarrichter und ein Mitglied der Synode bescheinigt genau die Unabhängigkeit, die Sie als Bischof auch haben. Logisch, oder, Herr Meister?

Sie berichteten auf der Synode von 119 Opfern notgeiler Kinderficker im Dienste der Firma

Landeskirche Hannovers. Einige dieser Opfer begleitete ich bis ins Büro von Frau Pastorin Mahler. Übrigens die EINZIGE Person Ihrer Abteilung „Aufarbeitung“, die Opfer mit Empathie behandelte. 

Warum schreibe ich Ihnen überhaupt?

Seit Beginn der „Aufarbeitung und Entschädigung erlittenen Leides“ habe ich mit Mainusch zu tun, Ihnen nicht unbekannt, wie mir das Netz sagt. Mainusch und seine juristischen

Zuarbeiter erfanden einen Fragebogen zwecks Opfererfassung, der an Perversität nicht zu überbieten ist. Mainusch lässt ernsthaft nach Datum und Uhrzeit der Missbräuche fragen!!!

Klar ist ja auch dem größten Depp, dass in den Jahren 1950 – 1975 und danach KEIN EINZIGES HEIMKIND EINE ARMBANDUHR IN BESITZ HATTE! Ignoriert Mainusch natürlich, interessiert ihn einen Dreck, er sieht seine Aufgabe klar erkennbar darin, Opfer abzuschrecken und zu retraumatisieren. Klappt ja auch, bei mir saßen vier Opfer, die sofort jede Kontaktaufnahme mit der Landeskirche ablehnten, als sie diesen idiotischen Fragebogen aus Mainuschs Feder lasen. 

Lassen Sie sich die Korrespondenz zwischen mir und Mainusch zu diesem Thema von Mainusch geben. Er – von Gottes Gnaden-  begreift nicht, was sein idiotischer Fragebogen bewirkt! Er ist genau die Sorte Täternachfolger, die mir immer wieder im Umgang mit Kirche begegnete. Selbstgefällig, großkotzig, empathielos, so wie auch Annette Kurschus. Die Opfer werden erneut zu Opfern gemacht, Retraumatisierung ist Programm!

Sie beklagen auf der Synode Vertrauensverlust!? SOLANGE TYPEN WIE MAINUSCH SELBSTHERRLICH OPFER ERNEUT ZU OPFERN DER KIRCHE MACHEN, SOLANGE werden wir Opfer dagegen aufstehen, Herr Meister! Aufarbeitung und „Entschädigung für erlittenes Leid“ nennt die Kirche die Affigkeiten, mit denen die Opfer retraumatisiert werden!

Was haben Sie für Mitarbeiter, Herr Meister? An der Spitze der sich grossmäulig „unabhängig“ nennenden Kommission ein pensionierter Richter, den ich als Mensch achte, als juristischen Leiter dieser ominösen Kommission aber verachte. Deshalb verachte, weil er zulässt, was der Träger Ihres Paragrafenköfferchens gnadenlos inszeniert.Den aus der Nazizeit bekannt gewordenen Begriff „Furchbarer Jurist“ hat er sich mit Eifer und perversem Fragebogen erarbeitet – auf Kosten der Opfer!  

Und Sie stehen all diesen Schauspielern vor, sehen seit Jahren bei den Theaterstückchen zu und begreifen offensichtlich nicht, dass nicht die Taten der Schweine in Kirchenkreisen zu immer stärkerem Vetrauenverlust führen, sondern die immer noch laufenden Vertuschungen, Beschönigungen und Lügen die Ursache für Vertrauensverlust sind. Ihre

„Aufarbeiter“ arbeiten nicht auf! Ihre „Aufarbeiter“ reichen Taschengeld für zerbrochene Opfer des Konzerns Diakonie=Kirche aus – und wollen die Menschen glauben machen, dass alles wieder gut ist.

Es sind die Mainusch’s die ohne jegliche Empathie eiskalt gegen die Opfer agieren. Die Blödheit ist so grenzenlos, dass nicht mal begriffen wird, was dieser perverse Fragebogen

bei Opfern anrichtet. Frau Mahler hat es begriffen. Leider kann sie es nicht umsetzen. 

Frage an Sie, Herr Meister: Wieso wurde kein Psychologe/Psychater in diese ominöse Kommission geschickt ? Es waren immer die Juristen, die Menschlichkeit mit Füßen traten. Sollten Sie als Theologe eigentlich wissen. Ich googelte Sie ausführlichst, ich bin auf Ihre Antworten gespannt.

Ihnen fällt auf, dass mich Titel und Höflichkeiten einen Dreck interessieren. Ich „genoss“

die Perversitäten der Kinderficker mit Titel Diakon – und Sie würden schlagartig die Gesichtsfarbe wechseln, wenn ich die Betitelungen an Sie weitergebe,mit der die Schweine der Diakonie  uns Kinder benannten. „Spreche mit dem Respekt, den man dir entgegen brachte!“ lautete ein Lehrsatz meines Vaters. 

Leute wie Mainusch unterscheiden sich von den Tätern von damals lediglich dadurch, dass sie die Opfer von damals heute durch perverse Fragebogen retraumatisieren und erneut vergewaltigen!  Sagt Ihnen der blödeste Psychologe, wenn er Mainusch’s Fragebogen sieht.

Lassen Sie mich und die anderen Opfer wissen, wann Sie die immer noch eingesetzten Sauereien=Fragebogen (Motto: „Wann wurdest du gefickt? Datum und Uhrzeit bitte!“)  a la Mainusch endlich abschaffen wollen.  Die Opfer haben nämlich das Problem so häufig von den geilen Brüdern Ihres Glaubens gefickt worden zu sein, dass sie sich Daten und Uhrzeiten nicht merken konnten, Herr Meister….Die Akten Ihrer Abhängigen Kommission verraten es Ihnen. Lesen Sie, Sie erleben eine völlig neue Welt der lustvollen Diakonie!!!

Frau Mahler kann Ihnen mehr über mich berichten, falls Sie verstehen wollen, was ich will!:

Die früheren Opfer vor neuen Vergewaltigungen durch Kirchentypen vom Zuschnitt Mainusch schützen! 

Es grüsst Sie ein Sexualopfer

Ihrer Firma Landeskirche Hannovers

Erich Kronschnabel

Fußnoten

[1] https://www.ekd.de/ralf-meister-synodenbericht-vertrauenskrise-41025.htm nachgelesen: Donnerstag, 29. November 2018

[2] Ich gebe das Mail an den Landesbischof unten unzensiert wieder.

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/11/25/wenn-die-seele-zuckt-trigger/

[4] Linden ist der größte Stadtteil von Hannover.

[5] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2015/01/rezension-himmelsthc3bcr.pdf

[6] https://dierkschaefer.wordpress.com/2018/08/29/auf-kindesmissbrauch-kann-lebenslaenglich-stehen-fuer-die-opfer/

[7] Nach diesem Teil der Geschichte des Stephansstiftes sucht man auf deren Homepage vergeblich. https://www.dachstiftung-diakonie.de/die-dachstiftung-diakonie/foerderstiftungen/stiftung-stephansstift/

Der Banküberfall

Posted in Kriminalität, Kriminologie, Uncategorized by dierkschaefer on 22. Juni 2017

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Der Banküberfall [1]

9 Jahre Knast für Dieter Schulz

 

Der Banküberfall war für Dieter Schulz sozusagen die Krönung seiner kriminellen Tätigkeit, jedenfalls hinsichtlich des Strafmaßes, ansonsten hatte er noch Größeres vor. Hier hat er – soweit ich sehe – auch erstmalig in Komplizenschaft mit mehreren anderen Tätern „ein Ding gedreht“, und einer der Täter war bewaffnet, daher die hohe Strafe.[2]

Die persönliche Verantwortung für diese Straftat wird von ihm heruntergespielt. In die Rolle der Führerschaft sei er nur gekommen, weil er die Dummheit, die Unbedarftheit seiner Kum­pane und deren Drogenpegelstand habe kompensieren müssen. Das Gericht hat ihm diese Version nicht abgenommen. Sei dem wie es wolle.

Die Personen, das Beziehungsgeflecht, die Reiseroute

Interessant, und darum dieser Überblick, ist das Beziehungsgeflecht der Akteure und der Personen an der Peripherie. Das gab es bei den anderen Straftaten von Dieter Schulz nicht. _Inhaltsverzeichnis Dort war er Einzelkämpfer und brauchte nur für den Absatz der Zigaretten Abnehmer. Diese wohl meist türkischen Gruppen, wie auch sein Bekanntenkreis tauchen in seinen Beschreibun­gen nur pauschal auf. Eine Ausnahme bilden die jeweiligen Lebensabschnitts­gefähr­tinnen.

Beim Banküberfall wird ein Mikrokosmos sichtbar, eine Subkultur[3], die innerhalb des engbe­grenzten Rotlichtbezirks von Hannover „beheimatet“ ist. Hier hat „man“ seine Kontaktper­sonen „beruflicher“ und privater Art. Hier feiert man seine Erfolge. Hier erwirbt man seine Reputation, die schnell verloren gehen kann, wenn man versagt, die Spielregeln nicht einhält oder gar zum Verräter wird. Wer verstoßen wird, wird zudem malträtiert bis hin zur Ermor­dung. Es gilt das Recht des Stärkeren.

Knasterfahrung „adelt“. Schulz schreibt: Bei dem Italiener „trafen wir rein zufällig“ einen alten Bekannten von beiden. Harry wie auch Wolfgang kannten zumindest einen von den bereits anwesenden Gästen. Kurzerhand wurde ein weiterer Tisch herangeschoben und wie ich später erfuhr, saß ich inmitten von Hunderten von Jahren Knast! (Kap. 36) Damit bringt er einerseits Anerkennung zum Ausdruck, andererseits distanziert es sich vom Geschehen. Er ist in seiner Kriminalität eigentlich ein self-made-man, der auf eigene Rechnung arbeitet und keine Anleitung braucht. Die Kontakte zu dieser Subkultur, er spricht vom „hiesigen Rotlicht­viertel“, sind auch darauf zurückzuführen, dass er hier Abnehmer für seine Zigaretten aus dem Automatenbetrug gefunden hat. Auch mit seinen Drogengeschäften war er auf diese Subkultur angewiesen. Das knastbedingte Networking brachte dann die Kontakte auch für erweiterte Kriminalität. Der Banküberfall, der hier übersichtsartig dargestellt wird, ist nur ein Delikt, in dem Dieter Schulz die wichtigste Position einnimmt. Parallel dazu läuft sein Falschgeld­projekt mit einer Knastbekanntschaft und sein großes Drogenprojekt, dass er allein durchzie­hen will, allein, wenn man absieht von seinem Lieferanten, den er mit dem Falschgeld aus dem anderen Projekt bezahlen und selber dann untertauchen will, und seine nicht weiter benannten türkischen Abnehmer der großen Drogenmengen.

Hier nun der Banküberfall, der zum ersten Mal in Schulz’ Karriere ein Netzwerk und eine Subkultur aufzeigt, in der Schulz schon länger lebt, mit all den wechselseitigen Abhängig­keiten.

Übersicht: Der Banküberfall – Die Personen, das Beziehungsgeflecht, die Reiserout_Banküberfall Die Personen das Beziehungsgeflecht die R…

Fußnoten

[1] Abbildung: http://smith-wessonforum.com/s-w-hand-ejectors-1896-1961/132608-big-magnum-bigger-magnum.html

[2] Die Autobiographie von Dieter Schulz ist in diesem Blog erschienen: Inhaltsverzeichnis _Inhaltsverzeichnis

[3] Der Begriff Subkultur wir hier nur als Benennung eines Beziehungsgeflechts mit internen Regelungen und Normen benutzt. Diese bilden eine Abgrenzung innerhalb der umfassenden Kultur. Sie müssen nicht unbedingt gegen geltendes Recht verstoßen. Soweit Rechtsverstöße wesentlicher Teil einer Subkultur sind, wäre es naiv, dabei nur die „Unterschichtkriminalität“ in den Blick zu nehmen. Auch die Kriminalität der Mächtigen, sei es nun die Wirtschaftskriminalität mit dem „white-collar-crime“ oder die Regierungskriminalität kann mit den jeweiligen Netzwerken und Seilschaften als Subkultur beschrieben werden. Das sind Formen von Kriminalität, die von Dieter Schulz selbstexculpierend genannt werden. Schulz bekundet damit aber das, was heutzutage in aller Brisanz als Vertrauensverlust in die Institutionen (politisch, wirtschaftlich), und in die dort „Mächtigen“, auch die in den Firmen hervortritt, ein Vertrauensverlust, der auch vor den einst anerkannten Moralinstituti­onen nicht haltgemacht hat.

Wieder ehrbar werden? – Spendenmanagement

Posted in Gesellschaft, Soziologie by dierkschaefer on 25. November 2014

Wie kann ein Mensch oder eine Organisation, eine Firma oder eine ganze Gesellschaft nach totalem Vertrauensverlust wieder ehrbar werden?

Mein Beitrag Bethel – da war doch mal was!,[1] hat die Kommentare erhalten, die zu erwarten waren.

Doch das Problem ist komplexer. Bleiben wir beim „Spendenmarkt“.

Jetzt, in der Vorweihnachtszeit erhalte ich viele Bettelbriefe diverser Einrichtungen, mit oder ohne religiösen Hintergrund. Haben sie ein „Spendensiegel“[2], und wenn, welches? wie steht es mit Transparenz und Kontrolle?

Auch vermehrt in dieser Jahreszeit, aber auch sonst, dann besonders vor Kirchentüren, sitzen Bettler, zuweilen mit Kleinkind im Arm, und halten mir ihre Plastikbecher heischend entgegen oder verharren in geradezu klassischer Bettlergestik. Die haben natürlich kein Spendensiegel und ob auf jeden Bettler zutrifft, dass er am Gängelband dunkler Organisationen hängt, die ihn kostümieren und plazieren, so wie diese hilflose Bettlerin[3], das weiß ich nicht.

Neben die Menschen in Notlagen, als Spendenmotiv, sind andere Sammelmotive getreten. Unter dem Begriff Sponsering kann man manches tun für manch honorigen Zweck, bis hin zum „Crowd Funding“[4], bei dem das Internet „zur Kathedrale“ einer „ digitalen Kollekte“[5] wird.

 

Bei wem wird mein Geld, das ich in idealistischer  Absicht gebe, so ausgegeben, wie ich mir das vorstelle? Wie seriös sind der Sammler und seine Organisation?

Was ist, wenn die Organisation sich früher als unseriös erwiesen hat, wie im Ausgangsbeispiel Bethel. Gesetzt den Fall, eine solche Organisation arbeitet mittlerweile seriös, das heißt transparent und kontrolliert und wirklich im Sinne der Hilfebedürftigen, wie müsste ihr „Bettelbrief“ aussehen, um glaubhaft zu sein? Und wen interessiert eine ausführliche Jahresbilanz über die Verwendung der Gelder?

 

Ich weiß: Viele meiner Leser meinen, Bethel und die Kirchen überhaupt sollten ihren Laden zumachen und ihre Konkursmasse auf den Markt der Bedürftigkeit werfen. Doch das wäre nur eine vorübergehende Lösung, die nur den aktuell Bedürftigen hilft.

 

Mitmenschlichkeit, die über eine face-to-face-Hilfe[6] hinausgeht, braucht ein „Spendenmanagement“ einschließlich der Einwerbung von Spenden. Oder wollen wir eine Gesellschaft, in der jeder nur noch an sich denkt?

 

Manche Organisationen erleben ihre Transformation/Deformation noch zu Lebzeiten ihres Gründers[7].

[1] https://wordpress.com/post/7234051/5764  = Bethel – da war doch mal was!,

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Spendensiegel

[3] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8978071752/in/set-72157605061052271

[4] http://de.wikipedia.org/wiki/Crowdfunding

[5] http://www.3sat.de/page/?source=/kulturzeit/themen/149908/index.html

[6] und auch ihre Probleme hat, s. Beispiel der Straßenbettelei

[7] http://de.wikipedia.org/wiki/Osho

Man muß nicht gleich nostalgisch werden

Posted in Geschichte, Religion by dierkschaefer on 11. Mai 2014

Wer das Buch Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer[1] von Johannes Gillhoff[2] kennt, erinnert sich bestimmt an die vielen naiv und belustigend wirkenden Ereignisse, von denen Jürnjakob seinem Lehrer in der alten Heimat berichtet. Gillhoff hatte viele Auswandererberichte in der Figur des Jürnjakob Swehn kompiliert. Auch die Not der Auswanderer hatte ich dunkel in Erinnerung.

Nun hat jemand einen Text aus dem Buch ins Netz gestellt, der mich nachdenklich machte. Es ist der Bericht vom Sterbebett der Mutter von Jürnjakob[3]. Man muß wirklich nicht gleich nostalgisch werden. Wohl niemand wünscht sich diese harten Zeiten zurück. Doch ein Verlust wurde mir sehr deutlich. In der Welt von Jürnjakob gab es ein Bewußtsein von Aufgehobenheit in allen Nöten, und Nöte gab es genug. Diese Geborgenheit lag im erlernten Vertrauen auf Gottes letztlich gut geordnete Welt und in der Bibel gab es für jede Situation Trost und Zuversicht. Wir sehen das heutzutage eher als fromme Illusion. Diese trotz aller Unordnung letztlich „heile Welt“ werden wir nie wieder bekommen. Aber wir haben etwas verloren.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/J%C3%BCrnjakob_Swehn_der_Amerikafahrer

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Johannes_Gillhoff

[3] http://nichtallzufromm.blog.de/2013/05/12/juernjakob-swehn-sterbebett-mutter-15956803/