Dierk Schaefers Blog

Heftiger Zoff um Luthers Jahr

Posted in Deutschland, Kirche, Protestantismus, Theologie, Wissenschaft by dierkschaefer on 20. März 2017

Theologie der Wut ist der Artikel in der FAZ überschrieben. »Zwischen Professoren und Kirche eskaliert der Streit über das Reformationsjahr – mit deftigen Worten«[1]

Zwei Göttinger Professoren streiten mit Thies Gundlach, dem Vizepräsidenten des EKD-Kirchenamtes, der kraft sei­ner Funktion nicht selten „Cheftheologe“ der evangelischen Kirche genannt werde. Wie gerechtfertigt diese Zuschreibung auch sei, in seiner Position erweist Gundlach nicht nur der universitären Theologie, sondern auch der Kirche einen Bärendienst.

Der FAZ lag ein Aufsatz vor, der demnächst in der Zeitschrift „Zeitzeichen“ veröffentlicht wird. Darin antworten die beiden Göttinger Professoren, Kaufmann und Laube, »auf eine höchst ungewöhnli­che Attacke Gundlachs in der vorangegan­genen Ausgabe dieser Zeitschrift. Der 61 Jahre alte Kirchenfunktionär hatte darin einen „Ausfall perspektivischer Theolo­gie“ vor der großen 500-Jahr-Feier be­klagt. Der Professorenschaft scheine „ein tragender Gedanke zu fehlen“. Trotz zehn Jahren Vorbereitungszeit fehle ihnen bis heute „eine weiterführende Idee und eine konstruktive Interpretation“ der Reforma­tion. Stattdessen seien sie gefangen in „grummeliger Meckerstimmung“ und „besserwisserischer Ignoranz“.«

Es mag sein, dass gewisse professorale Ehrpusseligkeiten hinzugetreten sind. Doch davon abgesehen: Die Vorwürfe Gundlachs mögen zwar auf richtiger Beobachtung gründen, sie sind aber als Feststellung ein Beleg für die Unabhängigkeit theologischer Wissenschaft von den Kirchen. Sollten die theologischen Fakultäten nach der Pfeife ihrer Kirche tanzen wollen, wäre das das – berechtigte – Ende von Theologie an den Universitäten.

Die FAZ schreibt richtig: »Die Veröffentlichung solcher Vorwürfe ist für einen ranghohen Kirchenfunktio­när ein riskanter Schritt. Gundlach ist lan­ge genug im Geschäft, um zu wissen, dass seine Attacken nicht als fachlicher Bei­trag zur Debatte interpretiert werden, sondern vor der Folie kirchenamtlicher Eingriffe in die Autonomie der Wissen­schaft.«

Dem ist nichts hinzuzufügen.

[1] Alle Zitate aus: Theologie der Wut, Zwischen Professoren und Kirche eskaliert der Streit über das Reformationsjahr – mit deftigen Worten / Von Reinhard Bingener FAZ, Montag, 20. März 2017, S. 3

Ist 2 Jahre her, aber so schön gelogen, dass man’s noch einmal lesen sollte:

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinder, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche, Uncategorized by dierkschaefer on 22. August 2016

Ist es legitim, die Obszönitäten von Kronschnabel mit Bonhoeffer in Verbindung zu bringen?

Posted in Ethik, Firmenethik, heimkinder, Kinderheime, Kirche, Uncategorized by dierkschaefer on 28. Juni 2016

Ja – aber warum?

Die Leser meines Blogs werden aufgemerkt haben, als ich erstmals und ohne weiteren Kommentar einen Text von Erich Kronschnabel auf die Ebene eines förmlichen Blog-Artikels gehoben habe. Lediglich von „Gossensprache“ schrieb ich warnend für empfindliche Gemüter.[1]

Die Obszönität ist bei Kronschnabel die Methode, mit der er die eigentlichen Obszönitäten geißelt: 1. Die Verbrechen an Kindern in kirchlichen Einrichtungen und 2. der Betrug und Heuchelei bei der Verweigerung einer realistischen Entschädigung.

Heinrich Bedford-Strohm, derzeit Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland schreibt über Bonhoeffer:

»Wer fromm ist, muss auch politisch sein: So wie bei Bonhoeffer lassen sich die Aufgaben der Kirche gegenüber Staat und Öffentlichkeit auch heute zusammenfassen. Die erste von Bonhoeffer genannte Aufgabe verstehen wir heute als Kultur der Einmischung. Wenn die Kirchen mit Denkschriften in die demokratische Zivilgesellschaft hineinsprechen, dann geht es genau um das, was Bonhoeffer als „Verantwortlichmachung des Staates“ bezeichnete. Die zweite Aufgabe, der diakonische Dienst an den Bedürftigen, bleibt ohnehin. Dass er heute geleistet wird, zeigt sich, wenn etwa Gemeinden mit großer öffentlicher Zustimmung für den Schutz von Flüchtlingen eintreten. Und die dritte Aufgabe? Was heißt dem Rad in die Speichen fallen? Für Bonhoeffer rückte dies zunehmend ins Zentrum seines Denkens und Handelns. Dass der Imperativ keineswegs nur in der Diktatur gilt, sondern auch in demokratischen Gesellschaften eine Option sein kann, zeigte schon in den frühen achtziger Jahren die Diskussion um gewaltfreien zivilen Ungehorsam gegen die Stationierung von Massenvernichtungswaffen.«[2]

Was hat das mit der Heimkinderfrage zu tun?

Es geht zunächst nicht um die Frage, ob man „dem Rad in die Speichen fallen“ soll. Dieser Wagen, von Staat und Kirchen gesteuert, hat längst seine Opfer hinter sich gelassen. Nun ist das dran, was Bedford-Strohm so kurzweg die zweite Aufgabe nennt: der diakonische Dienst an den Bedürftigen, der ohnehin bleibe. Das ist allzu simpel.

Hier setzt Kronschnabel ein und kommt, sprachlich völlig realistisch, auf die für die Kirchen unbequeme Gegenwart. Es geht eben nicht um Bonhoeffers „Verantwortlichmachung des Staates“, sondern um die der Kirche. Die aber kümmert sich lieber um die „kirchliche Außenpolitik“ und verdeckt damit die interne Fäulnis. Das mit dem Frieden und den Flüchtlingen ist ja richtig und wichtig, doch wenn’s nur zur Camouflage dienen soll, ist’s Heuchelei, naiv oder absichtlich.

Bonhoeffer kann man als Blutzeugen leicht auf den Denkmalsockel stellen, – gut für Sonntagsreden. Doch im Alltag gerät Bonhoeffer der Kirche zur Peinlichkeit. „Von guten Mächten wunderbar geborgen …“ Mir wird so kannibalisch wohl, wenn ich an diesen wohlfeil gebrauchten Trost denke, für den die Kirchen im Unterschied zu Bonhoeffer nicht habhaft einstehen wollen.[3]

Herrn Kronschnabel sei Dietrich Bonhoeffer an Herz gelegt[4] und der Gedanke, dass organisierte Mitmenschlichkeit über die gleichen Probleme stolpern kann, wie sie vielen Organisation eigen sind, die sich am Markt behaupten müssen. Die Organisation läuft und läuft und läuft – zuweilen bis ihre kriminellen Methoden publik werden – und sie läuft dennoch weiter. Oder glaubt irgendjemand, dass VW vom Markt verschwindet?

[1] https://dierkschaefer.wordpress.com/2016/06/27/wie-unfein-erich-spricht-klartext-ueber-die-diakonie-konzentriert-und-schlagkraeftig/

[2] http://www.zeit.de/2015/15/dietrich-bonhoeffer-todestag-protestantismus-widerstand/komplettansicht

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Dietrich_Bonhoeffer

Sechs Jahre brauchte die EKD, um Herrn Frerk kompetent zu antworten.

Posted in Geschichte, Kirche, News, Recht, Religion, Staat by dierkschaefer on 21. April 2016

Ohne Kirchenkritik kommt dieser Artikel nicht in meinen Blog. Für die Angriffe von Herrn Frerk mussten die Beschäftigten – auch die ehemals in der Kirche Beschäftigten – selber den Kopf hinhalten, wenn sie wegen der „Staatsfinanzierung“ der Kirchen angegangen wurden und mussten reagieren, bis sich nun endlich – nach sechs Jahren – die EKD-Spitze mit der Streitschrift von Herrn Frerk befasst. Zwar sind die Gegenargumente nicht so originell, dass man nicht selber darauf gekommen wäre. Aber so eine gute Gesamtwürdigung der Arbeit von Herrn Frerk wäre doch hilfreich gewesen.

Nach diesem meinem Vorwort nun der Text von Thomas Begrich, Abteilungsleiter Finanzen im Kirchenamt der EKD.

Zahlt der Staat den Kirchen wirklich 19 Milliarden Euro jährlich?

In dem Buch „Violettbuch Kirchenfinanzen“ (erschienen November 2010) stellt der Autor Carsten Frerk die These auf, dass der Staat die Kirchen mit 19 Milliarden Euro finanziert. Und das etwa zusätzlich zu den Milliarden, die die Kirchen selbst jährlich ausgeben (zehn sind es bei der evangelischen Kirche). Carsten Frerk ist kundig und hat viel recherchiert. Geht es aber wirklich um Zahlen in diesem Buch? Eher um deren Deutung. Darum hat der Autor seinem Buch zwei Zitate voran gestellt:

„Religion gilt dem gemeinen Manne als wahr, dem Weisen als falsch und dem Herrschenden als nützlich.“ (Seneca)

„Die hohe reich dotierte Geistlichkeit fürchtet nichts mehr als die Aufklärung der unteren Massen.“ (Johann Wolfgang von Goethe)

Damit ist deutlich: das ist eine Streitschrift und kein Sachbuch. Passen diese beiden Zitate aus dem Altertum und dem späten Feudalismus? Stimmen die Zahlen? Wir werden sehen:

Drei Milliarden Euro „Einnahmeverzicht“ aus Steuern schreibt Frerk den Kirchen als Zuwendung zu. Und in der Tat: Der Staat verzichtet auf Einnahmen, weil die Kirchensteuer als Sonderausgabe absetzbar ist. Aber dieses Geld bekommen natürlich nicht die Kirchen, sondern die Bürger. Sie zahlen weniger Steuern, weil sie die Kirchen unterstützen. Genauso wie Spenden für gemeinnützige Organisationen bis 20 Prozent des Gesamtbetrages der Einkünfte steuermindernd geltend gemacht werden können, gilt das auch für die Kirchen­steuer. Der Staat geht dabei davon aus, dass es der Gemeinschaft dient, wenn man die Kirche finanziell unterstützt. Übrigens: Ein Volumen von 20 Prozent der Einkünfte erreicht die gezahlte Kirchensteuer nicht einmal ansatzweise – es sind durchschnittlich rund ein Prozent (maximal drei Prozent).

Als „Ersparnis durch den Kirchensteuereinzug“ werden in dem Buch 1,8 Milliarden Euro für die Kirchen benannt. Ein Betrag, der zum einen spekulativ ist, der aber zum anderen auch gar keine Rolle spielt. Denn die Kirchen vergüten den Kirchensteuereinzug mit zwei bis vier Prozent des Gesamtaufkommens der Kirchensteuer. Der Staat erhält deutlich mehr, als es ihn kostet. Für die Kirchen ist das in der Tat dennoch kostengünstig, aber dies als eine Finanzierung der Kirchen durch den Staat zu bezeichnen ist schon ziemlich kühn!

Steuerbefreiungen von rund 2,3 Milliarden Euro? Es gibt grundsätzlich keine auf kirchliche öffentlich-rechtliche Körperschaften zugeschnittene Besteuerungstatbestände. Ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts oder eine juristische Person des öffentlichen Rechts von einem staatlichen Steuergesetz tatbestandlich erfaßt, treffen sie auch die Rechtsfolgen, im Positiven wie im Negativen. Von diesem Grundsatz gibt es einige wenige Ausnahmen, die u.a. Kirchen oder Religionsgemeinschaften, auch in der Rechtsform der Körperschaft des öffentlichen Rechts, expressiv verbis benennen. Dies sind z.B. Befreiungen von der Grundsteuer, Umsatzsteuer im Rahmen der Jugendhilfe, bei der Erbschaftsteuer zugunsten des Verfügenden. Das angegebene Volumen ist in keiner Weise nachvollziehbar.

Für kirchliche Kindergärten errechnet Frerk einen Beitrag von 3,8 Milliarden Euro an Staatsgeldern. Die evangelische Kirche geht für ihren Bereich übrigens nur von einem knappen Drittel aus, aber wichtiger ist das Prinzip: Die Kirchen erhalten diese Mittel doch nicht, weil sie Kirchen sind, sondern weil sie für die Gesellschaft eine Dienstleistung erbringen, zu der sie obendrein von ihren eigenen Mitteln je nach Bundesland noch knapp 20 Prozent, durchschnittlich 12 Prozent, beisteuern. Das ist recht und billig, sie wollen es ja auch. Täten sie es nicht, müsste es der Staat selbst tun und dann wäre es für ihn viel teurer, weil ja die kirchlichen Eigenanteile wegfielen. In unserem demokratischen Staat des Grundgesetzes gilt das Prinzip, dass der Staat außerhalb seiner engeren Hoheitsbereiche nur dann selbst etwas tun soll, wenn Bürger und gesellschaftliche Organisationen es nicht oder nicht genug im Rahmen der geltenden Gesetze in eigener Verantwortung tun können. Aber er fördert deren Tun finanziell – für seine Bürger. Gefördert werden natürlich nicht nur die Kirchen, sondern viele andere freien Träger, wie etwa die Arbeiterwohlfahrt, das Rote Kreuz und andere freie Träger.

Der Staat bezahle die theologische Ausbildung an den Universitäten? Ja. Er zahlt auch die Ausbildung für die Wirtschaft, für die Verwaltungen, für die Musiker, die Germanisten. Es ist eine staatliche Aufgabe, Bildung zu ermöglichen und zu finanzieren. Warum für die Kirchen nicht? Nur weil der Autor die Wissenschaftlichkeit der theologischen Wissenschaft bestreitet? Kaum ein ausreichender Grund.

Für kirchliche Schulen gebe der Staat 2,3 Milliarden aus. Wir erfassen diese Zahlen nicht, da solche Schulen meist in freier Trägerschaft sind. Aber es sind öffentliche Schulen, nach anerkannten Lehrplänen, jedermann zugänglich. Der Staat fördert nicht die Kirchen, sondern die Schüler. Das ist doch wohl seine Aufgabe? Also ein ähnliches Prinzip wie bei den Kindergärten. Die Kirchen erbringen hier wieder – wie andere freie Träger auch – Leistungen im staatlichen Interesse, für das übrigens je nach Bundesland noch bis 20% weitere Mittel aufzubringen sind.

Nun noch eine letzte Probe dieses Herangehens: 270 Millionen Euro zahle der Staat für die Auslandsarbeit der Kirchen? Natürlich tut er das nicht für die Kirchen. Sondern er fördert die damit bestrittenen Maßnahmen, nämlich Entwicklungshilfe oder Katastrophenhilfe. Es sind die Kirchen, die hier dem Staat helfen, seine internationalen Verpflichtungen zu erfüllen und die natürlich ebenfalls viel dazu beisteuern: allein die evangelische Kirche gut 50 Millionen Euro aus eigenen Mitteln, dazu kommen noch die gut 90 Millionen Euro Spenden von und an „Brot für die Welt“. Übrigens: auch wenn es oft Missionswerke sind, die tätig werden – es gehört zum international anerkannten Kodex, Mission und Hilfe nicht zu vermischen. Wir halten uns daran.

Dies nur als einige Beispiele aus dieser Streitschrift. Also alles falsch? Die Zahlen an sich vielleicht nicht immer – aber die Schlussfolgerungen. Kirche ist Teil dieser Gesellschaft. Sie ist in ihr tätig und für sie und ihre Bürger. Und zumindest die Mehrheit dieser Gesellschaft will das auch so, es nützt ihr und es bringt dem Staat Vorteile, durchaus auch finanzielle. Unsere Gesellschaft lebt vom Tun der Vielen. Subsidiarität wird das genannt. Ein Grund­prinzip der Demokratie. Wer dies nicht will, muss sich fragen lassen, was für eine Demokratie er will.

Um doch noch einmal Goethe zu zitieren:

Man merkt die Absicht und man ist verstimmt. Vielleicht. Aber es gehört zu einer Demokratie, andere Meinungen anzuhören, auch wenn sie mit der Wahrheit recht kreativ umgehen. Das ist erlaubt. Dagegen kann man auch nichts tun. Was also kann man tun? Zu dem stehen, was man selbst tut, selbst zu verantworten hat. Das aber ist geradezu geboten: All unsere Arbeit gut machen. Gott und den Menschen dienen. Das ist Kirche. Und wir finden das nicht falsch.

Thomas Begrich, Abteilungsleiter Finanzen im Kirchenamt der EKD

https://www.ekd.de/kirchenfinanzen/angedacht/frerk.html Donnerstag, 21. April 2016

Kirchenzucht in den 80er Jahren – jedenfalls in Württemberg

Posted in Firmenethik, Geschichte, Kirche, Moral by dierkschaefer on 21. Februar 2016

Ein Anhalter stand an der Straße, Alter und Kleidung untypisch. Ich nehme ihn mit. Ein Kollege, wie sich schnell herausstellt. Der Unglücksrabe hatte – wenige Wochen vor dem Fall der Mauer – seine Gemeinde in Sachsen verlassen und hauste nun mit Frau und zwei Töchtern in einer dörflichen Notunterkunft im schwäbischen Oberland: Ein Zimmer, Stockbetten, Privatheit notdürftig mit abgehängten Wolldecken hergestellt. Dem Mann mußte geholfen werden. Zufällig hatte ich gerade eine ganztägige Stelle in meinem Pfarramt zu vergeben. Warum nicht ein Sekretär anstelle der üblichen Sekretärin? Er schrieb die Bewerbung und ich reichte sie mit unterstützender Begründung beim Oberkirchenrat ein: Zwei Jahre Sekretär und zugleich die Möglichkeit, sich die Qualitäten des Mannes anzuschauen – danach dann vielleicht ein besser angemessener Dienstauftrag. Doch daraus wurde nix – die Ablehnung kam ohne Begründung.

Auf Nachfrage bei der EKD erfuhr ich: Es sei üblich, DDR-Kollegen, die ohne politische Not ihre Gemeinde im Stich gelassen hätten, nicht gleich wieder in den Gemeindedienst zu nehmen. Es sei auch üblich, ihnen beruflich weiterzuhelfen, z.B. als Religionslehrer.

Aber nicht bei uns.

Er fand dann Anstellung (oder Job?) bei einer Versicherung. Die wird ihn wohl wieder zurückgeschickt haben, denn der Kollege sprach sächsisch und in diesen Goldgräberzeiten gab es im Osten viele Policen zu verkaufen.

Das kriegen wohl nur Protestanten hin: Eine theologische Begründung des Pluralismus

Posted in Religion, Theologie by dierkschaefer on 13. Juni 2015

Der neue Grundlagentext des Rates der EKD, „Christlicher Glaube und religiöse Vielfalt in evangelischer Perspektive“, präsentiert den Protestantismus auf der Höhe der Zeit, ohne Selbstverleugnung und ohne das oft gerügte Wischi-Waschi.

Es handelt sich um einen Text, der in geradezu staatsmännischer Weisheit dem Miteinander unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen den Weg weist – unter Betonung der eigenen Werte und Glaubensüberzeugungen. Da werden sich andere bemühen müssen, wenn sie in diesem Horizont bestehen wollen. Angefangen mit den „eigenen“ Evangelikalen, dann die Kollegen im Vatikan mit ihrem dogmatischen Absolutheitsanspruch, auch die gesamte Orthodoxie und von den islami(sti)schen Fundamentalisten, sei es Schia, sei es Sunna, ganz zu schweigen. Besonders wichtig scheint mir dieser Text auf dem Hintergrund der Vertreter des ideologischen Humanismus, die der Religion generell die Daseinsberechtigung absprechen und sie im öffentlichen Leben zurückdrängen wollen. Werden sie in der Lage sein, die Anerkennung, die aus diesem Text spricht, zu erwidern?

Was dem Grundlagentext fehlt, ist ein Abgrenzungsbemühen, das über die Selbstbehauptung hinausgeht und Menschenrecht einfordert, wo es mit religiöser Begründung verletzt wird. Es heißt dort: »Deshalb ist es unverzichtbar, dass die religiösen Rechte des Judentums geachtet werden, auch dort, wo sie — wie etwa bei der im Alten Testament bezeugten Beschneidung von Jungen oder dem Schächten — Ausdrucksformen suchen, die sich das Christentum nicht aneignet, sondern die es ausdrücklich verabschiedet hat.« Eingriffe in den Körper von Kindern, die medizinisch nicht geboten sind, sind Menschenrechts-, sind Kinderrechtsverletzungen. Wenn hier der Staat versagt, die Kinder zu schützen, ist der vor Gott verantwortungsbewusste Protestantismus aufgerufen, hier zu protestieren – auch wenn uns die fürchterliche Geschichte der Judenverfolgungen im „christlichen“ Abendland gegenüber dem Judentum kleinlaut werden lassen könnte.

Mit dieser nicht unbedeutenden Einschränkung ist den Verfassern des Grundlagentextes nur zuzustimmen, wenn sie schreiben: »Deutlich ist aber, dass die Bedeutung der Religionen in einer pluralistischen Gesellschaft entscheidend davon abhängt, ob sie eine öffentlich verantwortete Theologie entwickeln, die Verständigungsversuche und Übersetzungen zwischen den Konfessionen, Religionen und unterschiedlichen Weltanschauungen ermöglicht. Eingeladen zu diesem Dialog sind auch Bürgerinnen und Bürger, die selbst zu keiner Religionsgemeinschaft gehören, denen Glaubenserfahrungen fremd geblieben sind, die aber mit den Kirchen eine gemeinsame Verantwortung für den Frieden zwischen den Religionen und für die Zukunft des Gemeinwesens übernehmen wollen.«

http://www.ekd.de/download/christlicher_glaube.pdf

EKD, Für uns gestorben – Schon gelesen? Ganz?

Posted in Geschichte, Kirche, Theologie by dierkschaefer on 12. April 2015

Eigentlich ist die „Orientierungshilfe“ Für uns gestorben nicht an Theologen adressiert. Doch wer wird sie lesen, wenn nicht sie und ein paar theologisch Interessierte? Mehr wohl kaum, wenn überhaupt.[1] Ich habe mich bei der Lektüre immer wieder gefragt, in welcher Welt leben die Verfasser? Doch zunächst mal mein Dank für das Repetitorium, das wohl auch studierte Theologen gut gebrauchen können und das auch manches ausfüllt, was der Mut zur Lücke im Studium frei gelassen hatte.

Worum geht es?

Es geht um den Kreuzestod Jesu und das Bekenntnis Im Kreuz ist Heil.

An dieser Stelle werden schon viele meiner Leser aussteigen wollen. Bleiben Sie noch dran. Skurrilität hat auch ihren Unterhaltungswert, wenn ich auch niemandem empfehlen will, selber den Text zu lesen.[2] [3]

Die Fragestellung der Verfasser

Die Verfasser gehen ganz bewußt von den frühchristlichen Glaubenserfahrungen aus. Für die frühen Christen war es Wirklichkeit, dass Jesus, der Sohn Gottes ist und von den Toten auferstanden; damit habe er die Menschen mit Gott versöhnt.

Man hätte auch anders vorgehen können, räumen die Verfasser ein, nämlich allein auf Basis der historisch plausibilisier­baren Fakten. Doch so haben sie Position gezogen, Bekenntnis gegen Wissenschaft. Wäre ich nicht Theologe, hätte ich schon nach dem Vorwort aufgehört, denn ich schalte meinen Verstand, ohne ihn rühmen zu wollen, nicht gern ab.

Ein Repetitorium, sagte ich. Davon darf man nichts Neues erwarten. Und so ist für den Fachmann wie für den einfachen Gläubigen schon alles gesagt.[4] Trotzdem: »Eine solche Schrift war notwendig, weil viele Menschen Schwierigkeiten mit der Kreuzestheologie haben. Mithilfe dieses Textes können hoffentlich einige von ihnen verstehen, was mit dem Kreuz eigentlich gemeint ist.«, so die Begründung.

Von der Grundentscheidung zur Methode

Und so begeben wir uns auf den Parcour der Textauslegung, der Dogmen- und Kirchenge­schichte um schließlich im resümierenden Schlusskapitel unsere Fragen beantwortet zu bekommen, wenn es denn so sein sollte, dass wir diese Fragen haben.

Doch selbst, wenn ich die Position der Verfasser teilen wollte, fällt mir auf, dass sie die Bibelstellenen gerade so nehmen und zitieren, wie sie ihnen passen. Auf die Unterschiede zwischen den Evangelien wird nicht kritisch eingegangen und manches kommt nicht vor.

So beispielsweise die Gethsemane-Geschichte[5]. Sie wird von Markus, Matthäus und Lukas berichtet und ist eine der Geschichten, die auch ohne Theologiestudium als total erfunden erkannt werden kann, denn die einzigen Zeugen schlafen fest – wie es heißt. Doch in dieser Geschichte wird eine sozusagen innertrinitarische Differenz aufgezeigt: Lass den Kelch an mir vorübergehen, sagt Jesus zum seinem Vatergott, um dann aber nachzugeben: Doch nicht mein Wille geschehe, sondern Deiner. Aber diese gedachte Differenz innerhalb der Trinität wird nicht thematisiert, dafür bekommen wir fix und fertig das Dogma von „wahrer Mensch und wahrer Gott“ serviert, auch wenn die kirchenspaltende Festlegung zur Person des Gott-Menschen Jesus Christus erst später und unter Druck des Kaisers zementiert wurde. Auf dieser Basis wird weitergebaut. Auch die Unterschiede im Abendmahlsverständnis zwischen Reformierten und Lutheranern spalten nicht mehr (was ja nur gut ist), dafür werden die Einmaligkeit und Endgültigkeit des Opfertodes so betont, dass die Katholiken mit ihrem sonntäglich zelebrierten Messopfer meinen müsssen, theologisch total falsch zu liegen.

Auf einige Details möchte ich noch eingehen.

Der Münchhausentrick

Manches ist amüsant. So der Müchhausentrick von Immanuel Kant. Er meinte, die existentielle Schuld des Menschen könne jeder nur selbst abtragen, nicht aber Jesus für uns. Unter der Schuld, die Kant dem „alten“ Menschen zuordnet, leidet der „neue Mensch“, der physisch derselbe ist. Er trägt damit die Schuld des alten ab. So zieht sich Münchhausen am eigenen Zopf aus dem Sündenpfuhl.

Kotau[6] der EKD vor der feministischen Theologie

»Besonders die feministische Theologie hat solche Verzerrungen und Missdeutungen des theologischen Opferbegriffs aufgedeckt. Im Hintergrund ihrer Kritik standen viele biogra­fi­sche Erfahrungen und ganze Lebensgeschichten: Wenn Männern von Frauen forderten, dem Opfer Christi mit dem Opfer des eigenen Lebens zu entsprechen und es für andere hinzuge­ben, wurde nur theologisch der Anspruch verbrämt, dass Frauen eigene Interessen und Lebens­pläne zurückzustellen hatten. Nicht zufälligerweise waren vor allem Frauen von solchen gesellschaftlich dominanten Erwartungen betroffen.«

Schon vor der feministischen Theologie wussten wir, dass der Gott des Alten Testamentes vielfach die Züge eines orientalischen Despoten trägt. Wie hätten die Menschen damals auch sonst sich Gott vorstellen können? Doch die Opfererwartungen, von denen die Frauen mit Bezug auf Jesu Opfer betroffen sein sollen, sind mir nicht geläufig, dafür aber der Missbrauch des Vorbildes Christi für den Soldatentod: Wer das Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.[7]

Der Opfergedanke – hoch aktuell? Ein falsches Beispiel

Die Aktualität des Opfergedankens wird an mehreren Beispielen gezeigt. So auch beim neue­ren Liedgut. Als einer der Gewährsleute wird Otmar Schulz[8] präsentiert mit seinem Lied »In einer fernen Zeit gehst du nach Golgatha, erduldest Einsamkeit, sagst selbst zum Sterben ja.«. Schlechtes Beispiel: Schulz hat seiner Vergangenheit, auch seinen Liedern den Abschied gegeben. Öffentlich, im Pfarrerblatt.[9] Das haben die Verfasser der Orientierungshilfe nur nicht zur Kenntnis genommen. Schulz schreibt dort, das Anstimmen solcher Lieder sei für ihn »besten­falls ein Besuch im tönenden Museum. Und das trifft auf mindestens 80 Prozent der Gesangbuchlieder zu (meine eigenen zum großen Teil eingeschlossen!). Da hilft mir auch der Hinweis wenig, diese Lieder hätten … schließlich Generationen von „Gläubigen“ getröstet, ermutigt, ermahnt. Mag alles sein. Ich will „Gottes Spuren“ heute reflektiert sehen, nicht die „Spuren in längst vergangnen Tagen“, wie es in einem Lied heißt.« Es geht ihm um die theo­lo­gische Redlichkeit. »Es ist für mich vorbei mit der Blut- und Sühneopfertheologie meiner Kindheit und Jugend und auch langer erwachsener Jahre. Es ist vorbei mit dem „Christi Leib für dich gegeben“. Die „Lehre“ hat der Erfahrung und dem neu erworbenem Wissen nicht standgehalten.«

Ein Pfarrer, der sich so äußert, fällt in die erbarmungslosen Hände seiner Kollegen. Eine symbolische öffentliche Hinrichtung war die Replik in der nächsten Folge des Pfarrerblatts. Von der „Desaströsen Bilanz eines Pfarrerlebens“ schrieb Michael Heymel.[10] Ich schickte Schulz meinen Leserbrief: »Bastelreligion wirft Heymel dem Kollegen Schulz vor, so, als habe der sich für seinen privaten Herrgottswinkel einen Götzen geschnitzt. Gebastelt wurde allerdings schon immer. Es begann mit den Jüngern, die sich einen Reim darauf machen mussten, wieso der von ihnen verehrte Meister einen solch schmählichen Tod sterben konnte und wieso er dennoch bei ihnen weiterlebte. Auch Paulus hat gebastelt und dem beginnenden Christentum den paulinischen Schliff gegeben. Und erst die Evangelisten: Von der Adoptionsformel zur Gottessohnschaft mit weihnachtlicher Vorgeschichte. Es waren ja nicht nur vier Evangelisten, ganze Bastelkollektive stellten den Kanon[11] zusammen und schlossen aus, was ihnen nicht zu passen schien. An den Symbola[12] haben auch die Kaiser mitgebastelt. Muß ich noch auf andere Bastelergebnisse eingehen, auf das Fegefeuer zum Beispiel? Es haben doch Gläubige aller Zeiten mit ihren Erkenntnismöglichkeiten und ihren Erfordernissen an ihrem Glauben gebastelt. So what? – Ja, ich weiß: Die Basteleien mussten approbiert werden. Wer allein bastelte, musste den Mund halten oder er landete wie Jan Hus[13] [14]auf dem Scheiterhaufen. Da hätten manche Luther auch gern gesehen.«

Und nun haben wir eine Orientierungshilfe der EKD, die alle wichtigen Fragen beantwortet.

Noch Fragen?

[1] Eine Reichweitenanalyse würde mich interessieren.

[2] Wer es dennoch will, hier geht’s zum Text: http://www.ekd.de/download/fuer_uns_gestorben2015.pdf

[3] Wenn Sie’s kurz gefasst haben wollen, reicht das Abschlusskapitel mit den Fragen und Antworten. Sollten das Ihre Fragen sein, dann müssen Sie mindestens dieses Kapitel lesen, dann sind Sie orientiert. Hier nur die Fragen:

Für uns gestorben – Fragen und Anstöße

  • Ist Jesus von Nazareth wirklich gekreuzigt worden?
  • Wer ist für seinen Tod verantwortlich zu machen, die römischen oder die jüdischen Autoritäten?
  • Warum musste Jesus überhaupt sterben?
  • War Jesus klar, dass er in Jerusalem sterben würde?
  • Wird durch die Lehre vom Kreuz nicht ein allzu dunkles Menschenbild gezeichnet?
  • Wieso musste Jesus Christus deswegen sterben? Ging das nur so?
  • Kann man nicht auch an den christlichen Gott glauben, ohne dem Tod Jesu eine so hohe Bedeutung beizumessen?
  • Wollte Gott Blut sehen, um seinen Zorn zu besänftigen?
  • Hat Gott ein Menschenopfer gefordert?
  • Wieso ist aber im Neuen Testament und auch danach in Liedtexten und sogar in Predigten vom Opfer die Rede?
  • Lässt sich nur mit biblischer Sprache ausdrücken, was es heißt, dass Jesus Christus für uns gestorben ist?
  • Wenn uns die biblischen Motive so fremd sind, ist es dann nicht besser, auf sie zu verzichten?
  • Was klärt dann die Deutungsfigur des (Sühn-)Opfers überhaupt?
  • Was kann die Figur vom Passalamm erklären, als das Jesus bezeichnet wird?
  • Hat das traditionelle Motiv des Loskaufs heute noch einen nachvollziehbaren Sinn?
  • Kann Gott die Menschen erst wieder lieben, nachdem Jesus Christus für ihre Sünden gestorben ist?
  • Musste Jesus Christus sterben, weil Gott als ein »gerechter« Gott dies so fordert?
  • Musste Gott durch den Tod Jesu versöhnlich gestimmt werden?
  • Und was ist mit der menschlichen Freiheit?
  • Erkenne ich im Kreuz nur, dass ich versöhnt bin, oder bewirkt das Kreuz das auch?
  • Biblische Texte betrachten immer wieder den Glauben als Voraussetzung dafür, dass Menschen an dem, was Christus für sie getan hat, teilhaben. Was wird dann aus denen, die nicht an Gott, geschweige denn an Jesus Christus glauben?
  • Was ist aber mit den Menschen, die vor Jesu Geburt gelebt haben?
  • Wieso verknüpft sich mit dem Tod Jesu von Nazareth ausgerechnet der Gedanke der Neuschöpfung? Tod und Schöpfung scheinen doch das genaue Gegenteil zu sein.
  • Was ist gemeint, wenn gesagt wird, am Kreuz ereigne sich »ein fröhlicher Wechsel und Streit«?
  • Stellvertretung – was soll das im Blick auf den Tod Jesu Christi heißen? Muss nicht jeder seinen eigenen Tod sterben?
  • Ist damit die Stellvertretung nicht schon als Deutungsfigur erledigt?
  • Warum ist es dennoch wichtig, von Stellvertretung zu reden?
  • Zu welchem Missverständnis kommt es, wenn die Exklusivität der Stellvertretung zu stark betont wird?
  • Zu welchem Missverständnis kommt es, wenn die Inklusivität der Stellvertretung zu stark betont wird?
  • Was bedeutet eine Stellvertretung, die exklusiv und inklusiv sein soll?
  • Mit welchem Recht kann Jesus überhaupt für alle Menschen stellvertretend eintreten?
  • Jesu Tod gibt uns neues Leben, heißt es. Neues Leben, Neuschöpfung, was bedeutet das für uns?
  • In welchem Verhältnis steht der Tod von Menschen, die ihr Leben für andere riskieren, zum Tod Jesu Christi?
  • Wie ist dann der biblische Satz zu verstehen, dass der, der Jesus nachfolgen wolle, sein Kreuz auf sich nehmen solle (vgl. Mk 8,34)?
  • Zu welchen Missverständnissen kommt es, wenn Jesu Hingabe und sein Weg ans Kreuz zum ethischen Vorbild erklärt werden?
  • Wenn von Christus gesagt wird, er sterbe und sei von den Toten auferstanden, und Menschen dasselbe hoffen dürfen, ist dann nicht auch möglich, Jesus Christus als Exempel zu verstehen?
  • War und ist das Grab Jesu Christi leer?
  • Was stiftet denn die Identität zwischen dem gestorbenen Jesus und dem auferstandenen Christus?
  • Hat die Überwindung des Todes Gott verändert?
  • »Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber« (2Kor 5,19), sagt Paulus. Aber wie können Gott und Mensch wirklich zusammenkommen, ohne dass Gott als Person in sich gespalten ist?
  • Geht das nicht auch einfacher? Wieso muss Jesus Christus überhaupt wahrer Gott und zugleich wahrer Mensch sein?

[4] So der Interviewer im Gespräch mit dem Theologen Christoph Markschies, Mitautor des EKD-Grundlagentextes „Für uns gestorben“. http://www.ekd.de/aktuell/98061.html

[5] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/7727190772/

[6] Der Begriff Kotau wird im deutschen Sprachraum als Umschreibung für Unterwerfung, Eingliederung in eine Rangordnung bzw. nicht ganz freiwilliges Nachgeben benutzt. https://de.wikipedia.org/wiki/Kotau

[7] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/3355906263/in/set-72157632548603352

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Otmar_Schulz

[9] http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/dpb_print.php?id=3640

[10] http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt//dpb_print.php?id=3659

[11] https://de.wikipedia.org/wiki/Bibelkanon

[12] Nur das Chalcedonense sei hier als einschlägiges Beispiel genannt: http://de.wikipedia.org/wiki/Konzil_von_Chalcedon

[13] https://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Hus

[14] https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/4468626403/

„Für uns gestorben“ heißt die neue Orientierungshilfe der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Philosophie, Psychologie, Theologie by dierkschaefer on 3. April 2015

»Wegen des Flugzeugabsturzes wurde sie nicht öffentlich präsentiert. …

Dabei ist es das richtige Papier zur richtigen Zeit. … Doch außer ein paar Fachleuten wird es nun niemand lesen.«[1]

Das hätten ohnehin fast nur die Fachleute getan. Ich bin gerade dabei. Das Papier interessiert mich allerdings ausschließlich als Theologe – und nebenbei auch noch als Psychologe.

[1] http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2015-04/trauerhilfe-evangelische-kirche

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Die Bilanz von Nikolaus Schneider

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 6. November 2014

»Was waren Höhepunkte Ihrer Amtszeit?

Die Begegnungen mit den beiden Päpsten Benedikt XVI. in Erfurt und Franziskus in Rom gehören sicher dazu. Bei beiden Begegnungen wurde deutlich, dass unsere Kirchen sich gemeinsam in der Nachfolge Christi verstehen, sich in ihrer Verschiedenheit respektieren und auch herausfordern. Sehr bewegend waren auch die Treffen mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus in Istanbul und im Berliner Dom.«[1]

Nach den Tiefpunkten seiner Amtszeit wurde er nicht gefragt. Ihm wären dabei aber wohl kaum, ebenso wenig wie dem Interviewer, die ehemaligen Heimkinder eingefallen.

Schwamm drüber?

[1] http://www.ekd.de/aktuell/edi_2014_11_05_nikolaus_schneider.html

Wird Nikolaus Schneider noch heiliggesprochen?

Posted in Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Religion, Theologie by dierkschaefer on 9. August 2014

Eine Antwort auf https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/08/fur-die-belange-der-ehemaligen-heimkinder-hat-sich-der-ratsvorsitzende-in-seiner-amtszeit-besonders-und-auch-personlich-eingesetzt/

OKR Dr. Christoph Thiele
Kirchenamt der EKD
Herrenhäuser Str. 12
D-30419 Hannover

Sehr geehrter Herr Dr. Thiele,

sehr geehrter Herr Oberkirchenrat!

Sie haben Herrn Werner stellvertretend für den Ratsvorsitzenden der EKD, Dr. h.c. Nikolaus Schneider per Mail geantwortet. Ich habe es in meinem Blog veröffentlicht und möchte gern stellvertretend für Herrn Werner, allerdings ohne Auftrag, darauf antworten.

Zunächst das Positive:

1. Das ist die Antwort überhaupt. Es ist leider alles andere als selbstverständlich, daß Personen in hohen Ämtern antworten oder antworten lassen.

2. Dann will ich Ihnen zugute halten, daß Sie den Sachverhalt nicht oder nur unvollständig kennen. Das kann ich aber schon nicht mehr voll dem Positiven zurechnen. Denn mit den Verbrechen an Kindern in zumeist kirchlichen wie aber auch staatlichen Einrichtungen dürfte es inzwischen so sein, wie Joseph Peter Stern von den Mitläufern gesagt hat: „Man wußte immer so viel, daß man es vorzog, nicht mehr wissen zu wollen.“[1]

3. Doch nun das Negative:

Was Sie über Herrn Schneider schreiben, stimmt nicht. Selbst wenn man de mortuis nihil nisi bene auf die abeundis anwenden will, schreien doch die vielen Beiträge im Netz das Gegenteil. Betroffenheitsgestammel und ein Versöhnungsgottesdienst sind kein persönlicher Einsatz für die ehemaligen Heimkinder. Was Herr Schneider auch persönlich immer dabei gefühlt haben mag, stand er doch als EKD-Vorsitzender in der Gesamtverantwortung für die Vorgänge am Runden Tisch. Und es ist belegbar, daß die ehemaligen Heimkinder, (ganz abgesehen von den Heimkindern in den Behinderteneinrichtungen und Säuglingsheimen, die wurden und werden völlig außen vor gelassen) in ihrer Vergangenheit ausgebeutet, mißhandelt und um ihre Zukunftsaussichten gebracht[2], am Runden Tisch betrogen wurden von einer Phalanx von staatlichen wie kirchlichen Vertretern unter dem Vorsitz einer Politikerin[3], die zudem Pfarrerin ist, betrogen um einen halbwegs angemessenen finanziellen Ausgleich. Die Zahlungen die es gibt, werden großzügig unter Betonung des nicht-existenten Rechtsanspruchs auf Antrag gewährt. Meine Kirche, die mit Ewigkeitswerten handelt, beruft sich auf Verjährung und brüstet sich mit der Großzügigkeit ihrer Mitfinanzierung des Heimkinderfonds. Ich schäme mich für meine Kirche und ihre Repräsentanten, angeführt von Herrn Schneider[4]. Sein Namensvetter, der Heilige Nikolaus, verteilte der Legende nach Goldklumpen. Das zählt zur Hagiographie und ist so wenig glaubwürdig, wie der Einsatz von Herrn Schneider.

Doch nun zum Allgemeinen: Was ich vermisse, ist eine theologische Aufarbeitung sowohl der Vorkommnisse in den unterschiedlichsten Heimen als auch die der Kirchen am Runden Tisch, die des Staates eingeschlossen. Welche Rolle spielte der Rettungsgedanke, welche das Menschenbild, welche die Vorstellungen vom ewigen Heil, welche die finanziellen Aspekte? Eine Antwort darauf könnte allerdings gravierende Folgerungen für die Systematik unserer Glaubensvorstellungen haben.

Zurzeit sehe ich nicht, daß es an diesen Fragen Interesse gibt, weder in den theologischen Fakultäten, noch in den kirchlichen Akademien. Wo bleibt das große Symposion für diese Fragen?

Ich befürchte jedoch, daß man mehr die finanziellen Folgen befürchtet als die theologischen.

Ob Sie mir antworten?[5] Ich weiß, daß ich gegen die kirchliche „Kleiderordnung“ verstoße, wenn ich als kleiner Ruhestandspfarrer vom Lande meinen „Oberen“ solche Briefe schreibe – und noch dazu öffentlich. Doch das soll nicht mein Problem sein. Wie Sie das Ihre lösen, werde ich sehen.

Mit freundlichem Gruß

Dierk Schäfer

[1] Geradezu typisch für diese Haltung ist der Bericht, den ich heute erhielt: Ich wurde am 17. Juli 1950 in der Philippus- Nathanel-Kirche evangelisch getauft. Als ich mich nach Jahren als ehemaliges misshandeltes Heimkind durch die Diakonie überwunden hatte meine Gemeinde in 2012 einmal aufzusuchen begegnete mir der Gemeindepfarrer und fragte mich ob er mir behilflich sein könne und was ich denn suche. Ich erzählte ihm das ich ein ehemaliges misshandeltes Heimkind seiner Gemeinde bin und mich nur mal umsehen wollte wo ich vor Jahrzehnte getauft wurde. Aber davon wollte der junge Herr Pfarrer nichts wissen und meinte man solle doch solche Geschichten ruhen lassen. Es kümmerte ihn wenig wie es einen seiner ehemaligen Gemeindemitglieder erging und ging. Fundstelle: https://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/09/die-kirchen-bluten-aus-stellt-die-welt-fest/#comments

[2] Dazu: https://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/05/essay-pfarrerblatt.pdf

[3] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[4] https://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[5] Ein Schreiben haben Sie ja, wie ich sehe, in der Sache bereits bekommen: http://helmutjacob.over-blog.de/article-einsatz-des-ratsvorsitzenden-der-ekd-nikolaus-schneider-fur-die-heimopfer-ein-brief-als-weitere-de-124327475.html