Dierk Schaefers Blog

Der Fall Spyra ist ein Fall Bayrische Landeskirche,

ist er auch ein Fall Evangelisches Pfarrerblatt?

Hier der ganze Text als PDF:

Wenn Opfer zu Tätern werden, kann das sehr befreiend sein.

Posted in Deutschland, Kinderheime, Kinderrechte, Kindeswohl, Kirche, Leben, Menschenrechte, Moral, Psychologie by dierkschaefer on 18. März 2024

Ich denke an Täter, die es ihren Peinigern heimzahlen. Das kommt vor.

Hier der Text als PDF:

Der Aufschrei eines Pfarrers: Ich habe jegliches Vertrauen in meine Landeskirche verloren.

Ein Aufschrei, so ist der Beitrag von Klaus Spyra untertitelt:  DEUTSCHES PFARRERINNEN- UND PFARRERBLATT 2/2024. Der Titel zielt auf die bayrische Landeskirche, in der er Pfarrer er ist: „ICH HABE JEGLICHES VERTRAUEN IN DIE ELKB VERLOREN“

Regelmäßig werden die Ausgaben ins Archiv des Pfarrerblatts – online erreichbar – eingestellt, so auch die Ausgabe vom Februar. Nur sein Beitrag ist im Archiv des Pfarrerblatts zur Zeit nicht aufzufinden.

Zensur? Bereinigung des Archivs? Wer hat das veranlasst?

Ich will aus dem Artikel nur den Eingang zitieren, da ich den kompletten Artikel hier nicht wiedergeben darf. (Man kann ihn von mir privat per Mail anfordern. ds@dierk-schaefer.de ) . Sein Aufschrei sollte jedenfalls nicht erstickt werden:

„Ein Aufschrei

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich muss das euch hier schreiben und erzählen, was mir passiert ist. … Ich schreibe das hier, um selbst zu (über)leben, an­sonsten ersticke ich an Bitterkeit und Verhärtung. Uns ist allen klar, gerade uns Betroffenen von sexualisierter Gewalt, dass die Missbrauchskrise mit der Veröf­fentlichung der ForuM-Studie nicht vorbei ist. Weder für uns persönlich noch für die Kirche. Ganz konkret heißt das für mich – und ich weiß für viele hier lesende Be­troffene auch: Der Diakon, der mich missbraucht hat, und diejenigen, die ihm das ermöglicht haben (uns Kin­der im Alter von 6 bis 10 Jahren ihm zugeführt haben), sind dafür bis heute nicht zur Verantwortung gezogen worden. Die ELKB und die ihr zugeordnete Diakonie, hat gegen meinen Täter, Ermöglicher und Vertuscher gar nicht ermittelt.“

Inzwischen melden sich weitere Pfarrer bei ihm, die auch missbraucht wurden.

Im Editorial des Pfarrerblattes schreibt Dr. Peter Haigis:

„Am Donnerstag, den 25. Januar 2024, übergab der ‚Forschungsverbund ForuM‘ Vertreter­*innen der EKD und der evangelischen Landeskirchen im Rahmen einer Pressekonferenz in Hannover seine Studie zu sexuellem Miss­brauch in der evangelischen Kirche. Wer an diesem Tag überrascht oder gar mit einem Aufschrei des Entsetzens die Ver­öffentlichung der Ergeb­nisse zur Kenntnis genommen hat, muss wohl in den Jahren zuvor mit verschlossenen Augen den Problemen sexueller Gewalt gegen­übergestanden haben ….“

Die evangelische Kirche stehe:

„vor einem Scherbenhaufen. … Bereits 2010 waren die ersten Missbrauchsvor­würfe auch innerhalb der evan­gelischen Kirche und der Diakonie öffentlich geworden. Das Deutsche Pfarrerblatt … veröf­fent­lichte dazu den Bericht eines württ. Kollegen, Dierk Schäfer, der sich der Aufar­beitung der Misshandlungen gegenüber Heimkin­dern („Runder Tisch Heimer­ziehung in den 50er und 60er Jahren“) gewid­met hat (5/2010, 236ff). Seine Forderungen aus den Erfahrungen mit ver­schleppter Bearbeitung dort hatten das Ziel, Sensibilität für vergleich­bare Probleme der Gegenwart zu wecken. Die (amtskirchliche, aber auch kollegiale) Resonanz auf seinen Weckruf bezeichnet Schä­fer heute rückblickend als enttäuschend.“

Ich, Dierk Schäfer, hoffe, dass die Landeskirche von Herrn Spyra den Scherbenhaufen nicht noch vergrößert. Über ihm schwebt jedenfalls ein Disziplinarverfahren.

Das Täterschutzprogramm der hannoverschen Landeskirche

In der Audiothek der ARD gibt es den Podcast Sexualisierte Gewalt in der evangelischen Kirche – Warum fällt Aufarbeitung so schwer? https://www.ardaudiothek.de/episode/vertikal-horizontal-glaubens-und-gewissensfragen/sexualisierte-gewalt-in-der-evangelischen-kirche-warum-faellt-aufarbeitung-so-schwer/ndr-info/13194899/

Dort wird der hannoverschen Landeskirche ein Täterschutzprogramm attestiert, der Landesbischof habe ebenso wie seine Kirche katastrophal versagt.

Dies kann ich bestätigen. Am 1. März schrieb ich dem hannoverschen Landesbischof ein Mail, (veröffentlicht in meinem Blog unter https://dierkschaefer.wordpress.com/2024/03/01/sehr-geehrter-herr-landesbischof-vor-knapp-drei-jahren-riefen-sie-mich-an/ ) und erinnerte ihn an ein Telefongespräch vom Juni 2021 https://dierkschaefer.wordpress.com/2021/06/11/sehr-geehrter-herr-landesbischof/ .

Das war wohl vergebliche Liebesmüh. Was soll man von einem Landesbischof auch halten, der seit seiner Amtseinführung im Herbst 2010 nicht den Vertrauensverlust der Kirche(n) im Umgang mit ehemaligen Heimkindern und missbrauchten Kindern und Jugendlichen wahrgenommen hat?

Zeitgleich mit seinem Amtsantritt veröffentlichte ich im bundesweiten Pfarrerblatt meinen Artikel Die Kirchen und die Heimkinderdebatte, Scham und Schande, Deutsches Pfarrerblatt – Heft: 5/2010, http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/archiv.php?a=show&id=2812

Das muss er damals nicht gelesen haben. Doch er hat mir vor drei Jahren zugehört und sollte verstanden haben, dass Kirchen ihren Grundauftrag verraten haben, indem sie nicht für die Opfer eintraten, sondern die Täter und ihre eigenen Kassen schützten.

Wie ich aus informierten Kreisen weiß, werden meine Beiträge sowohl im Blog als auch im Pfarrerblatt im hannoverschen Landeskirchenamt gelesen.

Umso schlimmer!

מְנֵ֥א מְנֵ֖א תְּקֵ֥ל וּפַרְסִֽין

Sehr geehrter Herr Landesbischof, vor knapp drei Jahren riefen Sie mich an …

Posted in Kirche, Moral, Protestantismus, Recht, Täter, Theologie, Zeitgeschichte by dierkschaefer on 1. März 2024

… und ich hatte den Eindruck von einem guten Gespräch, was ich Ihnen auch gemailt habe. Mein Mail und meinen Eindruck vom Gespräch hatte ich in meinen Blog eingestellt:

Im Mail hatte ich geschrieben: Das Wichtigste wäre eine Kommission, die wirklich und nach außen erkennbar unabhängig ist. Dies scheint leider nicht auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Ein aktueller Kommentar im NDR schlussfolgerte: Das ist ein Versagen des hannoverschen Landeskirchenamtes und auch des Landesbischofs. https://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Kommentar-zu-Missbrauch-in-Oesede-Versagen-und-zerstoertes-Vertrauen,oesede124.html

Nix da!
https://www.flickr.com/photos/dierkschaefer/6458196741/in/album-72157628286411473/

Der Kommentator scheint Recht zu haben. Ich finde es mehr als betrüblich, immer wieder die Erfahrung machen zu müssen, dass unsere Kirchen sich selber beschädigen. Sie sehen das Menetekel nicht und die Austrittszahlen galoppieren. Zu den erkennbaren Zeichen an der Wand zähle ich meine publizistischen Bemühungen.

Ein Lied beginnt mit „Ewig steht fest der Kirche Haus“ – tempi passati, auch die Zusicherung, die Pforten der Hölle könnten sie nicht überwinden. Nein, auf die müssen wir nicht warten. Wir schaffen das schon selber.

Mit besten Grüßen

Dierk Schäfer, Freibadweg 35, 73087 Bad Boll, Tel: 0 71 64 / 1 20 55

PS: Dieses Mail werde ich veröffentlichen. Ihre Antworten selbstverständlich auch.

Wer ritt die Kirchen in die Scheiße?

Wer ritt die Kirchen in die Scheiße? Man verzeihe mir die grobe Wortwahl. Der Religionssoziologe Detlef Pollack drückt das vornehmer aus: „Kirchenimage durch Forum-Studie verschlechtert“.[1] Klar, der schaut ja auch unbeteiligt von außen auf die gar nicht so neuen Erkenntnisse. Ich bin Pfarrer (i.R) und mir tut es weh, wenn ich sowohl auf das Image schaue, besonders aber auch auf die Sendung der Kirche, die pervertiert wurde durch die Täter und die „Professionalität“ ihres gut dotierten Führungspersonals.

Der komplette Text hier im pdf:


[1] https://www.katholisch.de/artikel/50656-religionssoziologe-kirchenimage-durch-forum-studie-verschlechtert

Wie konnte man nur so blind sein?

Die Frage kann man drastischer formulieren, das tut dann weiter unten mein Gesprächspartner.

Worum geht es? „Das Erzbistum Köln soll nach einem Urteil einem Missbrauchsbetroffenen 300.000 Euro Schmerzensgeld zahlen.“: „Vorwürfe gegen den Geistlichen wurden dem Erzbistum 1980 sowie 2010 bekannt – er konnte dennoch viele Jahre weiter als Seelsorger arbeiten. Der Betroffene wirft der Erzdiözese daher Amtspflichtverletzung durch Unterlassen vor. Das Erzbistum hatte bewusst darauf verzichtet, eine Verjährung zu beanspruchen. Der Schmerzensgeldprozess gilt als Präzedenzfall. (https://www.domradio.de/artikel/erzbistum-koeln-muss-300000-euro-missbrauchsopfer-zahlen)

Das hätte Köln – durchaus zynisch gedacht – billiger haben können. Doch offenbar hat man im Kölner Erzbistum nach gut kölscher Tradition anders kalkuliert: „Et hätt noch immer jot jejange.“ (Kölsches Grundgesetz – Paragraph 3 https://www.koeln.de/koeln/das-koelsche-grundgesetz-die-11-regeln-der-domstadt_paragraph-3_L1121331_1121322.html) Doch gut ging es nur für den Kläger – und für viele andere, bei denen die Kirchen, katholisch wie evangelisch, ihre Amtspflicht verletzt haben.

Mein Gesprächspartner feixte: „Wie kann man nur so dumm sein? Selbst wenn Gott nun doch noch Hirn ra schmeißen sollte, hilft das nicht mehr. Die haben doch längst selber alle Fälle mit ihren Einzelfallanerkennungszahlungen anerkannt. Stand doch sogar alles, auch sehr detailliert, in Ihrem Blog.“ Stimmt, ich verweise beispielhaft auf: https://dierkschaefer.wordpress.com/2020/04/23/singe-o-goettin-vom-zorn-der-geschaendeten-knaben/ .

In der Heimkindersache hatte man sich noch recht billig aus der Affäre ziehen können. Doch diesmal klebt es wie Hundedreck unter den Schuhsohlen (https://dierkschaefer.wordpress.com/2022/08/17/es-klebt-wie-hundedreck-unter-den-schuhsohlen/“ und die Justiz ist nicht mehr so willfährig. Begonnen hatte es schon mit einem OEG-Verfahren (https://dierkschaefer.wordpress.com/2020/11/20/oeg-urteil/ ) Doch man setzte in den Kirchenleitungen weiterhin auf den Dreiklang: Kinder schänden, Zeit schinden, Kassen schonen.

Abseits von aller Kalkulation zwecks Schadenbegrenzung: Man hatte vergessen, was recht und billig ist und der bloße Anstand erfordert. Da half auch das Betroffenheitsgestammel nicht aus der Bredouille. (Der Begriff Betroffenheitsgestammel stammt von Helmut Jacob.)

Meine Leser mögen selber entscheiden: War es Blindheit, Dummheit oder Verblendung?

Der Schattenmann – Unübliche Gedanken zu Weihnachten

Posted in Christentum, Geschichte, Kirche, Kultur, Kunst, Religion, Weltanschauung by dierkschaefer on 21. Dezember 2022

Der Schattenmann – Unübliche Gedanken zu Weihnachten – Dierk Schäfer

Was ist bloß mit Joseph los?

Im Schatten seiner Frau betrat er die biblische Geschichte. Dort blieb er und füllte seine Nebenrolle brav aus:

Dazu hier das PDF:

Denk ich an Kirche in der Nacht …

wie es weitergeht, wissen Sie. Auch wenn da Kirche steht statt Deutschland.

Doch warum Kirche? Warum schreibe ich das? Noch dazu als Pfarrer.

Weiter mit dem PDF:


Eine Jubeldenkschrift zum Firmenjubiläum – Das Stephansstift Hannover, Teil 4 von 4, „Was nicht in der Studie steht“- Die Autorinnen belassen den unwissenden Leser in schandbarer Unwissenheit.

Diese „Rezension“ begann mit einem drastischen Beispiel das nicht in der Studie genannt wird und auch keine vergleichbaren Vorkommnisse. Doch die gab es und man hätte sie unschwer finden können, wenn man wenigstens gegoogelt hätte. Dieses Versäumnis wiegt schwer, weil die Autorinnen aus ihren früheren Untersuchungen wussten, dass Misshandlun­gen und auch Missbräuche zumindest punktuell zu diesen „totalen Institutionen“ gehörten, in denen die Schutzbefohlenen der Willkür des zumeist nicht pädagogisch ausgebildeten Personals ausgeliefert waren.

Hier das PDF: