Dierk Schaefers Blog

Das Geheimnis der Versöhnung heißt …

Ja, was heißt es denn nun? Vor lauter Kranzgebinden ist es nicht zu lesen. [1] Um es nicht span­nend zu machen: Das Geheimnis heißt nicht Entschädigung, sondern Erinnerung. Die ist ja auch nicht falsch, besonders wenn man sieht, wie ein Herr Gauland schlimmste Erinnerungen auszublen­den versucht. [2] Er schließt damit decouvierend den Völkermord an den Juden aus, die mit Recht auf Erinnerung bestehen.[3] Dass die Kranzgebinde unter dem Denkmal der Anstalt Witte­kindshof die „Erinnerung“ blumig verdecken, ist nur scheinbar ein Zufall. Denn: Ist es ein echter Versuch zu erinnern? Oder ein zuviel an Erinnerung? Helmut Jacob sprach einmal von Betroffenheitsgestammel. Das wird dann bei Gedenkgottes­diensten zum Ritual.

Die Wittekindanstalt hatte 2012 schon einmal einen Gedenkgottesdienst gefeiert. Die Predigt ging über ein Wunder.[4] Doch die Heimkinder hatten keine Wunder erlebt, sondern Drangsal in vielerlei Hinsicht. Dies wurde von den Wissenschaftlern Schmuhl/Winkler ordentlich aufgearbeitet und damit Erinnerung möglich gemacht. Wenn die aber schmerzt, muss sie „behandelt“ und entschärft werden. Das tat der Anstaltsleiter in seinem Geleitwort zum Bericht der Wissen­schaftler[5].

So kann die Anstalt mittlerweile auf ihrer Homepage zwar ein Kapitel „Geschichte“ präsentieren, den unseligen Teil dieser Geschichte, der allein der Anstalt anzulasten ist und nicht den Nazis, ganz einfach verschweigen.[6] Ein besonderer Link ist seit 2012 nicht mehr zugänglich: http://www.wittekindshof.de/wittekindshof/der-wittekindshof/aufarbeitung-der-geschichte/anerkennung-bitte-um-verzeihung-unterstuetzung-abbau-von-exklusionssystemen/anerkennung-bitte-um-verzeihung-unterstuetzung-abbau-von-exklusionssystemen.html [7] Sieht so Erinnerung aus, die dem Logo der Anstalt gerecht wird: „Diakonische Stiftung Wittekindshof, Menschenwürde gestalten.“?

Im Sonderheft 2 hieß es auf Seite 5:Der Mensch im Mittelpunkt – Mit den von uns vorge­nom­menen Untersuchungen wollten wir nicht in erster Linie die Geschichte der Institution Wittekindshof erforschen. In einem seit 2008 unter Beteiligung eines großen Teiles der Mit­arbeiterschaft vollzogenen Leitbildprozess ist uns deutlich geworden, dass es nicht darum gehen kann, die Institution in den Vordergrund zu stellen – auch nicht bei einem Jubiläum. Nicht zuletzt durch das sorgfältig erarbeitete äußere Erscheinungsbild (Corporate Design) möchten wir zum Ausdruck bringen, dass nach unserem Verständnis die von der Stiftung unterstützten Menschen mit ihren besonderen Eigenschaften und Fähigkeiten ins Zentrum der Wahrnehmung rücken müssen und die Institution dahinter zurücktreten soll (siehe „Durchblick“ Nr. 2 von 2011). Die Identität des Wittekindshofes besteht nicht darin, was er für sich ist, sondern was er für andere tut.“[8]

Morgen nun ein weiterer Gedenkgottesdienst. »„Der Gedenkgottesdienst ist ein fester Bestand­teil im Wittekindshofer Jahresablauf zum Gedenken an die Opfer der nationalsozia­listischen Mordaktion an kranken und behinderten Menschen, aber auch an alle anderen Personen, die im Wittekindshof Unrecht und Leid erfahren haben“, erklärte Vorstandsspre­cher Pfarrer Dierk Starnitzke, der den Gottesdienst zusammen mit Kirchenmusikerin Conny Stern und dem Oberkurs der Diakonenschule als Gesamtgottesdienst der Kirchengemeinde Volmerdingsen-Wittekindshof vorbereitet hat und gestalten wird. Eingeladen sind alle Gemeindemitglieder und auch diejenigen, die sonst die Gottesdienste in der Dorfkirche besuchen, in der an diesem Sonntag kein Gottesdienst stattfinden wird.“«[9]

Unter der Rubrik „Geschichte“ kommen die Heimkinder der Nachkriegsjahre nicht vor, aber die Opfer aus der Nazi-Zeit: „Ab 1934 werden mit Billigung des Vorstandes Zwangssterilisa­tionen im Krankenhaus Bethanien vorgenommen. Die Tötung von Menschen mit Behinde­rung hingegen wird strikt abgelehnt. 1940 treffen Meldebögen des Reichsinnenministeriums ein, mit denen die Heimbewohner in Heil- und Pflegeanstalten zu erfassen sind. Im Witte­kinds­hof werden sie ausgefüllt, aber nicht abgeschickt. Auf staatliche Anordnung werden im gleichen Jahr sechs jüdische Bewohner verlegt und kurze Zeit später ermordet. Im Juni 1941 unternimmt eine Ärztekommission aus Berlin eine „erbbiologische Bestandsaufnahme“. Im Wittekindshof leben 1.330 Menschen mit Behinderung. 958 davon werden im Herbst in staatliche „Provinzialanstalten“ verlegt. Dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm fallen etwa 400 Bewohnerinnen und Bewohner des Wittekindshofes zum Opfer.“[10]

Man könnte darüber zum Zyniker werden: Dem nationalsozialistischen Euthanasieprogramm fallen etwa 400 Bewohnerinnen und Bewohner des Wittekindshofes zum Opfer. Da hat man die Schuldigen, die man getrost auf der Homepage nennen kann. Die ehemaligen Heimkinder werden ganz nebenbei erwähnt (und die Täter gar nicht). Ihre Beachtung gleicht den Brotsamen, die für sie vom Tisch dieser Anstalt fallen. Für sie wird der Gedenkgottesdienst zur Alibi-Veranstaltung der Anstalt, die sich an ihnen versündigt hat.

Amos 5;21, 23, 24:

Ich hasse und verachte eure Feste und mag eure Versammlungen nicht riechen. Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören! Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

Als ich 2012 dem Leiter der Anstalt konkrete Vorschläge unterbreitete, was der Wittekindshof für die ehemalige Heimkinder tun könne, brach der Kontakt ab.[11]

Ich hoffe, nun wenigstens einen kleinen Beitrag zur Erinnerung geleistet zu haben.[12]

Fußnoten

[1] Photo und Bericht: http://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/21925448_Gedenkgottesdienst-fuer-Opfer-von-Gewalt.html

[2] Alexander Skipis sagte dazu in seiner Rede zur Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises an Asli Erdogan indem er sie zitierte: „Wenn wir aus einer schreierischen Feindseligkeit heraus, die keinerlei Raum für Objektivität und das Hinterfragen von Fakten lässt, in der ,Geschichte‘ nur die Spuren vergangener Größe suchen, mangelt es uns auf entsetzliche Weise an Mitgefühl dafür, was Menschen erlebt und erlitten haben.“ Zitiert nach Alexander Skipis, Wir müssen die Worte am Leben erhalten, Laudatio auf die Schriftstellerin Asli Erdogan zur Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises, FAZ Sonnabend, 23. September 2017, S. 11, im Netz: http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/schriftstellerin-asli-erdogan-erhaelt-remarque-preis-15211659.html

[3] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/8235958298/

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/10/18/gottesdienst-zum-gedenken-an-die-gewaltopfer/

[5] Ihre „Stellungnahme“ unterscheidet sich in einer Hinsicht positiv vom Geleitwort, denn hier werden in sehr deutlicher Sprache die schlimmen Erlebnisse der ehemaligen Heimkinder an prominenter Stelle genannt. In Ihrem Geleitwort nennen Sie dagegen zunächst die damals allgemein schlimmen Verhältnisse und der Leser fragt sich, wer mehr zu bedauern ist, das Personal oder die Kinder. https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/24/sulze/

[6] https://www.wittekindshof.de/unternehmen/geschichte/

[7] „Die gewünschte Seite konnte nicht gefunden werden oder ist nicht mehr Bestandteil der neuen Website.“

[8] Die Institution ist dermaßen zurückgetreten, dass auch dieser Link nicht mehr funktioniert. Auf Seite 7 hieß es: „Bereits im letzten Jahr wurde eine erste, sehr kritische Studie von Dr. Winkler und Prof. Schmuhl zur Frage der Gewaltanwendung im Wittekindshof in den 1950er und 1960er Jahren mit dem Titel „Als wären wir zur Strafe hier“ erstellt. Sie hat solches Interesse erzeugt, dass wir binnen eines Jahres drei Auflagen des Bandes hergestellt haben. Wir hoffen sehr, dass das nun erscheinende Buch zur gesamten Geschichte des Wittekindshofes auf ebenso großes Interesse stößt. Es zeigt nicht nur die kritischen Punkte dieser langen Entwicklung, z. B. in den schwierigen Phasen der beiden Weltkriege. Es würdigt auch die Verdienste des Wittekindshofes und vor allem seiner Mitarbeitenden, die oft unter sehr problematischen Bedingungen arbeiten mussten und darin doch Erhebliches an Unterstützung für die Menschen mit Behinderungen geleistet haben. Ich danke Hans-Walter Schmuhl und Ulrike Winkler sehr für ihre äußerst interessante und gelungene Erarbeitung dieser hochinteressanten Studie. Sie wurden kompetent begleitet von einem Arbeitskreis mit Dr. Christof Windhorst, dem ehemaligen Stiftungsratsvorsitzenden und profunden Historiker, mit Michael Spehr, dem Archivar des Wittekindshofes, und mir. Gern erinnere ich mich an die intensiven Diskussionen über die Forschungsergebnisse, die uns alle bewegt und nachhaltig beschäftigt haben. Die Verfasser arbeiteten vertrauensvoll und offen mit uns zusammen, waren aber in ihrer Darstellung völlig frei. Ich bin mir sicher, dass das Buch viele interessieren wird und der Diakonischen Stiftung Wittekindshof helfen wird, ihren weiteren Weg zu finden, der ganz entschieden in Richtung Inklusion gehen soll.“

[9] http://www.nw.de/lokal/kreis_minden_luebbecke/bad_oeynhausen/bad_oeynhausen/21925448_Gedenkgottesdienst-fuer-Opfer-von-Gewalt.html

[10] https://www.wittekindshof.de/unternehmen/geschichte/

[11] https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/05/09/fortsetzung-meines-teils-der-korrespondenz/

[12] Auch Helmut Jacob hat der Schwachheit Wittekindscher Erinnerung mit seiner Rezension der Arbeit von Schmuhl/Winkler aufgeholfen: „In dem Geleitwort zum Buch ist kein einziges Mal der Begriff ‚Verbrechen‘ zu finden, obwohl es das pure Grauen und etliche Verbrechen darstellt.“ https://www.amazon.de/gp/aw/cr/rR14IRR5OXWWI01 Zum Lesen empfohlen.

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Wenn man schon sterben muss: Einfach wegdämmern …

… wer möchte das nicht nach einem weithin zufriedenstellend gelebten Leben? Auch wenn’s kein „erfülltes“ war, aber keine Erfüllung mehr zu erwarten ist. Wir müssen ohnehin einmal sterben, dann doch lieber so. Besser als der letale Schlaganfall, denn das Fallen könnte man noch merken. Doch nur wenige möchten, dass ihr Dämmerzustand über Wochen hinweg verlängert wird durch die künstliche Aufrechterhal­tung ihres Stoffwechsels. Einfach wegdämmern können ist angesichts der Alternativen die beste aller denkbaren Möglichkeiten.

Schlimmer noch, wenn der Dämmerzustand von schmerzhaften Phasen unterbrochen wird und man nicht mehr die Kraft hat zu rufen: Schwester, ich habe Schmerzen! Oder wenn die Ausweglosigkeit bei vollem Bewusstsein durchlitten werden muss.

Ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts[1] hat die Periletalexperten aufgescheucht. Die EKD-Mitteilung nennt sie und schreibt vorsichtshalber, sie wolle »zu dem Fall erst dann Stellung neh­men, wenn der Text des Urteils vorliegt. Generell wies eine Sprecherin darauf hin, dass die evange­lische Kirche das menschliche Lebens als Gabe Gottes betrachte, das auch bei starken Ein­schrän­kungen und Leiden seine Würde nicht verliere. Wichtig sei zudem, die palliativme­di­zi­nische Versorgung von schwer kranken und sterbenden Menschen zu verbessern. Auch die Kirche stehe vor der Herausforderung, die „Seelsorge an Schwerkranken und Sterbenden zu verstärken“« [2].

Was hat die Periletalexperten so aufgescheucht? Es ging um die Frage der professionellen Beihilfe zum Suizid. Der „Zugang zu einem Betäubungsmittel, das eine schmerzlose Selbst­tötung ermöglicht, darf in extremen Ausnahmesituationen nicht verwehrt werden“, so der Tenor der Gerichtsentscheidung. Die verknüpft damit das allgemeine Persönlichkeitsrecht[3]. Dieses umfasse „auch das Recht eines schwer und unheilbar kranken Patienten, zu entschei­den, wie und zu welchem Zeitpunkt sein Leben beendet werden soll, vorausgesetzt, er kann seinen Willen frei bilden und entsprechend handeln. Daraus kann sich im extremen Einzelfall ergeben, dass der Staat den Zugang zu einem Betäubungsmittel nicht verwehren darf, das dem Patienten eine würdige und schmerzlose Selbsttötung ermöglicht.“

Die Menschenwürde, auch die des Sterbenden, ist kein unbestimmter Rechtsbegriff wie das vielstrapazierte Kindeswohl. Doch es wird versucht, Menschenwürde besserwisserisch oder gar im eigenen Geschäftsinteresse gegen den Willen des Würdeträgers zu definieren und diese Definition auch durchzusetzen. Dies geschah am 3. Dezember 2015 durch ein Änderungsge­setz zu Paragraf 217 StGB, seit dem 10. Dezember ist es in Kraft. [4]

»Das Gesetz hat damals die Debatte um die Sterbehilfe, Suizidbeihilfe und Palliativmedizin zu beenden versucht, indem es von allen diskutierten Vorschlägen den restriktivsten, freiheits­feindlichsten und obrigkeitsstaatlichsten umsetzte. Wie üblich geschah dies unter großem Moralin- und Argumentationsaufwand und natürlich mit den allerbesten Absichten. Es gab (mindestens) drei Gesetzesvorschläge mit unterschiedlich restriktiver Handhabung. Der am meisten rückwärtsgewandte, am meisten bevormundende, am wenigsten menschenfreundliche wurde Gesetz. Eine breite Mehrheit der Bürger hätte sich – laut zahllosen Umfragen und Untersuchungen – anders entschieden. So viel Vertrauen in die Vernunft ihrer Untertanen aber wollten die GesetzgeberInnen nicht aufbringen.«[5]

Und nun stört das Bundesverwaltungsgericht den gegen die Bürger durchgesetzten Rechts­frieden – die Moralinstanzen und Geschäftsinteressenten maulen.

Klar, dass sich die verfasste Ärzteschaft wehrt; auch die Palliativmediziner sehen ihr Geschäfts­modell bedroht[6], doch manche Ärzte werden sich nicht dadurch vertreten sehen.[7]

Geschäftsmodelle sind ethisch zunächst neutral zu bewerten. Wer wird einem Bäcker vor­werfen wollen, dass er mit unserem Hunger sein Geld verdient. Wir als Kunden von wem auch immer können für unser gutes Geld eine professionelle Dienstleistung bzw. qualitativ gute Ware und ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis erwarten. Das gilt auch für die Begleitung in der Lebensendphase. Die Palliativmedizin ist ein wichtiger Dienstleister, der allerdings Mühe hatte, sein Geschäftsmodell durchzusetzen.[8] Eine beabsichtigte Lebens­verkürzung wurde jedoch zugunsten des assistierten Dahindämmerns ausgeschlossen.[9]

Die anerkannten Dienstleister dulden keine Konkurrenz, jedenfalls keine geschäftsmäßige, also professionionelle, die – horribile dictu – vielleicht noch durch die Stiftung Warentest zertifiziert werden könnte. Doch warum eigentlich sollen wir nicht nur bei der palliativen Sterbebegleitung, sondern auch bei der Suizidassistenz  Professionalität einfordern?[10] Schließlich soll auch der Suizid „gelingen“, wenn ich ihn denn schon will und akzeptable Gründe dafür habe?

In meine Vorstellungen von Menschenwürde mischen sich ungefragt Moralinstitutionen ein, die mir sagen wollen, wie ich würdig zu sterben habe. Die evange­lische Kirche betrachtet das menschliche Lebens als Gabe Gottes, heißt es in der EKD-Mitteilung. Nikolaus Schneider, der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat erklärt, er werde seine an Krebs erkrankte Frau, wenn sie Sterbehilfe wolle, auch in die Schweiz begleiten. Er distanziert sich damit privat von dem, was die Kirchen gern als absolute Schöpfungs­ord­nung hinstellen.[11] »Das Leben, das Gott gegeben hat, dürfe der Mensch nicht beenden. Das sei „Gottes gnädigem Ratschluß“ vorbehalten, wie es immer noch in Traueranzeigen heißt. Diese Meinung ist zu respektieren. Wer aber diese Sicht anderen aufoktroyieren will, egal mit welchen Methoden, der ist nicht ehrlich, wenn er nicht zugleich deutlich macht, daß in der Geschichte der Menschheit bis in unsere Tage diese Sicht der „letzten Dinge“ zumeist keine Berücksichtigung fand beim von oben verordneten Tod. Die Machthaber aller Zeiten spielten Potentaten-Schach und opferten ihre „Bauern“ ganz nach Kalkül und Bedarf im Krieg. Die Justiz verhängte Todesurteile, nicht nur in Hexen- und Ketzerprozessen. Kriege und Todes­urteile, diese Todeszuteilung von oben bekam in aller Regel Zustimmung und Assistenz durch „Feldgeistliche“, und auch keine Hinrichtung ohne seelischen Beistand eines Priesters. Über das Lebensende wurde nicht von ganz oben, durch den Allmächtigen verfügt, sondern durch die „Oberen“ in Staat und Justiz.«[12]

Ich vermisse in der Kirchenmeinung den Respekt vor dem Menschen, der sterben will und dazu in seinem „Angewiesensein als Grunddimension des Menschseins“ die Hilfe verstän­diger Mitmenschen erbittet. Sicherlich wird man nicht jeden Sterbewunsch unverzüglich erfüllen wollen und können. Sicherlich wird man auch fragen müssen, wer sonst noch aus einer wie auch immer unerquicklichen Situation „erlöst“ wird (Mitleiden, Pflegeaufwand, Kosten, Erbschaft). Doch nach reiflicher Überlegung wird man das „Mach End, o Herr, mach Ende“ auch ganz innerweltlich verstehen und den Arzt um Hilfe bitten dürfen.

Der „Tod als Erlösung“ brachte am 5. März 2017 bei Google „10.500 Ergebnisse“.

„Die letzten drei Monate hätten nicht mehr sein müssen“, sagten die Angehörigen. „Da hat er sich nur noch gequält“.

Gott sei uns gnädig und gebe uns einen gnädigen Arzt.[13]

 

Nachtrag 1

Philipp Greifenstein referiert in seinem differenzierten Beitrag[14] auch die Veröffentlichung von Friedrich Wilhelm Graf, emeritierter Professor für Systematische Theologie und Ethik.[15] Die Frist für den kostenlosen Download habe ich leider verpaßt. (Wer ihn hat, schicke ihn mir bitte per Mail!) Doch die Web-Seite des Merkur spendiert immerhin einige Zitate aus dem Essay: „In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung hat Reinhard Kardinal Marx, der neue Vorsitzende der Bischofskonferenz, ernsthaft gesagt: »Gebt uns die Sterbenden, denn wir sind ganz besonders für die Leidenden und Sterbenden da.« Warum eigentlich? Weil Jesus von Nazareth einen grausamen Kreuzestod gestorben ist? Oder weil Caritas und Diakonie sich einbilden, in Sachen palliativer Sterbebegleitung kompetenter zu sein als andere Akteure, etwa säkulare Hospizvereine? Sind »die Leidenden und Sterbenden« vielleicht auch aus finanziellen Motiven für Caritas und Diakonie eine interessante Klientel?“ (Hervorhebung von mir)

 

Nachtrag 2

Ein Kollege kommentiert das Verwaltungsgerichtsurteil unter dem Titel Ein seltsames Urteil zur Suizidhilfe.[16] Merkwürdig, weil nicht berücksichtigt worden sei, dass andere, legale Möglichkeiten bestanden hätten, den gewünschten Tod herbeizuführen. Ich schickte ihm einen schon älteren Leserbrief, den ich im Pfarrerblatt zum Thema geschrieben hatte, und leitete provozierend ein mit den Worten: „man muss sich schon auskennen, im irrgarten zur korrekten selbsttötung. da sind doch das gute alte aufknüpfen am fensterkreuz oder der sprung vom dach übersichtlicher gewesen. wer hat, der nimmt ein schießeisen und steckt es in den mund.“

Das war ihm wohl zu starker Tobak. Er hat meinen Kommentar nicht freigeschaltet.

Nachtrag 3

Aus unserer Patientenverfügung: Generell erscheint uns beiden der Zustand eines Wesens, das auf die Aufrechterhal­tung seines Stoffwechsels reduziert ist, ähnlich wie bei einem Baby, doch ohne Perspektive, menschenunwürdig.

Fußnoten

[1] http://www.bverwg.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung.php?jahr=2017&nr=11

[2] http://www.ekd.de/aktuell_presse/news_2017_03_03_03_verbaende_kritik_sterbehilfe-urteil.html

[3] Art. 2 Abs.1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG

[4] § 217 Geschäftsmäßige Förderung der Selbsttötung
(1) Wer in der Absicht, die Selbsttötung eines anderen zu fördern, diesem hierzu geschäfts­mäßig die Gelegenheit gewährt, verschafft oder vermittelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
(2) Als Teilnehmer bleibt straffrei, wer selbst nicht geschäftsmäßig handelt und entweder Angehöriger des in Absatz 1 genannten anderen ist oder diesem nahesteht. – zitiert nach: Fischer im Recht, http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-02/sterbehilfe-vom-leben-und-vom-tod-fischer-im-recht/komplettansicht

[5] http://www.zeit.de/gesellschaft/2017-02/sterbehilfe-vom-leben-und-vom-tod-fischer-im-recht/komplettansicht

[6] https://www.tagesschau.de/inland/kritik-urteil-bverwg-101.html

[7] http://www.zeit.de/2015/09/sterbehilfe-aerzte-brechen-tabu/komplettansicht

[8] Ich hatte die Ehre, eine Podiumsdiskussion mit Cicely Saunders, der „Urmutter“ der Hospizbewegung zu moderieren. Sie hätte den Begriff Geschäftsmodell sicherlich zurückgewiesen. Doch wie wohl alle humanitär inspirierten Initiativen unterliegt auch die Hospizbewegung den Gesetzmäßigkeiten und Zwängen der Institutionalisierung. Man wehrt sich gegen Konkurrenz.

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Hospizbewegung

[10] Ob man effektive Schmerzmittel bekommt, ist ohnehin nicht gesichert: https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/09/28/gott-sei-uns-gnaedig-und-gebe-uns-einen-gnaedigen-arzt/

[11] Das tun auch andere frei denkende, dem christlichen Glauben verbundene Zeitgenossen: https://www.publik-forum.de/Wissen-Ethik/prominente-theologen-fuer-sterbehilfe#. Den hier genannten wäre auch Prof. Friedrich Wilhelm Graf hinzuzufügen.

[12] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/07/21/demokratisierung-der-todeszuteilung/

[13] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/09/28/gott-sei-uns-gnaedig-und-gebe-uns-einen-gnaedigen-arzt/

[14] Wie hältst Du es mit dem Sterben? http://www.theologiestudierende.de/2015/06/20/wie-haeltst-du-es-mit-dem-sterben/

[15] Friedrich Wilhelm Graf, Apodiktische Ethik mit Lügen . Die deutschen Kirchen und der ärztlich assistierte Suizid: Merkur, Jahrgang 69, Heft 792, Heft 05, Mai 2015.

[16] https://einwuerfe.wordpress.com/2017/03/02/ein-seltsames-urteil-zur-suizidhilfe/ Veröffentlicht am 2. März 2017 von michaelcoors

Es geht nicht um das Ob von Medikamentenversuchen an Kindern und Jugendlichen, denn daran besteht kein Zweifel. Es geht um das Ausmaß – und das soll verheerend sein.

Sich darüber empören? Wer hat noch die Kraft dazu?

Also listen wir ganz nüchtern auf: Berichte von ehemaligen Heimkindern über verabreichte Medikamente zur Ruhigstellung gab es schon lange, auch zu Zeiten des Runden Tisches unter der betrügerischen Moderation von Frau Vollmer. Doch der ging es eher um den Schutz der Kassen von Staat, Kirchen und Auftraggebern für Kinderarbeit. Sie hätte ja einen Forschungsauftrag geben können, um auch diese Hintergründe zu erhellen. Gibt es nun eine neue Runde für den Runden Tisch? Keine Angst, hier gibt niemand eine Runde aus. Man gibt sich „beschämt“[1] und entschuldigt sich[2] – ja, wie üblich, reinigt man sich selbst von Schuld. Das wars aber noch nicht ganz, denn man bietet großzügig Hilfe an – und lässt die eigene Geldbörse zu: „Wir wollen allen Bewohnern der ehemaligen Rotenburger Anstalten helfen, ihre berechtigten Ansprüche bei der Stiftung Anerkennung und Hilfe geltend zu machen.“ Auch solche billigen Zusagen sind den Lesern dieses Blogs bekannt.

Sich darüber empören? Wer hat noch die Kraft dazu? Es ist nur die nächste Runde in einem Spiel mit gezinkten Karten.

[1] Alle Zitate aus: http://www.rotenburger-rundschau.de/lokales/rotenburg-wuemme/rotenburger-werke-arbeiten-duestere-seite-der-geschichte-auf-von-dennis-bartz-113730.html

Es gibt noch einen Link zum Vorfall, doch der ist kostenpflichtig: http://www.abendblatt.de/region/niedersachsen/article205793077/Wurden-Medikamente-an-Bremer-Heimkindern-getestet.html Das Geld kann man sich sparen, gibt ja ohnehin nichts Neues.

[2] „Der christliche Anspruch und die Wirklichkeit klafften damals weit auseinander. Ich entschuldige mich bei allen Bewohnern für das Leid und das Unrecht, das ihnen angetan wurde.“

Behinderte werden als Menschen zweiter Klasse behandelt. Der „Bundesverband evangelische Behindertenhilfe“ (BeB) begrüßt das.

Nicht zu glauben. Ein Verband für die Unterstützung der Belange von Menschen mit Behinderung begrüßt in einer Pressemitteilung die Ungleichbehandlung seiner Klientel.[1]

Da rieb ich mir die Augen und fragte nach.

Mein Mail zur Pressemitteilung vom 18. Juni stand im Blog.[2] Es kam keine Antwort. Kann ja mal ein Versehen sein.

Am 11. Juli habe ich nachgehakt: „Da es mancherlei Gründe geben kann, Aufgaben aufzuschieben, schicke ich Ihnen mein Mail noch einmal, bevor ich publiziere, dass der Bundesverband evangelische Behindertenhilfe e.V. eine Regelung begrüßt, die Menschen mit Behinderung zu Menschen zweiter Klasse macht, und das in Euro messbar.“

Ja, es wird ein Versehen gewesen sein. Gleich am 14. Juli kam die Antwort.[3] Die erste beigefügte Pressemitteilung[4] belegt eine Aktivität des BeB am 16.3.2010. Belege für das „Störfeuer“ seitens der Kirchen konnte ich also nicht geben, da war wohl die kobinet-info[5] falsch. Immerhin haben, wenn nicht „die Kirchen“, so doch der BeB rechtzeitig Laut gegeben. Das habe ich ihm auch zugestanden.[6]

Doch ich hatte noch mehr gefragt und schrieb:

»Das gleiche Recht auf Anerkennung bedeutet aber offensichtlich nicht das gleiche Recht auf finan­zielle Zuwendung für die Heimkinder aus den Kinderpsychiatrien u.ä.. »Was die Benachteili­gung der Heimkinder aus den Kinderpsychiatrien u.ä. betrifft, so haben mich Ihre Argumente in keiner Weise überzeugt«[7].

»Keine Antwort habe ich von Ihnen erhalten auf die Frage, ob die Einrichtungen für Behinderte, wie sie behaupten, in den Heimkinderfonds eingezahlt haben, obwohl der für diese Gruppe nicht zuständig ist, und falls wenn, was aus diesen Geldern geworden ist.« Und schließlich: »Sie sehen, dass auf einen Verband, der die Regelung für die Heimkinder mit Behinderung aus den Behindertenheimen begrüßt, unangenehme Fragen zukommen, die er um seiner eigenen Glaubwürdigkeit willen beantworten sollte – oder aber diese Regelung öffentlich und nachhaltig kritisieren.«

Die Antwort kam am 2.8.: »Sehr geehrter Herr Schäfer, ich bitte um Nachsicht, dass ich nicht so prompt und ausführlich antworte, wie Sie es vielleicht erwarten, aber ich habe noch andere Aufgaben zu erledigen. Unter anderem laufen derzeit parallel drei Gesetzgebungsverfahren, bei denen wir uns einbringen, um die aktuellen Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung zu verbessern. Umgekehrt haben Sie mir auch keine Belege für das „Störfeuer“ seitens der Kirchen genannt. Und ich habe ohnehin den Eindruck, dass unsere Positionen sehr weit auseinan­derliegen und eine inhaltliche Auseinandersetzung angesichts der doch recht „feststehenden Meinungsbildung“ kaum möglich ist. Da Sie ja zudem meinen, meine PR sei nicht effektiv, sehe ich an dieser Stelle von weiteren Ausführungen ab. Ich darf Sie aber noch darauf hinweisen, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit des BeB in erster Linie an unsere Mit­glieder, an andere Verbände, die Politik sowie eine Fachöffentlichkeit richtet. Einzelpersonen sind in der Regel nicht unsere Adressaten. Mit freundlichen Grüßen Thomas Schneider«

Helmut Jacob erhielt gleichzeitig auch eine Antwort auf seine Fragen. Man vergleiche:[8]

 

Ein Resümee:

  1. Die Haltung des BeB ist erbärmlich. Er verrät seine Klientel, die Menschen mit Behinderung. Er mag ja begrüßen, dass es nun nach so vielen Jahren überhaupt Zahlungen geben soll. Doch wie steht es mit seiner Kernaufgabe? Er kritisiert eben nicht die Verletzung des Gleichbehandlungsgrundsatzes.
  2. Herrn Dr. Schneider wurden von mir, wie auch von Herrn Jacob, Argumente vorgetragen.[9] Aber er kneift und macht ansonsten PR für seinen Verband. Auch dies ist erbärmlich. Was soll man von einem Pressesprecher halten, der zuständig ist für „Politische Kommunikation/PR“, aber sich nicht in der Lage sieht – oder nicht willens ist argumentativ auf Positionen einzugehen die „sehr weit auseinander­liegen“? Ich verstehe schon: Genau das ist Politische Kommunikation.
  3. Erbärmlich ist auch die oberflächliche Abwimmelung seiner Gesprächspartner, wenn er uns überhaupt als Partner akzeptiert haben sollte. Der auch zum Schluss wieder­holte Vorwurf, keine Belege für das „Störfeuer“ seitens der Kirchen genannt zu haben, war gegenstandslos, nachdem ich seinen Beleg anerkannt hatte.
  4. Ob die Selbstbescheidung auch erbärmlich ist, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit des BeB in erster Linie an unsere Mitglieder, an andere Verbände, die Politik sowie eine Fachöffentlichkeit richtet, will ich nicht beurteilen. Der illustre Verband wird jedenfalls nicht in der Bundestagsliste der Lobbyisten aufgeführt.[10] So frage ich mich, wofür wird der Kommunikator bezahlt und von welchen Geldern?

Bis Ende August ist er im wohl verdienten Urlaub.

Danach kann man ihm schreiben: schneider@beb-ev.de

Ich werde ihm nur den Link zu diesem Post schicken, auch wenn’s vergeblich sein wird, da »unsere Positionen sehr weit auseinanderliegen und eine inhaltliche Auseinandersetzung angesichts der doch recht „feststehenden Meinungsbildung“ kaum möglich ist.«

 

Fußnoten

Für die Fußnoten muss ich mich diesmal entschuldigen. Sie kamen zusammen, um die vielfachen Mails in ihrer Argumentation verständlich zu machen. Man sollte sie lesen.

[1] http://beb-ev.de/inhalt/bundesverband-evangelische-behindertenhilfe-begruesst-errichtung-der-stiftung-anerkennung-und-hilfe/ zuletzt eingesehen: Mittwoch, 3. August 2016

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/18/bundesverband-evangelische-behindertenhilfe-begruesst-errichtung-der-stiftung-anerkennung-und-hilfe/ zuletzt eingesehen: Mittwoch, 3. August 2016

[3] Sehr geehrter Herr Schäfer, Ihre Mail vom 18. Juni habe ich leider nicht erhalten. Anbei übersende Ihnen beispielhaft eine Pressemitteilung des BeB vom 18.03.2010 sowie eine gemeinsame Pressemitteilung mit der Diakonie Deutschland vom 24.11.2014. Aus beiden sollte hervorgehen, dass das Engagement des BeB in dieser Sache schon einige Jahre zurückreicht und wir uns sehr deutlich für das gleiche Recht auf Anerkennung für Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die als Kinder und Jugendliche in Heimen Unrecht und Leid erfahren haben, eingesetzt haben. Darf ich umgekehrt fragen, welche substantiellen Belege es für das „Störfeuer“ seitens der Kirchen gibt? Was die Unterstützungsleistungen betrifft, ist zu berücksichtigen, dass bei der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ ein gegenüber dem Fonds Heimerziehung deutlich vereinfachtes Antragsverfahren vorgesehen ist. Bei den Rentenersatzleistungen sind zum einen die unterschiedlichen Rentenregeln für Menschen mit Behinderung, zum anderen die Tatsache, dass es sich bei den von Ihnen genannten 25.000 Euro um einen Höchstbetrag handelt und der Durchschnitt deutlich darunter liegt, zu bedenken. Im Übrigen verweise ich auf die Informationsveranstaltung des BMAS, die am 15. Juli (also morgen) stattfinden wird. Mit freundlichen Grüßen – Thomas Schneider

[4] http://beb-ev.de/inhalt/beb-bedauert-unrecht-und-leid/ Dort wird auch auf zwei weitere Pressemitteilungen aus dem Jahr 2014, aus 2010 verlinkt.

[5] http://www.kobinet-nachrichten.org/de/1/nachrichten/33971/Gleichbehandlung-sieht-anders-aus.htm

[6] Mein Mail vom 21.7. „Sehr geehrter Herr Dr. Schneider, vielen Dank für Ihre Antwort! Was das „Störfeuer der Kirchen“ betrifft, haben Sie mich mit Ihrer Pressemitteilung vom 24.11.14 überzeugt: »Die Diakonie Deutschland und der Bundes­verband evangelische Behindertenhilfe (BeB) setzen sich seit langem mit Nachdruck dafür ein, dass auch Menschen mit Behinderung oder psychischer Erkrankung, die als Kinder und Jugendliche in Heimen Unrecht und Leid erfahren haben, das gleiche Recht auf Anerkennung bekommen.«“

[7] Auf die in der kobinet-info vorgestellte Vergleichsrechnung war er nämlich nicht eingegangen, sondern hatte das „vereinfachte Verfahren“ gelobt.

[8] Sehr geehrter Herr Jacob, ich bitte um Verständnis, dass ich nicht jede Ihrer Fragen sofort beantworten kann, aber ich hatte in den letzten Wochen noch andere Aufgaben zu erledigen. Unter anderem laufen derzeit parallel drei Gesetzgebungsverfahren, bei denen wir uns einbringen, um die aktuellen Lebensbedingungen von Menschen mit Behinderung zu verbessern. In meiner letzten Mail schrieb ich Ihnen bereits, dass die gemeinsame Arbeitsgruppe aus Bund, Ländern und Kirchen beim BMAS am 15. Juli erneut tagen und die genauen Regelungen der Stiftung „Anerkennung und Hilfe“ beschließen würde. Wenn die Stiftung errichtet wird, wird es sicherlich auch eine Begründung für die gefundenen Lösungen und die Höhe der finanziellen Leistungen geben. Umgekehrt haben Sie mir auch keine Belege für das „Störfeuer“ seitens der Kirchen genannt. Da ich ohnehin den Eindruck habe, dass unsere Positionen sehr weit auseinanderliegen und eine inhaltliche Auseinandersetzung angesichts der doch recht „feststehenden Meinungsbildung“ kaum möglich ist, würde ich an dieser Stelle von weiteren Ausführungen absehen. Mit freundlichen Grüßen – Thomas Schneider

[9] Fußnoten scheint er souverän nicht zur Kenntnis zu nehmen. Darin gleicht er Herrn Kronschnabel, der schreibt: „Lieber Herr Schäfer, wenn ich auf Ihre Fußnoten nicht eingehe, dann hat das seine Gründe, die in der Abgebrühtheit der Kirchenfürsten zu finden sind. Ich müsste ja versuchen, mit diesen Typen, die jegliche Menschlichkeit gegenüber ihren Opfern vermissen lassen, von Mensch zu Mensch zu sprechen.“ [ https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/28/auge-um-auge-fuer-den-rechtsfrieden/#comment-7546 ]. Herrn Kronschnabel sehe ich das nach, Herrn Dr. Schneider nicht.

Herrn Dr. Schneider hatte ich geschrieben: »Nur weil es Ihrem Mail beigefügt war: In Ihrer Pressemitteilung vom 16.3.10 erwähnen Sie Volmarstein positiv. Das sehen die Betroffenen anders [ http://www.gewalt-im-jhh.de/hp3/Webmaster_privat_-_Private_Ver/Eingelullt_und_abgehakt_-_Wie_Tatervertreter_ihre_Heimopfer_abservieren_wollen.pdf . (Hier funktioniert der Link zur Fußnote 6 nicht, man nehme dafür: http://www.amazon.de/gp/aw/cr/rR14IRR5OXWWI01 ], wenn sie auch konzedieren, dass Volmarstein sich in Einzelfällen großzügig erweist – doch das sind keine Präzedenzfälle. Almosen sind nicht einklagbar. Sie begrüßen die kritische Aufarbeitung in den Einrichtungen und nennen als positives Beispiel den Wittekindshof. [ https://dierkschaefer.wordpress.com/2012/04/24/sulze/ ]. Das sehe ich anders. Die Wissen­schaftler, voran Schmuhl/Winkler arbeiten sich zwar tapfer und untadelig durch die diversen Heimgeschichten, meist jedoch eingebettet in jeweilige Firmenjubiläen. [Sie sind leider auch keine Psychologen, wie mir Frau Dr. Winkler sagte, und darum nicht in der Lage Psychogramme der Gründer bzw. Leiter dieser Einrichtungen zu erstellen: Leider können sie auch nicht auf die damaligen theologischen Motive eingehen. Dafür habe ich Verständnis, wenn ich sehe, wie meine Kollegen sich um diese Fragen drücken.] Die dicken Forschungsbände ergeben viele – auch entlastende – Aufschlüsse, doch das Vorwort schreibt der Leiter der jeweiligen Einrichtung, was meist zu durchaus zerknirschten Betroffenheits­formulierungen führt, doch einhergeht mit Relativierungen unterschiedlicher Art, um schließlich einen positiven Ausblick auf die nunmehr doch völlig anderen Lebensbedin­gungen in den Heimen zu geben. Echt PR! Damit meint man meist seine Schuldigkeit getan zu haben. Nur durch ihr Vorhandensein halten Jubiläumsbände in der Bibliothek allerdings die Geschichte nicht präsent. Es geht ohnehin nicht um die bloße Geschichte, sondern um das Verständnis dessen, was pädagogisch, theologisch, organisatorisch und rechtsbeugend zu Demütigung, Ausbeutung, Misshand­lung und auch Missbrauch geführt hat. Erst wenn diese Aspekte fest in den Curricula der Studien- und Ausbildungsgänge verankert sind, erst wenn die Heimaufsicht, intern wie extern, ihren Namen verdient, dann ist man dabei, mit der Vergangenheit konstruktiv umzugehen. Eine effektive Heimaufsicht hat allerdings auch heute kaum Chancen. [Die shz.de benennt dafür: „AWO, DRK, Diakonie & Co.“ Link unter https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/06/24/die-zahnlosigkeit-der-gesetze-zum-recht-von-schutzbefohlen/ ].

Was die Aufarbeitung der Vergangenheit innerhalb der Einrichtungen betrifft, sind wir – mit wenigen Ausnahmen, und trotz aller wissenschaftlichen Bemühungen – noch weit entfernt. In Himmelsthür [https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2015/01/rezension-himmelsthc3bcr.pdf ] hängen immer noch die Porträts der Leitungsdynastie unkommentiert in der Direktionsetage, was besonders im Fall des letzten Vertreters dieser Dynastie auf massives Unbehagen stößt, wie mir eine Ehemalige nach einem dortigen Besuch empört mitteilte. Die Einrichtungen für Menschen mit Behinderung haben sich lange gewunden, für ihre Ehemaligen überhaupt Leistungen zu erbringen. Haben sie aus den Vorgängen um die ehemaligen Erziehungs­zöglinge etwas anderes gelernt als Hinhaltetaktik und pure Symbolik? Wie verbleiben wir, sehr geehrter Herr Dr. Schneider? Ich würde gern über Ihren Verband positiver berichten wollen als ich es nach Ihrer ersten Antwort kann. Geben Sie mir wohl noch eine zweite Antwort, in der Sie offen auf die kritischen Fragen eingehen? Mit freundlichem Gruß – Dierk Schäfer.

[10] https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2016/08/diese-lobbyisten-haben-zugang-zum-bundestag.pdf

Auge um Auge für den Rechtsfrieden?

Posted in heimkinder, Kinderheime, Kindeswohl, Kirche, kirchen, Kriminalität by dierkschaefer on 28. Juli 2016

Zunächst ging es um Hass, allgegenwärtig in den „sozialen“ Medien, so auch in meinem Blog.[1]

Ein Kommentator tat unschuldig: »Was ist falsch an meinen Aussagen? Die Diakonie belegt doch immer noch und immer wieder genau das, was ich ihr vorwerfe.«

Dabei hatte ich seine Sachaussagen nicht bezweifelt und lediglich auf seine (verständliche) Voreingenommenheit hingewiesen.

„Hass ist eine menschliche Emotion scharfer und anhaltender Antipathie“ zitiert er aus einem früheren Post von mir[2], in dem ich, wie auch im aktuellen, begründeten Hass als legitim bezeichnet hatte. Dort hieß es aber auch: »Dennoch darf ich darauf hinweisen, dass Hass blind macht.« Diesen Gedanken hatte ich im neuen Post aufgegriffen. Er antwortet, o Wunder, mit einer biblischen Begründung: »Ich berufe mich auf das Alte Testament: „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, heißt es da (lassen Sie das streichen, wenn es falsch ist!). Genau danach handele ich!«

Aber nein, warum sollte ich das streichen wollen. Das ius talionis[3], das Vergeltungsrecht ist ein juristischer Fortschritt gewesen. Es hat den Vergeltungsexzess, die Blutrache[4] eingehegt und Rechtsfrieden ermöglicht.[5] Es war eine logische Entwicklung, dass dem Geschädigten eine Sachentschädigung für sein ausgeschlagenes Auge wichtiger war als das Auge des Gegners.

Nun ist mir der Kommentator bekannt als verbal-rücksichtsloser und damit erfolgreicher Vertreter der Interessen von ehemaligen Heimkindern. Ich schätze das an ihm.[6] Würde er das nur rein instrumental machen, wäre er ein ausgebuffter Verhandlungspartner, der – wenn er denn Rachegefühle hat – seine Rache kalt genießt[7]. Tut er aber nicht. Auch das sei ihm zugestanden. Nicht nur weil sein Hass legitim ist, sondern auch, weil er nicht dafür verantwortlich ist, dass eben kein Rechtsfriede[8] erreicht wurde. Es gab keinen fairen Vergleich, keine halbwegs angemessene Entschädigung. Die Täternachfolger konnten frohlocken so billig davongekommen zu sein. So bleibt den ehemaligen Heimkindern nur das Lecken ihrer Wunden oder aber der gedankliche und der verbale Vergeltungsexzess.

Schade. Die einen sind verstummt und die wenigen anderen schlagen wild um sich und sind unfähig, nur ganz gezielt zuzuschlagen. Wer nicht in der Lage ist, zu differenzieren und auf Argumente einzugehen, macht es seinen Gegnern leichter als sie es verdienen.

Mein Kommentator hatte sehr schnell kommentiert. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er meinen Post mit all seinen Fußnoten gelesen hat. Wir mögen uns zwar beide, aber ich fürchte, dass für ihn auch bei meinen Beiträgen gilt: »Es ist die Mühe nicht wert, Ihren PR-Artikel ernsthaft zu zerlegen.« Er ging auch jetzt auf keines meiner Argumente ein.

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/07/27/ecrasez-linfame-hasskommentare-meinem-blog/

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/01/14/hass-ist-eine-menschliche-emotion-scharfer-und-anhaltender-antipathie/

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Talion

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Blutrache#Archaische_Wurzeln

[5] Ein interessanter theologischer Gedankengang dazu: http://www.christundwelt.de/detail/artikel/warum-es-die-hoelle-nicht-geben-darf/

[6] https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/05/27/rotzfrech/

[7] Was sonst als unschöner Charakterzug zu bewerten wäre, ist in solchen Fällen zugestanden, wäre in dieser „abgespeckten“ Form des Hasses auch aus psychohygienischen Gründen zu empfehlen. http://www.pressenet.info/beratung/kaltschale.html

[8] https://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsfrieden

Écrasez l’infâme! – Hasskommentare meinem Blog

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinderheime, Kirche, kirchen, Theologie by dierkschaefer on 27. Juli 2016

An der Kirche darf man kein gutes Haar lassen. Wer sie als infam erlebt und erlitten hat, wird Voltaire[1] auch ohne philosophischen Hintergrund zustimmen.

Darum lösche ich Hasskommentare meist nicht.

 

  • Ich habe gelernt, dass Hass unter Umständen nicht nur verständlich, sondern auch berechtigt ist.[2]
  • Die meisten Kommentatoren mit hate-speech im Blog haben verständliche Gründe für ihren Hass.
  • In der Regel wird nicht zu strafbaren Handlungen aufgerufen– falls ja, wird gelöscht.
  • In der Regel werden einzelne Personen nicht diffamiert, aber heftigst und begründet  kritisiert– pure Diffamierungen werden gelöscht.

 

Aber die Kommentatoren müssen es erdulden, dass ich zuweilen mit Differenzierungen antworte, obwohl ich es eher für chancenlos halte, damit Meinungsänderungen zu versachlichen, hieß es doch zu einem Beitrag pauschal ablehnend: »Es ist die Mühe nicht wert, Ihren PR-Artikel ernsthaft zu zerlegen.«[3]

 

  1. Der Hass gilt meist besonders den Kirchen und ihren Einrichtungen, denn dort wurden die traumatischen Erfahrungen gemacht und viele Lebensläufe nachhaltig geschädigt. Die Kirchen waren auch am großen Betrug am Runden Tisch beteiligt, ein Komplott zur Verhinderung von Entschädigungsforderungen der ehemaligen Heimkinder.[4] Dass das deutsche Entschädigungsrecht insgesamt eher abweisend und versicherungs­freund­lich ist, entschuldigt die Kirchen nicht. Sie könnten ja anders, wenn sie wollten.
  2. An diesem Komplott waren nicht nur die Kirchen beteiligt, sondern auch die Bundes­länder. Sehr aufschlussreich war das Verhalten des Ländervertreters bei der Vorstel­lung des Zwischenberichts vom Runden Tisch. Dies entschuldigt die Kirchen nicht, sie segelten bequem und wohl in der Selbsteinschätzung moralfrei im Kielwasser der Länder. Doch auf die Kirchen lässt sich leichter einschlagen als auf die Länder, weht ihnen doch ohnehin der Säkularwind ins Gesicht.
  3. Die Schlacht gegen die Kirchen und ihre Einrichtungen wird ausgedehnt auf die heu­tigen Einrichtungen von Diakonie und Caritas. Das ist eine Generalisie­rung der Hassgefühle.Was wird moniert? Dass diese Einrichtungen mit den Hilfebedarfen der Menschen Geld verdienen – und (zum Teil) nicht leisten, was zu ihren bezahlten Aufgaben gehört. Solche Vorwürfe sind nach meiner Erfahrung oft durchaus berechtigt, bedür­fen aber der Aufklärung im Einzelfall. Aber auch hier wird nicht gesehen, dass alle sozialen Einrichtungen, auch die „weltlichen“ in gleicher Weise angreifbar sind.[5] Dass Dienstleistungen Personal erfordern und Geld kosten, wird nicht immer anerkannt.[6] Auf jeden Fall, meinen manche, sollten die Kirchen nicht für EUR, sondern für „GL“ arbeiten, für Gotteslohn. Zugleich wird aber das kirchliche Arbeitsrecht moniert und es werden gewerkschaftsverhandelte Tarife eingefordert.[7] + [8]
  4. Es wird nicht zugestanden, dass große Organisationen, und zwar alle, schon aus Gründen des Selbsterhalts wirtschaftliche Interessen verfolgen und Strukturen haben, die machtgeprägt sind. Zurecht wird beklagt, dass das Leitbild oft nur PR ist, compliance[9] nicht ernst gemeint und der Einzelfall nicht zählt. Ich will jetzt nicht all die großen Firmen auflisten, die in der letzten Zeit durch hoch­kriminelle Machenschaften aufgefallen sind – und wer sich bei Interessenver­bänden umschaut und dort mit einfachen Beschäf­tig­ten spricht, wird erfahren, dass es auch dort – wenn auch nicht unbedingt kriminell zugeht, es aber doch auch in negativer Weise menschelt. Haben Sie schon einmal versucht, berechtigte Forderungen bei Ihrer Versicherung durchzusetzen? Die spricht aber gern von der „Versichertengemeinschaft“.[10] Dies alles entschuldigt die Kirchen nicht, zeigt, dass auch sie ein „weltlich“ Ding sind, keine „heilige Kirche“[11]. Selbst Kardinal Lehmann sprach von der Sündigkeit der Kirche[12], für einen Katholiken, noch dazu in diesem Rang, ein „unerhörtes“ Eingeständnis.
  5. Thema sind auch immer wieder Zwangsmitgliedschaft und Kirchensteuer »Die Trennung von Kirche und Staat wird nicht gelebt hinsichtlich der Zwangseintreibung der Kirchensteuern.«[13] Ich kann es nicht mehr hören. Niemand muß Mitglied bleiben, jeder kann austreten. Allenfalls Beschäftigte im Sozialbereich haben Grund zur Klage. Bei der starken Marktstellung der kirchlichen Sozialkonzerne muss mancher wider Willen Mitglied bleiben oder werden. Wie ist das mit anderen geschriebenen oder ungeschriebenen Verpflichtungen? Bei einer Gewerkschaft beschäftigt, aber kein Mitglied? Bei VW arbeiten und Opel fahren? Ich vermute, dass ADAC-Mitarbeiter dort auch Mitglied sind. Man muss schon dazu stehen – was im Einzelfalle wurmt und Geld kostet. Und die Zwangstaufe? – oft verbunden mit der Beschneidungsdebatte. Klar, kleine Kinder werden getauft. Das können sie im Gegensatz zur Beschneidung rückgängig machen: sie können einfach austreten.[14] Die Austrittsgebühren? Ich habe Anfang des Jahres einem meiner Kinder selbstverständlich die Gebühren erstattet nach dem Prinzip der Verursacherhaftung. Damit auch der Punkt der Kirchensteuererhebung klar ist: Was manche nicht wissen wollen: Die Kirchen zahlen für den Service des Staates, und zwar mehr, als es ihn in Zeiten der elektronischen Datenverarbeitung kostet. Wie gesagt: Ich kann die Jammerei nicht mehr hören.
  6. Nicht zu den Hasskommentaren gehören weltferne Träumereien. Sie sollen aber hier genannt werden. So fordert ein Kommentator mehrfach, Kinderheime sollten abge­schafft werden. Kinder gehörten in Familien oder allenfalls in ein SOS-Kinderdorf. Klar, wer damals in einem Kinderheim war, ist gebranntes Kind. Auch in Familien gibt es gebrannte Kinder, die darum – meist aus gutem Grund – „in Obhut“ genommen werden. Das geht zuweilen nicht gut. Jugendämter arbeiten nicht immer evidenz­basiert. Da gibt es viel sachlich zu kritisieren. Aber die Betreiber von Einrichtungen haben ihren Bereich in unverschämter Weise rechtlich gut abgesichert – eine inhaltliche Fachaufsicht ist kaum möglich.[15] Auch Jugendämter haben keine Fachaufsicht. Dennoch: Wohin mit Kindern und Jugendlichen, deren Wohl in ihrer Familie gefährdet ist? Das Arbeits(zeit)modell der SOS-Kinderdörfer ist sicherlich kinderfreundlich. Doch es gibt bestimmt nicht genug „Kinderdorfmütter“ (neuerdings dürfen sie auch einen Partner haben) für diese entsagungsreiche Aufgabe. Ohnehin lohnt ein Blick ins Internet.[16] Bleiben noch die Pflegefamilien, doch die sind nicht immer besser als die Herkunftsfamilien der Kinder.[17]

 

Was die Kirchen an den Heimkindern verbrochen haben, hat auch eine theologisch zu fassende Problematik. Der Homo incurvatus in se ipsum, „der auf sich selbst verkrümmte Mensch“, ist eine prominente Formel der christlichen Theologie. Sie kennzeichnet die Selbstbezogenheit des Menschen anstelle von Gott- und Nächstenbezogenheit als das Wesen der Sünde.[18] Als Selbstbezogenheit ist auch als eine geradezu manische Bezogenheit auf die eigene Vergangenheit zu sehen, über die viele ehemalige Heimkinder nicht hinwegkommen. Diese Sünde ist den Kirchen und ihren Tätern anzulasten, nicht ihren Opfern.

Aber ich habe den Eindruck, unseren Kirchenvertretern ist das schnurzegal.

[1] Unter dem „Infamen“, dem Niederträchtigen, dem Schimpflichen, das es zu zerschmettern galt, verstand der Aufklärer Voltaire das inquisitorische „Bündnis von Thron und Altar“, die Verschmelzung von „Dogma und Schwert“. Voltaires Signatur «écrasez l’infâme» wird zum Fanal des vorrevolutionären Feldzugs der Aufklärer für Meinungsfreiheit, Rede- und Publikationsfreiheit, Toleranz und Humanität. https://de.wikipedia.org/wiki/%C3%89crasez_l%E2%80%99inf%C3%A2me

[2] http://www.gottes-suche.de/7.2.1.Rezension%20Pfarrer%20Sch%C3%A4fer.html

[3] Kommentar zu https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/04/21/sechs-jahre-brauchte-die-ekd-um-herrn-frerk-kompetent-zu-antworten/

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/01/03/der-runde-tisch-heimerziehung-ein-von-beginn-an-eingefadelter-betrug/

[5] Nur beispielsweise sei auf den Fall Heinisch verwiesen: https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/07/24/nur-ein-fall-von-meinungsfreiheit/

[6] Auch andere Sozialeinrichtungen erhalten öffentliche Mittel und die Spenden können von der Steuer abgesetzt werden. Beispiel: „Laut den Leistungsberichten der beiden deutschen SOS-Vereine beliefen sich die Einnahmen im Jahr 2012 wie folgt: SOS-Kinderdörfer weltweit:[6] 130 Mio. Euro, SOS-Kinderdorf Deutschland:[7] 119 Mio. Euro aus Spenden, Nachlässen etc., plus 103 Mio. Euro aus Öffentlichen Mitteln.“ https://de.wikipedia.org/wiki/SOS-Kinderdorf#

[7] Wer sich echauffieren will, sollte sich sachkundig machen: https://de.wikipedia.org/wiki/Arbeitsrecht_der_Kirchen

[8] »Die Seminargebühren von Sonntag bis Mittwoch: 600,- Euronen. Ich wollte, ich hätte diese Tagessätze für die Opfer aus den Rippen der Täternachfolger herausschlagen können. Die Diakonie. Ich kann das Wort nicht mehr hören, ich habe die Schn..ze voll von dem elenden Heuchelverein, der immer noch ganz groß im Geschäft mit den Hilflosen ist – und schamlos das macht, was sie immer machte; abkassieren!« Kommentar zu https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/05/19/mit-leib-und-seele-eine-pilgerreise-zu-den-wurzeln-der-pflegediakonie/

Doch nun mal Butter bei die Fische. Drei Übernachtungen im Einzelzimmer mit Sanitäreinrichtung, dazu für zwei Tage Vollverpflegung plus Tagungsprogramm sind nicht billiger zu haben. Für solche Angebote gibt es keine öffentlichen Mittel und sie sind mehrwertsteuerpflichtig. Kürzlich traf ich eine ehemalige Kollegin aus der Boller Akademie. „Ich schicke euch keine privaten Übernachtungsgäste mehr,“ sagte ich, „Ihr seid zu teuer.“ Sie konterte: „Unsere Beschäftigten werden nicht nach dem Gastronomietarif entlohnt. Wir zahlen ordentlich.“ Und ich erinnerte mich: In der Akademie bekam eine Halbtagsmitarbeiterin fast so viel, wie ihr Mann, der in einem nahegelegenen Hotel arbeitete.

[9] https://de.wikipedia.org/wiki/Compliance_(BWL)

[10] »Die EKD ist ein kommerzielles Großunternehmen wie Siemens, Mercedes oder andere auch. Hier geht es um den Profit und nur um den Profit und nichts anderes! Vom deutschen Staat nehmen Ja, aber es auch für all jene Zwecke zu verwenden wie von diesen Herren aufgezählt, bleibt für jeden normal denkenden Bürger zweifelhaft.«

Die kirchlichen Haushalte werden ebenso wie die staatlichen offen ausgelegt. Es gibt Tricks, in Limburg wie auch bei Staats. Dafür sind Rechnungsprüfer da.

[11] »Die deutschen Kirchen sind stark vermachtete und verfilzte Organisationen mit viel Pfründenwirtschaft zur Alimentierung von Funktionären, die gern unter sich bleiben und miteinander in einem verquasten Stammes­idiom kommunizieren, das für Außenstehende unverständlich bleibt – der ideale Nährboden für Schweigekartelle und WagenburgmentalitätDies schreibt Friedrich Wilhelm Graf.  Er schreibt weiter: »Die Kirchen sind hoch narzisstisch und fortwährend auf sich selbst fixiert. Es fehlt ihnen zunehmend an überzeugendem Personal, speziell an gebildeten Führungskräften, sieht man einmal von Karl Kardinal Lehmann und Wolfgang Huber ab. Sie kennen keine diskursive Kultur des offenen argumentativen Austrags interner Konflikte. In Tausenden von Ausschüssen, Kommissionen, Kammern und beratenden Gremien wird viel geredet, aber nichts gesagt und noch weniger verbindlich entschieden. Die eitle Neigung, sich zu allem und jedem zu Wort zu melden, unterminiert die religiöse Glaubwürdigkeit.« http://www.faz.net/s/Rub117C535CDF414415BB243B181B8B60AE/Doc~E1B34F6F7FBC44C9EBB2877C9A10ACA36~ATpl~Ecommon~Scontent~Afor~Eprint.html zitiert nach: https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/04/01/symbolhandlungen-und-ihre-glaubwurdigkeit-%e2%80%93-und-die-opfer-zweiter-klasse/

[12] Und eines ist ganz neu: Er spricht nicht nur von über Heiligkeit der Kirche, sondern auch von ihrer und Sündigkeit. Zitiert nach: https://dierkschaefer.wordpress.com/2010/04/01/symbolhandlungen-und-ihre-glaubwurdigkeit-%e2%80%93-und-die-opfer-zweiter-klasse/

[13] Kommentar zu https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/04/21/sechs-jahre-brauchte-die-ekd-um-herrn-frerk-kompetent-zu-antworten/

[14] »Aus theologischer Sicht gibt es eigentlich gar keinen Kirchenaustritt. Das bedeutet, wer getauft ist, der bekommt damit ein unauslöschliches Prägemal, das auch nicht wieder auszuwischen ist. Selbst wenn man exkommuniziert ist, bleibt man eigentlich katholisch.« https://www.domradio.de/themen/glaube/2016-07-19/eine-erklaerung-der-exkommunikation-der-katholischen-kirche  Da es eine theologische Sicht ist, wird diese dem Austretenden schnurzegal sein.

Laut dem Humanistischen Pressedienst (hpd) ist allerdings eine „Enttaufung“ möglich: http://hpd.de/node/10444. Das hat mich sehr amüsiert. Denn wer den „Debaptiser 2010 / erisgeengod“, ein simpler Haarfön, (Photo beim hpd), erwirbt und meint, damit Gottes Segen unwirksam machen zu können, braucht schon einen festen Glauben.

[15] https://dierkschaefer.wordpress.com/2015/06/24/die-zahnlosigkeit-der-gesetze-zum-recht-von-schutzbefohlen/

[16] Erfahrungsberichte von Mitarbeitern: mangelndes Leadership, Mitarbeiter motivieren sich selbst! https://www.xing.com/companies/soskinderdorf/reviews , http://www.eltern.de/foren/jobsuche-bewerbungstipps/819890-sos-kinderdorfmutter-vater.html

[17] Es sei ein Urteil in Erinnerung gerufen, das Rechtsgeschichte geschrieben hat.[17] Wegen Paparazziphotos wurden Alexandra, der Tochter der Prinzenfamilie aus Monaco, 76.693,78 Euro zugesprochen. Die kleine Prinzessin hatte klagemächtige Eltern. [http://www.shortnews.de/id/456280/Tochter-von-Caroline-von-Monaco-erhaelt-hohe-Summe-Schmerzensgeld zuletzt aufgerufen: Sonnabend, 9. Juli 2016] Die hatte Andreas aus dem Rems-Murr-Kreis nicht. In seiner Pflegefamilie wäre er fast verhungert, so wie sein Bruder. In zweiter Instanz wurden ihm 25.0000 Euro Schmerzensgeld zuerkannt. [http://www.spiegel.de/panorama/haft-sie-liessen-ihr-pflegekind-verhungern-a-29389.html http://www.sueddeutsche.de/panorama/urteil-misshandeltes-pflegekind-erhaelt-schmerzensgeld-1.923588 zuletzt aufgerufen: Sonnabend, 9. Juli 2016]

[18] https://de.wikipedia.org/wiki/Incurvatus_in_se

Voller Zorn und voller Scham

Sehr gut auf den Punkt gebracht wird mit dieser Überschrift die Lage der ehemaligen Heimkinder, in diesem Fall in Korntal.

Die Brüdergemeinde in Korntal bei Stuttgart war schon mehrfach Thema in diesem Blog.

Die Hängepartie dauert an. Da ist die Rede von Gesprächsangeboten »der verantwortlichen Brüder, … in E-Mails versprochen, die aber nie Wirklichkeit wurden. „Das ist wie früher in Korntal, außer leeren Versprechungen ist nichts gewesen.“«

Wenn da nicht der Korntaler Anspruch wäre, besonders fromm zu sein. Doch vielleicht ist das der Grund, der Realität auszuweichen. Angemessene Konsequenzen kosten nicht nur Geld, sondern Einbußen am überhöhten Selbstbild. „Der Hauptpunkt von Korntal sind für mich die unendlichen Demütigungen, Missachtung und Nichtbeachtung, das ,Nichtsehen’ der Kinder. Du kennst ja als Mutter, wie das wichtig ist für die Kinder, dass sie den ,Glanz im Auge der Mutter’ erfahren. Aber wenn ich an die ‚Schwarzen Raben’ (= schwarz gekleidete Diakonissen) im Kleinen Kinderheim denke, erinnere ich da nur Dunkles, Ungeduldiges und ,Schwarzes’ in ihren Augen. Der seelische Missbrauch ist schon unerträglich. Wie schlimm ist dann erst der körperliche??!!!“.

Da meinet man demütig sein zu müssen vor seinem Gott und hat es mit Demütigungen verwechselt.

Alle Zitate aus: http://www.kontextwochenzeitung.de/gesellschaft/276/voller-zorn-und-voller-scham-3757.html?pk_campaign=KONTEXT-per-EMail&pk_kwd=Ausgabe-276

 

Kein Wort über Prügelexzesse, kein Wort über sadistische Foltermethoden

… in der Erziehung von Kindern in kirchlichen Einrichtungen.

  • Kein Wort über Vertuschung oder gar gerichtliche Drohungen gegen die Opfer.
  • Kein Wort über die Leibfeindlichkeit, die bis heute Sexualität stigmatisiert, soweit sie nicht im Rahmen katholischer Sexualethik stattfindet.

Wohl Worte über das überforderte, fachlich nicht ausgebildete Personal der damaligen Zeit, aber …

  • kein Wort zu deren katholisch konditionierten Lebensbedingungen, die vielfach von falschem Gehorsam und unterdrückten Sexualwünschen durchtränkt waren. Darum …
  • kein Wort über Prügelnonnen, die Stöcke und Kleiderbügel auf dem Rücken der Heimkinder zerschlugen, …
  • kein Wort über notgeile Priester und Mönche,
  • kein Wort über Pädophilie.
  • Kein Wort über die finanziellen Interessen, die dazu führten, normale Kinder für schwachsinnig zu erklären, damit Heimplätze in den Behinderteneinrichtungen belegt werden konnten.
  • Kein Wort über Kinderarbeit.

Das war alles viel zu schmutzig, um es in den Mund zu nehmen.

 

Natürlich war die Tagung für ehemalige Heimkinder der Behindertenhilfe und Psychiatrie und die interessierte Fachöffentlichkeit am 23. Juni 2016 in Berlin kein Hochamt für die Kirchenvertreter. Doch man folgte den eingefahrenen Gleisen:

  • Keine Drastik,
  • Verweis auf die damaligen Verhältnisse,
  • auf allgemein tolerierte Gewalt in der Erziehung.

Immerhin wurde zugegeben, dass es auch damals andere fachliche Meinungen über Kindererziehung gab.

Natürlich wurde das „Nie wieder“ bemüht, um zugleich auf die heutige, völlig andere Situation in den Einrichtungen zu verweisen.

Kein Wort auch über die aktuelle Benachteiligung von Menschen mit Behinderung, für die nun weniger Mittel bereitgestellt werden, als für die ehemaligen Heimkinder aus den Erziehungsheimen – wobei ironischerweise der Fonds Heimerziehung als erstrebenswertes Ziel erscheint.

Peter Henselder hat Teile der Tagung in bewährter Art filmisch dokumentiert. Man muss ihm dankbar sein, denn er liefert ein Nischenprodukt, das die Öffentlich-Rechtlichen mangels hinreichender Einschaltquote meiden. Er liefert auch zwei Interviews in seiner unnachahmlichen eher hölzernen Befragungsart. Doch er gibt seinen Partnern nur Anlass, das schon im Vortrag Gesagte in aller Beschwichtigung zu wiederholen.

Er unterlässt es, nach den Knackpunkten zu fragen:

  • Warum die Ungleichbehandlung?
  • Warum so spät?
  • Wer ist dafür verantwortlich?

Auf solche Interviews kann ich verzichten!

 

Letztlich ein déjà vu – wie beim der Affäre des Runden Tisches. Die katholische Tagung weckt in mir ungute Träume: https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/01/traumhaft/

Evangelischerseits sieht das nicht besser aus: https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/18/bundesverband-evangelische-behindertenhilfe-begruesst-errichtung-der-stiftung-anerkennung-und-hilfe/

Wer sich ein eigenes Urteil bilden will, hier die Links zu einigen Dokumenten der genannten Tagung:

https://www.youtube.com/channel/UC6FCy2mMqY3bxdvdIWnxX_g/videos?shelf_id=0&sort=dd&view=0

https://www.youtube.com/watch?v=AsOqREjzRx8

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=7y2ypV-0aGw

https://www.youtube.com/watch?v=KBhwgyob1Ho

http://www.orden.de/dokumente/Presseordner/heimkinder_juni_2016/2016-Vortrag-Kard.Woelki_Tagung.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=RFIj4Rejz-Y

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=RF1R1F-UYXA

http://www.sozial.de/index.php?id=37&tx_ttnews%5Btt_news%5D=27994&cHash=74f2b86b2965245271f455177083c325

https://www.youtube.com/watch?v=qDqPSFdqZTA

http://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/diverse_downloads/presse_2016/2016-113c-Statement-Stuecker-Bruening.pdf

https://www.youtube.com/watch?v=x93vCbnhwio

https://domforum.de/news/Gewaltx_Missbrauch_und_Leid_an_Behinderten_zwischen_1949_und_1975/

 

 

 

 

Ist es legitim, die Obszönitäten von Kronschnabel mit Bonhoeffer in Verbindung zu bringen?

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinderheime, Kirche, Uncategorized by dierkschaefer on 28. Juni 2016

Ja – aber warum?

Die Leser meines Blogs werden aufgemerkt haben, als ich erstmals und ohne weiteren Kommentar einen Text von Erich Kronschnabel auf die Ebene eines förmlichen Blog-Artikels gehoben habe. Lediglich von „Gossensprache“ schrieb ich warnend für empfindliche Gemüter.[1]

Die Obszönität ist bei Kronschnabel die Methode, mit der er die eigentlichen Obszönitäten geißelt: 1. Die Verbrechen an Kindern in kirchlichen Einrichtungen und 2. der Betrug und Heuchelei bei der Verweigerung einer realistischen Entschädigung.

Heinrich Bedford-Strohm, derzeit Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland schreibt über Bonhoeffer:

»Wer fromm ist, muss auch politisch sein: So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen.«[2]

Was hat das mit der Heimkinderfrage zu tun?

Es geht zunächst nicht um die Frage, ob man „dem Rad in die Speichen fallen“ soll. Dieser Wagen, von Staat und Kirchen gesteuert, hat längst seine Opfer hinter sich gelassen. Nun ist das dran, was Bedford-Strohm so kurzweg die zweite Aufgabe nennt: der diakonische Dienst an den Bedürftigen, der ohnehin bleibe. Das ist allzu simpel.

Hier setzt Kronschnabel ein und kommt, sprachlich völlig realistisch, auf die für die Kirchen unbequeme Gegenwart. Es geht eben nicht um Bonhoeffers „Verantwortlichmachung des Staates“, sondern um die der Kirche. Die aber kümmert sich lieber um die „kirchliche Außenpolitik“ und verdeckt damit die interne Fäulnis. Das mit dem Frieden und den Flüchtlingen ist ja richtig und wichtig, doch wenn’s nur zur Camouflage dienen soll, ist’s Heuchelei, naiv oder absichtlich.

Bonhoeffer kann man als Blutzeugen leicht auf den Denkmalsockel stellen, – gut für Sonntagsreden. Doch im Alltag gerät Bonhoeffer der Kirche zur Peinlichkeit. „Von guten Mächten wunderbar geborgen …“ Mir wird so kannibalisch wohl, wenn ich an diesen wohlfeil gebrauchten Trost denke, für den die Kirchen im Unterschied zu Bonhoeffer nicht habhaft einstehen wollen.[3]

Herrn Kronschnabel sei Dietrich Bonhoeffer an Herz gelegt[4] und der Gedanke, dass organisierte Mitmenschlichkeit über die gleichen Probleme stolpern kann, wie sie vielen Organisation eigen sind, die sich am Markt behaupten müssen. Die Organisation läuft und läuft und läuft – zuweilen bis ihre kriminellen Methoden publik werden – und sie läuft dennoch weiter. Oder glaubt irgendjemand, dass VW vom Markt verschwindet?

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/wie-unfein-erich-spricht-klartext-ueber-die-diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/

[2] http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand/komplettansicht

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer

Wie unfein! Erich spricht Klartext über die Diakonie: konzentriert und schlagkräftig

Posted in Ethik, Firmenethik, Kirche, Moral, Uncategorized by dierkschaefer on 27. Juni 2016

Die Leser seien gewarnt. Konfrontiert mit dieser Gossensprache könnten ihre Gefühle verletzt werden – soweit sie es nicht durch die genannten Vorkommnisse sind.

Herr Kronschnabel kommentierte.[1] Hier sein Kommentar:

»Man stößt immer wieder auf Namen, die schon vor Jahren einen üblen Geschmack im Mund verursachten. Damals ging es um die „Entschädigung“ von Sexualopfern in den Amtsbezirken der „Herrschaften“, die hier wieder das große Maul machen, ihre Firmen als das darstellen, was nicht sind, was sie nie waren, was sie nie sein werden. Ich komme gleich zu den damit verbundenen einzelnen Personen.

Beginnen wir mal mit Annette Kurschus, Präses der Landeskirche Westfalen. Anderswo nennt man so eine Tante Bischöfin. Kurschus ist ledig und kinderlos. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass es einfach an ihr abperlte, was ich von ihr forderte: Eine angemessene Entschädi­gung für die Sexualopfer, die die geilen Böcke der damaligen Diakonie hinterließen. Die liebe Annette war sich für eine Antwort zu fein, es war also in ihrem Sinne, dass die sexuell geschän­deten Kinder von damals heute mit 5000,- Euronen abgefertigt wurden. Sie bekamen weniger, als die liebe Annette vom Steuerzahler monatlich in den Hintern geblasen bekommt! Ich stellte ihr daraufhin die Frage, ob sie mir Akten vorlegen könne, aus denen hervorgeht, dass sich die geilen Böcke der Diakonie von damals darüber beschwerten, dass die Heim­kinder ihres Bezirkes schlechter fickten als die der Diakonie-KZs in Niedersachsen!? Die nette Annette schwieg, saß es auf dem vom Steuerzahler gestopften Popöchen aus. SO präsentiert sich ein Präses – wenn er denn Kurschus heisst! Leitbild der Kirche – oder wie nennt man solche Gestalten mit klangvollem Titel?

Dietmar Arends, Landessuperintendent der Lippischen Landeskirche, war damals noch im Gebiet Cuxhaven unterwegs, konnte noch nicht für seine Landeskirche sprechen, als ich grub und anklagte, denn auch die von der Lippischen LK wollten das Sparschwein nicht schlach­ten, sie schlachteten lieber die Sexualopfer. Und heute sagt Arends: „Mit dem neuen Werk können wir den Satzungsauftrag, Gottes Liebe zur Welt in Jesus Christus allen Menschen zu bezeugen, nachhaltig erfüllen“. Na, Meister Arends, die Sexualopfer der Kinderschänder von damals haben von diesem Satzungsauftrag einen Dreck gesehen! Wie wäre es denn, da mal nachträglich für die Erfüllung zu sorgen? Ich weiss, Sprüche gibt’s kostenlos, der Appell an die Menschlichkeit ist sogar kostenlos UND umsonst. Kirche ändert sich nie…da ändern sich nur die Statisten.

Christian Heine-Göttelmann, Vorstand der „neuen“ Diakonie RWL, wird so zitiert: „Wir können nicht erwarten, dass die Politik uns immer mehr Geld für Menschen mit Hilfebedarf gibt. Aber wir erwarten, dass unsere diakonischen Erfahrungen in Beratung und Seelsorge, Therapie und Betreuung ernst genommen werden und konstruktiv einfließen in gemeinsam verantwortete, möglichst zielgenaue Hilfen für Menschen, die unter Ausgrenzung und Benachteiligung leiden.“

Donnerwetter, große Worte, lieber Meister Heine-Göttelmann. Nur kommen die verdammt verlogen und scheinheilig rüber, denn ihr habt euere Altschulden immer noch nicht bezahlt! Die Opfer euerer Firma Diakonie sind immer noch nicht entschädigt! Die behinderten Opfer, die in eueren üblen Pflegeheimen früherer Jahre schikaniert und entwürdigt wurden, warten immer noch auf wirkliche Hilfe und Entschädigung! Ausgrenzung und Benachteiligung habt IHR in eueren Diakonieheimen GEWERBLICH betrieben, wurdet dafür sogar bezahlt!
Und diese euere Erfahrungen wollt ihr schon wieder einfließen lassen? Ihr habt doch erst die Lage geschaffen, die ihr jetzt beheben wollt, ihr habt doch selbst daran mitgewirkt, dass ihr heute euere Opfer von damals in Pflege habt!!! Denkt das mal in die Praxis um, liebe Leute: Ein gewerbliches Pflegeunternehmen beschäftigt ein paar Pfleger, die zahllose Patienten durch mangelnde Pflege so krank machen, dass sie Dauerpflegepatienten werden! Bombenidee zum Betreiben einer lukrativen Pflegefirma, oder?

GENAU DAS SYSTEM BETRIEB FRÜHER DIE FIRMA DIAKONIE! UND SIE VERDIENT IMMER NOCH AN DEN NOCH LEBENDEN BEHINDERTEN, DIE DEN DIAKONIEHEIMEN AUSGELIEFERT SIND!

Richtig, Kotztüten bezieht man am günstigsten von einer Lufthansa-Tochterfirma, die auf Service ausgelegt ist.«[2]

ekronschnabel commented on Diakonie – konzentriert und schlagkräftig

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/

[2] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/#comment-7453