Dierk Schaefers Blog

Die Äbte von St-Pierre de Chalon dachten und handelten wirtschaftlich

Posted in Geschichte, Kirche by dierkschaefer on 28. August 2014

»Die Äbte von St-Pierre de Chalon hatten unter den Religionskriegen stark gelitten und mussten das Gebiet von Chapaize bereits 1556 verlassen. Im Jahr 1603 sind die Äbte von Chalon gezwungen, Chapaize zu veräußern, „da es am entferntesten von Chalon ist, am meisten ruiniert und am wenigsten gewinnbringend ist“«[1].

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/St-Martin_de_Chapaize

Im Interesse meines Seelenheils

Posted in Geschichte, Kirche, Kunst, Psychologie, Religion, Theologie, Weltanschauung by dierkschaefer on 28. August 2014

»Ich, Nicolas Rolin[1], Ritter, Bürger von Autun, Herr von Authume und Kanzler von Burgund, an diesem Sonntag, dem 4. Tag des Monates August, im Jahre des Herrn 1443, […] im Interesse meines Seelenheils, danach strebend irdische Gaben gegen Gottes Gaben zu tauschen, […] gründe ich, und vermache unwiderruflich der Stadt Beaune ein Hospital für die armen Kranken, mit einer Kapelle, zu Ehren Gottes und seiner glorreichen Mutter […]«[2]

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Nicolas_Rolin

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/H%C3%B4tel-Dieu_%28Beaune%29

Von Staat und Kirchen Geld zu nehmen für ergaunerte Gewinne ist keine Schande!

Posted in Gesellschaft, heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Politik by dierkschaefer on 27. August 2014

Da mußte auch ich erst über meinen kleinbürgerlichen Schatten springen. „Von den Täterorganisationen nehme ich keine Almosen, das ist unter meiner Würde“, so denken und handeln manche und ich habe immer noch Verständnis dafür.

 

Doch die andere Gangart ist überzeugender:

»Schnöder Mammon? Mal eben „in die Tonne” zu treten, um seinen Stolz, seine Ehre zu pflegen? Sagen Sie mal einem am Hungertuch nagenden Menschen, dass er kein Brot von seinen Lebenszerstörern annehmen darf, wenn er seine „Ehre” behalten wolle. Der antwortet dann mit dem Hinweis, dass er bei Aldi mit Ehre bezahlen wollte und ausgelacht wurde.« … »Ihre Argumente kann ich teilweise sehr gut nachvollziehen, auch ich hatte Momente, in denen ich so dachte und empfand wie Sie und andere Fonds-Ablehner. Dem gegenüber standen dann aber die Realitäten in Form von den Mitmenschen, die am Existenzminimum lebten, die Hungerrenten beziehen – und für die 7 (SIEBEN!!!) Jahre Rentenersatzleistung = 25.200,00 € eine kaum vorstellbare Summe sind. Hinzu kamen 10.000,00 € Sachmittelleistung, macht also 35.200,00 €. Wenn er / sie auch noch Sexualopfer im Bereich der Landeskirche Hannover war und z.B. 20.000,00 € „in Anerkennung des Ihnen zugefügten Leides” bekam, dann steht da ein Betrag, der nichts mehr mit Almosen zu tun hat.« (Beide Zitate von Erich Kronschnabel. Und er fügt hinzu:

»DIE „ALMOSENEMPFÄNGER” bekamen nur einen Bruchteil des Geldes, das man aus deren Kinderarbeit gewonnen hatte! Ist es ehrlos, rechtmäßig erworbenes aber von Betrügern entwendetes Eigentum nach Jahrzehnten wenigstens teilweise in Besitz zu nehmen?«

 

Nein, es ist nicht ehrlos, es ist keine Schande.

Ich möchte hiermit alle ehemaligen Heimkinder ermutigen, ihren Antrag noch vor Ablauf der trickreichen Frist bei den Anlaufstellen einzureichen. Notfalls mit „Begründung folgt“. Wichtig ist das Eingangsdatum des Antrags.

Wer dies tut, ist frei darin, seine Almosengeber weiterhin zu verachten, und er/sie tut Recht daran.

Kolonialgeschichte und Imperialismus – Wo waren die Kirchen?

Posted in Geschichte, Kirche, Politik, Religion, Theologie, Wirtschaft by dierkschaefer on 27. August 2014

Wo waren die Kirchen? fragt Prof. Konrad Stock[1] in seinem Leserbrief, heute in der FAZ[2]. Er konstatiert, daß mit der Entscheidung zum 1. Weltkrieg auch Kolonialismus und Imperialismus verteidigt wurden, und dies von Staaten, in denen die christlichen Kirchen eine »wichtige ethisch orientierende Rolle« spielten.

Es geht ihm hier nicht um die unsäglichen Kriegspredigten auf allen Seiten der Konfliktmächte, sondern er fragt nach der Rolle der Kirchen in der Kolonialgeschichte. Er fragt eher zaghaft, zum Beipiel »Wo war die Church of England und wo war der Methodismus John Wesleys, als das Vereinigte Königreich seine weltwei­te Kolonialherrschaft errichtete? Wo war die römisch-katholische Kirche, als die französische Republik mit dem Vereinig­ten Königreich in Afrika wetteiferte und sich Algerien, Marokko und Tunesien un­terwarf?« Das geht dann quer durch die kolonisierenden Nationen und ihre Kirchen. Er resümiert: »Es ist deshalb dringend geboten, das schwere Thema „Die Kirche und der Krieg“ mit der erforderlichen Gründlich­keit im Sinn und im Geist einer ökumeni­schen Kirchengeschichte zu erforschen. … Ohne gemeinsame Erinnerungsarbeit wird die schmerzliche Wahrheit nicht ans Licht kommen«.

Da ich keinen Anlaß habe, Herrn Stock für naiv zu halten, wird er wohl ganz bewußt versucht haben, etwas loszutreten.

Immerhin führt die Sucheingabe „Mission und Kolonialgeschichte“ bei Wiki zu einer kaum übersehbaren Fülle von Links. Beschränkt man sich auf die Eingabe von „Kolonialgeschichte“, findet man: „Die missionarischen Absichten, das Christentum über die ganze Welt zu tragen, wurden später überlagert von dem vordergründig zivilisatorischen Motiv, die für „zurückgeblieben“ und „wild“ gehaltenen Völker an den Segnungen der europäischen Kultur teilhaben zu lassen.“[3]

Wenn ich es nicht ganz falsch sehe, war im Zeitalter der Kolonisierung Afrikas der christliche Idealismus naiver Missionare Rechtfertigung und Flankierung imperialistischer Bestrebungen. Die Mission war sozusagen die Außenabteilung des naiven Rettungshausgedankens, der in der „Inneren Mission“ (sic!) Wicherns seine Organisationsform fand mit dem erklärten Ziel, dem Sozialismus entgegenzusteuern.

In beiden Fällen wurde naiver Idealismus zum Geschäftsmodell. Das der „Inneren Mission“ brachte die dauerhafteren Einnahmen.

 

[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Stock

[2] FAZ, Mittwoch, 27. August 2014, S. 6

[3] http://de.wikipedia.org/wiki/Kolonialgeschichte

Die Heimkinderangelegenheit hinterläßt nur Verlierer, und dennoch …

… und dennoch muß man unterscheiden.

 

Es ist Zeit für eine Bilanz. Viel Neues wird sich nicht mehr ereignen[1], es sei denn, ein Kläger schafft dank eines fähigen Juristen den Durchbruch und erkämpft ein Präzedenzurteil, dessen Umsetzung dann aber wohl wieder von der staatlichen Bürokratie zermahlen werden wird, wie bei den ungezogenen Buben Max&Moritz: Ricke racke, ricke racke, geht die Mühle mit Geknacke.[2]

 

Nur Verlierer?

  1. Da sind zunächst die Institutionen Staat und Kirche. Beide haben in dieser Sache viel Geld gespart. Doch der Gewinn ist nur scheinbar.

Die Kirchen haben sich als gottlos und heuchlerisch erwiesen[3].

Der Staat hat seine Opfer behandelt, wie er Opfer in Entschädigungsfragen zu behandeln pflegt: Bürokratisch hinhaltend und ausbremsend. So ist er, unser Rechtsstaat, er kennt fast nur Sachschäden[4].

Beide Institutionen haben ihre Glaubwürdigkeit verloren. Gemerkt haben das fast nur die ehemaligen Heimkinder.

  1. Darum gehört zu den Verlierern auch die Gesellschaft: die Öffentlichkeit und die veröffentlichte Meinung. Sie waren bald gelangweilt durch die immer gleichen Horrorgeschichten aus dem Heimalltag. Man fühlte mit den Opfern, doch wenn es um Geld ging, erwachte vielfach der Neid. Schließlich hatte doch jeder einmal eine Ohrfeige bekommen und den Müll runtertragen müssen.

Dann wurden glücklicherweise die Heimkinder aus den Nachrichten verdrängt. Sexueller Mißbrauch war das neue Thema. Das war grauslich-unterhaltsam und man hatte richtige Täter und richtige Abscheu – und man war voll und ganz auf der richtigen Seite.

Die Gesellschaft hat verloren? Ja. Denn die Opfer haben sie kennengelernt und wissen, was sie von ihren lieben Mitmenschen zu halten haben[5].

Die „Moderatorin“ des Runden Tisches ist für mich die Symbolfigur für das gottlose Vorgehen der Kirchen, für das Unrecht des Rechtsstaates und für die bigotte Gesellschaft geworden, denn sie vereinigte alle drei Rollen in sich, und das meisterhaft[6].

  1. Für die ehemaligen Heimkinder als Verlierer muß ich weiter ausholen, denn da gibt es „sone und solche“ und, – darauf will ich zuerst eingehen- , auch einen generellen Unterschied bei im Leben zu kurz gekommenen Menschen.

Im Leben schmerzhaft und nachhaltig geschädigt – da kann man Unglück gehabt oder aber massives Unrecht erlitten haben. Das ist ein großer Unterschied.

Unglück als Krankheit oder als Verlust wichtiger lieber Menschen ist „Schicksal“. Mit dem kann man hadern und es nach und nach akzeptieren. An dieser Lebensaufgabe kann man auch scheitern, aber niemanden verantwortlich machen. Gerade deshalb kann man aber das Unglück hinter sich lassen und es „bewältigen“.

Wer Unrecht erleidet, hat es schwerer. Denn da gibt es Täter, zum Anklagen, zum Bekämpfen. Wer sich darin verbeißt, hat es schwer, aus der Opferrolle herauszukommen. Man hat nicht nur verloren, man bleibt Verlierer.

 

Zwei Kommentare zu einem kurzen Blogbeitrag vor wenigen Tagen[7] haben mir gezeigt, wie solche Opfer die Verliererrolle abstreifen können. Es ging um die Frage, ob man Geld aus dem Heimkinderfonds annimmt oder nicht.

 

a) Die Wiedererlangung der Würde, die den Kindern in den Heimen und den ehemaligen Heimkindern vom Runden Tisch genommen wurde.

Helmut Jacob schreibt:

Das Für und Wider des Fonds „Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“

Ich spreche mich nach wie vor gegen die Inanspruchnahme des Fonds, der auf Empfehlungen des „Runden Tisches Heimerziehung“ installiert wurde, aus. Dies begründe ich wie folgt:

  1. Dieser Fonds stellt eine weitere Demütigung der Heimopfer dar. Die ausgezahlten Beträge werden zwar als Entschädigung deklariert, sind jedoch eine billige Abspeisung irgendwelcher Ansprüche. Mir kommen sie vor, als würde der PKW-Seitenspiegel ersetzt und nicht das gesamte Auto, das zu Schrott gefahren wurde.
  2. Die Einrichter dieses Fonds haben mit Sicherheit einkalkuliert, daß selbst kleinste Zahlungen Abnehmer finden, so daß sie von Erfolgen sprechen können. Es ist zu beobachten, daß selbst kleinste Anmeldezahlen bei den Anlaufstellen von unter und um ein Prozent der geschätzten 800.000 bis 1 Mio. Opfer als großer Erfolg für die Akzeptanz dieses Fonds propagiert werden. Woher dieses Kalkül? Die Folgen der Heimerziehung sind a) Armut aufgrund mangelnder Ausbildung und mangelnder Integration in die Arbeitswelt. Man kann mit Fug und Recht unterstellen, daß die meisten ehemaligen Heimopfer Löhne oder Sozialhilfeleistungen erhielten, die zum Sterben zu viel, zum würdevollen Leben zu wenig ausmachten. Nachdem das Problem der Verzichtserklärung vom Tisch war und die einzelnen Internetpräsenzen der Opfer selbst Licht in das Thema „Heimkinderfonds“ brachten, stieg die Zahl der Inanspruchnehmer an und wird weiter steigen. Finanzielle Not, finanzielle Engpässe und andere Beweggründe reizen dazu, zusätzliche Einnahmen jedweder Art zu akquirieren.
  3. B) In den Heimen wurde ein permanentes Mangelerleben erzeugt. Es mangelte an Essen, gutes Essen gab es nicht oder nur ausnahmsweise. Es mangelte an Geld in den Taschen der Heimbewohner. Es mangelte an Rauchwaren (Das nutzen manche Heimleiter aus, um ihre jungen Männer in der Erziehungshilfe zu mehr Leistung anzutreiben.) Mängel wohin das Auge blickte. Gab es mal gutes Essen, wurde wie selbstverständlich gelegentlich gefressen und auch überfressen. Ich beobachtete einmal, wie in meiner Ausbildungszeit ein taubstummer junger Mann (Größe eines Kleiderschrankes) einem anderen taubstummen Jungen seine Gabel voll in die Hand rammte, weil der schneller am Fleischtopf war. Diese Fälle gab es sicher selten, aber ganz gewiß eine Einsackermentalität, oder auch „Bunkermentalität“ genannt. Sie entstand aus der Angst: Schon morgen kann das Leben wieder schlechter sein. Diese Mentalität darf darum nicht negativ beurteilt werden. Sie ist auch heute beispielsweise in Entwicklungsländern zu beobachten. Rollt der LKW mit Hirse endlich an, findet davor ein Hauen und Stechen statt.

Die kursierenden Meldungen über große Summen zwischen 10.000 und 30.000 € sprechen sich wie ein Feuer unter den Opfern herum und so spekuliert jeder Antragssteller auf diesen „kleinen Lottogewinn“ oder „großen Schluck aus der Pulle“. Was zunächst durchaus verständlich ist.

  1. Es wurde mit Sicherheit schon am „Runden Tisch Heimerziehung“ von den meisten Tätervertretern erkannt, daß es an Einigkeit unter den Heimopfern fehlt. Wie sollte es auch anders sein? In den Heimen herrschte der Ellenbogen vor; jeder war sich selbst der Nächste. Und gelegentlich war nicht der Leiter der wahre Feind, sondern der Stubenkamerad. Gründe für dieses Verhalten gibt es zuhauf. Sie aufzulisten, würde den Rahmen dieser Ausarbeitung sprengen. Zwar war und ist bekannt, daß eine Gruppe von ehemaligen Heimopfern, auch ein Theologe und ein Professor für Sozialpädagogik, sich für eine würdige Entschädigung aussprechen, aber die Tätervertreter wußten, daß ihr kleines Lockmittel, die Brocken in der Hundeschüssel, reichen, um den Hungrigen still zu bekommen.
  2. Mit der Annahme von Mitteln aus dem Fonds verlieren die Opfer m. E. ein weiteres Mal ihre Würde. In den Heimen wurde ihnen das Ehrgefühl, das Selbstwertgefühl und ein Gefühl für Menschenwürde hinausgeprügelt. In der Ablehnung dieser Almosen aus den Opferfonds könnten die Opfer jetzt demonstrieren: Ihr habt uns nicht ganz kaputt gekriegt. Wir haben unser Selbstwertgefühl wiedergefunden und wollen nun einen würdevollen Lebensabend verbringen. Was wäre passiert, wenn alle Opfer an einem Strang gezogen hätten? Um einen Skandal zu vermeiden, hätten die Tätervertreter (so kann man sie bezeichnen, sie wurden selbst zu Tätern) nachbessern und die Geldgeber in die Pflicht nehmen müssen dahingehend, wenigstens annähernd den Forderungen nach einer Opferrente oder einer Barleistung von über 50.000€ nachgeben, sonst wäre der „Runde Tisch Heimerziehung“ in der Öffentlichkeit als Farce demaskiert. Man nimmt also bewußt in Kauf, daß die Opfer ein weiteres mal zu Opfern werden, damit das Konzept der Billiglösung aufgeht.

Die Rückeroberung der Würde beobachtete ich selbst. Vor 8 Jahren sah ich eine Schulkameradin wieder, die in ihrer Kindheit im Johanna-Helenen-Heim permanent mißhandelt wurde. Auch ihr wurden Ehre und Würde weggeprügelt. Alles, was mit dem unteren Körperbereich zusammenhing, war Sünde, Schweinerei und führte zwangsläufig in die Prostitution und in die Gosse. Die Liebe gehörte auch dazu. So lehrten es sie die Ordensschwestern Martha und Elisa. Täglich wurde sie gedemütigt, vorgeführt, abgestraft, links liegen gelassen. Die behinderte Lehrerin Gertraude Steiniger verübte täglich selbst Verbrechen an ihr. Sie stand 24 Stunden unter Dauerstress und Dauerbedrohung. Danach war sie ein kaputter Mensch. Das Johanna-Helenen-Heim hat ihr gesamtes nachfolgende Leben völlig negativ beeinflußt. Als ich sie wiedersah, saß vor mir ein Haufen Elend. Angst vor den Behörden, Angst vor Ärzten und Angst vor Mitmenschen, die scheinbar klüger waren als sie. Einen Freundeskreis hatte sie, aber auch hier wurde sie oft überfordert. Ihre wirkliche Freundin war auch behindert. Elternlos fand sie in späten Jahren Mutterersatz in der Schweiz.

Sie arbeitete in einer Opfergruppe mit und machte erstaunliche Erfahrungen: Behördenmenschen sind auch nur Menschen mit Fehlern, Ecken und Kanten. Ärzte sind keine Götter, sondern Angestellte der Kunden, genannt Patienten. Mitmenschen haben selbst ihre Fehler und Schwächen und jeder Mensch ist individuell. Als ich ihr einen Brief an den Bürgermeister einer Stadt formulierte, weil sie seitens eines Amtes über den Tisch gezogen wurde, schlug sie die Hände über dem Kopf zusammen. So wenig Unterwürfigkeit, so viel Direktheit hat sie in den Jahrzehnten davor nicht gelebt und erlebt. Aber sie sah: Ab Posteingang wurde sie als solche akzeptiert, die sie tatsächlich war: Arbeitgeberin dieser Bürokraten. Sie hat verstanden: Ohne Bürger keine Verwaltung.

Vor etwa 4 Jahren wurde sie schwer krank. Dazwischen lagen viele aufregenden, lehrreiche, erlebnisreiche Jahre voller Ausflüge, Lebenshilfe, aber auch indirekter Lehrstunden. Und es war von Monat zu Monat zu beobachten, wie ihr Selbstbewußtsein, ihr Stolz zurückkamen. Die Körperhaltung wurde eine viel aufrechtere.

Eine Psychologin wurde auf ihre Geschichte aufmerksam und eine weitere Freundin für sie. Oft riefen sie sich an und Marianne berichtete immer wieder von schönen Gesprächen. Die letzten Tage verbrachte sie unter Schmerzen und Qualen im Krankenhaus. Sie wußte: Der Tod schleicht schon ums Haus. Jene Psychologin erfuhr davon und bot an, aus dem Opferfonds Mittel für sie loszueisen, damit ihre letzten Wochen erträglicher würden. So saß ich an ihrem Krankenbett, das eigentlich schon das Sterbebett war, und fragte sie, ob sie dieses nette Angebot nicht annehmen wolle. Nein, betonte sie, aus diesem Fonds nicht. Ich versuchte es anders: Daß sie sich vielleicht mit diesem Geld bei jenen Leuten bedanken könne, die ihr besonders nahe stehen. Ich verwies auf ihre Assistentin, eine junge Studentin, die über ihr Stundenkontingent hinaus permanent an ihrem Bett saß. „Nein, ich will aus diesem Fonds kein Geld!“, sagte sie mit einer solchen Bestimmtheit, daß ich zusammenschreckte. Erst Wochen später, die Beerdigung war längst vorbei, kam mir zu Bewußtsein: Die letzten Jahre waren Schuljahre. Sie hatte ihre Würde wirklich wiedergefunden.

 

Mit einer solchen Haltung ist man nicht mehr Opfer, sondern hat über die Täter gesiegt, auch wenn man materiell verloren hat. Der aufrechte Gang ist mehr Wert als demütigende Almosen, doch den muß man sich – irgendwie – leisten können.

 

b) Nüchterner Realismus

Auch der zweite Kommentar bezeugt aufrechten Gang. Es ging um die ironisch gestellte Frage, ob es auch Glückliche unter den ehemaligen Heimkindern gibt.

 

Erich Kronschnabel[8] beantwortet sie in bekannter Manier.

Die Frage ist so einfach zu beantworten wie sie … gestellt wurde ….

Die paar „Glücklichen” begriffen sofort, dass dieser Staat niemals zur Zahlung wirklicher ENTSCHÄDIGUNGEN bereit sein wird (was sich bewahrheitete). Die paar Glücklichen – ich nenne sie nicht so – begriffen auch sofort, dass sie sich Beiträge an Vereine und Prozesse gegen Täternachfolgeorganisationen sparen können (was sich auch als richtig erwies).

Die paar „Glücklichen” wurden wegen der Antragstellungen als doofe Almosenjäger verunglimpft, ich weiss, dass auch „Ihr” Verein von der Beantragung abgeraten hat (ich weiss aber auch, dass es Vereinsmitglieder gab und gibt, die Wasser predigten und Wein soffen – und ganz fix und leise zur Anlaufstelle gingen und heute etwas mehr Geld wie vor der Antragserledigung haben. Aber wie nennt man DIESE Pharisäer im Volksmund?).

Sehen Se, … , so einfach geht gesunder Menschenverstand. Und so einfach wurden „Almosenjäger” zu „Glücklichen”, wie Sie sie nennen. Ich nenne die einfach Realisten, die aus den Erfahrungen mit Staat und Kirchen lernten. Gegessen wird, wenn der Tisch gedeckt ist….Oder gab es in Heimen gleitende Essenszeiten? „Wünsch Dir was!” lief im ZDF nur von 1969 – 1972, …….da hatten wir das Kinder-KZ schon hinter uns und kannten die Realität!

 

Realisten, die aus den Erfahrungen mit Staat und Kirchen lernten. Diese Haltung ist an realitätsgerechtem Zynismus nicht zu überbieten – man geht auf Augenhöhe mit dem verachteten Gegner und gewinnt an Größe. Daß man dabei auch Schaden an seiner Seele nehmen könnte, ist irrelevant, wenn man Seele für eine religiöse Erfindung hält.

 

Und die anderen, die sich nicht eindeutig positionieren können/wollen? Sie lecken ihre Wunden – oder?

 

Waren das alle? Wie steht es mit mir?

Als ich diesen Blog begann, ahnte ich nicht, daß die ehemaligen Heimkinder zu einem Hauptthema werden würden. Ich hatte die ersten ehemaligen Heimkinder auf meinen Kriegskindertagungen kennengelernt, hatte das Unrecht erkannt, das man ihnen zugefügt hatte und hatte Kontakte bekommen, die ich mit Erreichen des Ruhestandes nicht einfach abbrechen konnte/wollte. Das gehört zu meinem Berufsverständnis als Pfarrer. „Warum machst du denn das?“ wurde ich zuweilen gefragt und ich hatte den Eindruck, daß manche mich für eine Art Don Quichotte hielten/halten.

Ich habe sehr früh die Probleme gesehen und sachorientierte Lösungsvorschläge gemacht[9] – ohne Erfolg.

Habe ich verloren? In der Sache, ja. Doch den aufrechten Gang habe ich beibehalten. Ich habe ihn – man mag darüber lachen – bei der Polizei gelernt. Als Polizeipfarrer (immerhin 15 Jahre) brauchte ich mich keiner Gemeinde und keinem Kirchengemeinderat anzupassen – und meine Kirchenleitung habe ich erst recht spät schätzen gelernt. Ob und inwieweit sie mich schätzt, kann ich nur raten. Immerhin hat sie mich nie bedrängt, meine Meinung zu verstecken, jedenfalls nicht in den Heimkinderangelegenheiten. Das rechne ich ihr hoch an.

 

Dummerweise sind die Kirchen – und auch meine Kollegen – in den Heimkindersachen so schwerhörig wie hartleibig[10]. Soweit sie überhaupt von meinem Blog Kenntnis nehmen, will ich aber meinen Traum[11] in Erinnerung rufen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt man.

 

[1] Darum ist diese Bilanz auch als eine Art Abgesang zu lesen, ein Abgesang auf den gescheiterten Versuch, Staat und Kirche zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit historischer Schuld und einem fairen Umgang mit ihren Opfern zu bewegen.

[2] http://de.wikisource.org/wiki/Max_und_Moritz/Letzter_Streich

[3] Für die Leser meines Blogs muß das nicht mehr belegt werden. Wer es nicht oft genug hören/lesen kann oder wer die Hintergründe nicht kennt, schreibe mir ein Mail und ich werde zwar gequält, aber dennoch gern darauf antworten.

[4] Auch dies ist den Lesern meines Blogs nicht neu.

[5] Die Hölle das sind die Anderen http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlossene_Gesellschaft

[6] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[7] http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/23/gut-ding-will-weile-haben/ Hier kann, wer will, auch die anderen Kommentare nachlesen.

[8] http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/05/27/rotzfrech/

[9] http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/04/05/anhorung-runder-tisch-2-april-2009/ mit weiterführenden Links

[10] http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/05/essay-pfarrerblatt.pdf Mein Beitrag im Pfarrerblatt fand keine Resonanz.

[11] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/01/traumhaft/

Geht doch, wenn man will.

Posted in Geschichte, Kinderrechte, Kirche, Wirtschaft by dierkschaefer on 24. August 2014

»Der Branchenverband Interpharma beteiligt sich am Soforthilfefonds für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen.«

http://www.beobachter.ch/dossiers/dossier-fremdplatziert/artikel/soforthilfefonds_pharma-zahlt-an-opfer/

Wird Nikolaus Schneider noch heiliggesprochen?

Posted in Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Religion, Theologie by dierkschaefer on 9. August 2014

Eine Antwort auf http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/08/fur-die-belange-der-ehemaligen-heimkinder-hat-sich-der-ratsvorsitzende-in-seiner-amtszeit-besonders-und-auch-personlich-eingesetzt/

OKR Dr. Christoph Thiele
Kirchenamt der EKD
Herrenhäuser Str. 12
D-30419 Hannover

Sehr geehrter Herr Dr. Thiele,

sehr geehrter Herr Oberkirchenrat!

Sie haben Herrn Werner stellvertretend für den Ratsvorsitzenden der EKD, Dr. h.c. Nikolaus Schneider per Mail geantwortet. Ich habe es in meinem Blog veröffentlicht und möchte gern stellvertretend für Herrn Werner, allerdings ohne Auftrag, darauf antworten.

Zunächst das Positive:

1. Das ist die Antwort überhaupt. Es ist leider alles andere als selbstverständlich, daß Personen in hohen Ämtern antworten oder antworten lassen.

2. Dann will ich Ihnen zugute halten, daß Sie den Sachverhalt nicht oder nur unvollständig kennen. Das kann ich aber schon nicht mehr voll dem Positiven zurechnen. Denn mit den Verbrechen an Kindern in zumeist kirchlichen wie aber auch staatlichen Einrichtungen dürfte es inzwischen so sein, wie Joseph Peter Stern von den Mitläufern gesagt hat: „Man wußte immer so viel, daß man es vorzog, nicht mehr wissen zu wollen.“[1]

3. Doch nun das Negative:

Was Sie über Herrn Schneider schreiben, stimmt nicht. Selbst wenn man de mortuis nihil nisi bene auf die abeundis anwenden will, schreien doch die vielen Beiträge im Netz das Gegenteil. Betroffenheitsgestammel und ein Versöhnungsgottesdienst sind kein persönlicher Einsatz für die ehemaligen Heimkinder. Was Herr Schneider auch persönlich immer dabei gefühlt haben mag, stand er doch als EKD-Vorsitzender in der Gesamtverantwortung für die Vorgänge am Runden Tisch. Und es ist belegbar, daß die ehemaligen Heimkinder, (ganz abgesehen von den Heimkindern in den Behinderteneinrichtungen und Säuglingsheimen, die wurden und werden völlig außen vor gelassen) in ihrer Vergangenheit ausgebeutet, mißhandelt und um ihre Zukunftsaussichten gebracht[2], am Runden Tisch betrogen wurden von einer Phalanx von staatlichen wie kirchlichen Vertretern unter dem Vorsitz einer Politikerin[3], die zudem Pfarrerin ist, betrogen um einen halbwegs angemessenen finanziellen Ausgleich. Die Zahlungen die es gibt, werden großzügig unter Betonung des nicht-existenten Rechtsanspruchs auf Antrag gewährt. Meine Kirche, die mit Ewigkeitswerten handelt, beruft sich auf Verjährung und brüstet sich mit der Großzügigkeit ihrer Mitfinanzierung des Heimkinderfonds. Ich schäme mich für meine Kirche und ihre Repräsentanten, angeführt von Herrn Schneider[4]. Sein Namensvetter, der Heilige Nikolaus, verteilte der Legende nach Goldklumpen. Das zählt zur Hagiographie und ist so wenig glaubwürdig, wie der Einsatz von Herrn Schneider.

Doch nun zum Allgemeinen: Was ich vermisse, ist eine theologische Aufarbeitung sowohl der Vorkommnisse in den unterschiedlichsten Heimen als auch die der Kirchen am Runden Tisch, die des Staates eingeschlossen. Welche Rolle spielte der Rettungsgedanke, welche das Menschenbild, welche die Vorstellungen vom ewigen Heil, welche die finanziellen Aspekte? Eine Antwort darauf könnte allerdings gravierende Folgerungen für die Systematik unserer Glaubensvorstellungen haben.

Zurzeit sehe ich nicht, daß es an diesen Fragen Interesse gibt, weder in den theologischen Fakultäten, noch in den kirchlichen Akademien. Wo bleibt das große Symposion für diese Fragen?

Ich befürchte jedoch, daß man mehr die finanziellen Folgen befürchtet als die theologischen.

Ob Sie mir antworten?[5] Ich weiß, daß ich gegen die kirchliche „Kleiderordnung“ verstoße, wenn ich als kleiner Ruhestandspfarrer vom Lande meinen „Oberen“ solche Briefe schreibe – und noch dazu öffentlich. Doch das soll nicht mein Problem sein. Wie Sie das Ihre lösen, werde ich sehen.

Mit freundlichem Gruß

Dierk Schäfer

[1] Geradezu typisch für diese Haltung ist der Bericht, den ich heute erhielt: Ich wurde am 17. Juli 1950 in der Philippus- Nathanel-Kirche evangelisch getauft. Als ich mich nach Jahren als ehemaliges misshandeltes Heimkind durch die Diakonie überwunden hatte meine Gemeinde in 2012 einmal aufzusuchen begegnete mir der Gemeindepfarrer und fragte mich ob er mir behilflich sein könne und was ich denn suche. Ich erzählte ihm das ich ein ehemaliges misshandeltes Heimkind seiner Gemeinde bin und mich nur mal umsehen wollte wo ich vor Jahrzehnte getauft wurde. Aber davon wollte der junge Herr Pfarrer nichts wissen und meinte man solle doch solche Geschichten ruhen lassen. Es kümmerte ihn wenig wie es einen seiner ehemaligen Gemeindemitglieder erging und ging. Fundstelle: http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/08/09/die-kirchen-bluten-aus-stellt-die-welt-fest/#comments

[2] Dazu: http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2010/05/essay-pfarrerblatt.pdf

[3] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/01/31/der-runde-tisch-heimkinder-und-der-erfolg-der-politikerin-dr-antje-vollmer/

[4] http://dierkschaefer.wordpress.com/2011/09/13/das-war-spitze-herr-ratsvorsitzender/

[5] Ein Schreiben haben Sie ja, wie ich sehe, in der Sache bereits bekommen: http://helmutjacob.over-blog.de/article-einsatz-des-ratsvorsitzenden-der-ekd-nikolaus-schneider-fur-die-heimopfer-ein-brief-als-weitere-de-124327475.html

Die Kirchen bluten aus, stellt DIE WELT fest.

Posted in Geschichte, Gesellschaft, Kirche, Religion, Soziologie, Theologie by dierkschaefer on 9. August 2014

Die Kirchen bluten aus, stellt DIE WELT fest.

So unrecht hat sie ja nicht und widmet mit besorgtem Unterton dem Phänomen gleich zwei Beiträge, die sich allerdings weitgehend überlappen[1].

 

Doch die Situation ist offenbar nicht dramatisch genug, um sich nicht zu zuzuschärfen. »Schon seit geraumer Zeit bluten die Kirchen aus. Gerade mal 30,3 Prozent der Deutschen sind noch römisch-katholisch. Von Volkskirche kann keine Rede mehr sein: Die Zahl der Konfessionslosen liegt bei 36,6 Prozent«. »1950 war die Hälfte der Bundesbürger evangelisch«.

Da sollte man doch denken, daß es einen Erdrutsch in der Mitgliedschaft gegeben hat. Das aber nun doch nicht. Die größte Veränderung in der Konessionsstatistik gab es mit der Wiedervereinigung. Da schnellte die Zahl der Konfessionslosen auf rund ein Drittel hoch und das hatte nichts mit Austritten zu tun.

Ein weiterer Faktor sind der erhöhte Anteil von Personen mit andersreligiösem Bekenntnis und die zunehmende Überalterung unserer bisherigen Bevölkerung.

 

Das alles ist kein Grund, die Situation der Kirchen schönzureden. Doch erst eine nüchterne Betrachtung ermöglicht Überlegungen zu dem, was die beiden Artikel zurecht fragen:

»Wann nehmen die Kirchen die Warnschüsse ernst?«

Darauf kann ich nur antworten: Sie nehmen sie ernst und befragen ihre Mitglieder. Auch darüber haben die Medien berichtet, wohl auch DIE WELT. – Schon vergessen?

DIE WELT fragt weiter: »Wann endlich finden die Oberen die richtigen Worte?«

Da muß ich einmal ganz gegen meine Erfahrungen die Oberen in Schutz nehmen. Das Thema ist komplexer, als die Ratschläge der WELT.

»Wenn die großen Konfessionen nicht wollen, dass es endgültig den Bach mit ihnen runtergeht, dann müssen sie richtig nachfragen. Dann müssen sie aufhören, nur zu jammern, dass sie keiner will. Dann dürfen sie nicht mehr die Augen vor dem verschließen, was die Menschen wollen und brauchen.«

Hier werden zum einen die beiden Großkirchen in einem Topf verrührt. Doch sogar die katholische Kirche, nicht sonderlich basisfundiert, fragt und gerät damit in ein größeres Dilemma als die Evangelische mit ihrer Mitgliederbefragung[2]. Beide Kirchen sollten natürlich „nicht mehr [wieso nicht mehr?] die Augen vor dem verschließen, was die Menschen wollen und brauchen“. Aber prostituieren sollten sie sich wohl auch nicht.

Zuspruch von „Hunderttausenden“ finden die »Kirchentage, auf denen Themen wie Bildung, wirtschaftliche Verantwortung oder Sterbehilfe diskutiert werden«.

Der Event-Charakter von Kirchentagen wurde schon oft diskutiert und viele meiner Kollegen in den Gemeinden wären froh, wenn ihre gleichgearteten Angebote einen vergleichbaren Zuspruch finden würden. Kirchentage sind wie Weihnachten, Ostern und Pfingsten zusammen. Da fällt der Sonntagsgottesdienst ab – und auch die normalen Angebote unter der Woche, von denen – wie kürzlich erhellend diskutiert – auch meine Kollegen selber nicht begeistert sind.

»Und wenn zu Ostern und Weihnachten die Tradition der Kantaten und Oratorien gepflegt wird, dann stehen auch Atheisten vor den Kirchen Schlange. Es gibt sie noch, die Kernkompetenzen der Kirchen«. Das stimmt auch nur punktuell. Aber es ist schön, die Kernkompoetenzen erklärt zu bekommen.

»Zulauf hatten immer schon kirchliche Ambitionen, wenn sie unmittelbar auf die Bedürfnisse der Menschen reagierten. Die Innere Mission des Hamburger Pfarrers Johann Hinrich Wichern, der sich zur Zeit der Industrialisierung den verwahrlosten Kindern in den Armenvierteln widmete, … « Ausgerechnet Wichern! Falsches Beispiel. Auch DIE WELT hat nicht mitbekommen, daß Wichern in erster Linie Seelen retten wollte, nicht Menschen. Hier wäre die Frage nach den Kernkompetenzen angebracht. Doch dazu fehlt der WELT die Kompetenz.

 

Die Kirchen sollen sich um das kümmern, was die Menschen bewegt. Die Botschaft hör ich wohl, allein …

Die Rolle der Kirchen in der späten DDR ist ein gutes Beispiel.

Reiner Kunze schrieb ein Gedicht mit dem Titel Pfarrhaus. Darin heißt es: „wer da bedrängt ist findet ein Dach und Mauern. Und muss nicht beten“ [3] Nicht nur die Bedrängten fanden in der Kirche Platz. Die Kirche bot Raum für Widerstand. Sie wurde endlich glaubwürdig und hatte auch keine Hintergedanken an Mitgliederwerbung. Da waren die Versicherungsvertreter, die nach der Wende die neuen Bundesländer überfielen, erfolgreicher. – Soviel zur Bedarfsorientierung.

Den Rest sieht man, wenn man ins Forum zum WELT-Artikel schaut. Die rhetorische Abschlußfrage wird dort mit einem „einfachen ja“ beantwortet: »Wollen wir wirklich ein Land, in dem irgendwann vielleicht gar keine Glocken mehr läuten? Skylines, in denen sich zwischen Bürogebäuden keine Kirchtürme mehr abzeichnen? Eine Allgemeinbildung, zu deren Kanon die biblischen Geschichten nicht mehr gehören? Das Ende der Kultur der Rituale wie Taufe oder Konfirmation?«

Die Deutungshohheit über den Internetstammtischen ist oft nicht sachlich fundiert, aber ein Indikator.

 

Übrigens: Ich hielte es für eine kulturelle Bereicherung, wenn Moscheen Minarette bekämen und von dort, wenn wohl auch nur über Lautsprecher, der Muezzin zm Gebet riefe.

[1] Zitate aus beiden Artikel: http://www.welt.de/print/welt_kompakt/debatte/article130882255/Die-Kirchen-bluten-aus.html http://www.welt.de/debatte/kommentare/article130872747/Die-Kirchen-in-Deutschland-bluten-aus.html

[2] http://dierkschaefer.wordpress.com/2014/03/12/eine-zeitdiagnose-die-mitgliedschaftsumfrage-der-ekd/

[3] Das Internet half meiner Gedächtnisschwäche auf: http://www.kirche-im-swr.de/?page=manuskripte&search=Reiner%20kunze

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»Für die Belange der ehemaligen Heimkinder hat sich der Ratsvorsitzende in seiner Amtszeit besonders und auch persönlich eingesetzt.«

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 8. August 2014

Nun wissen wir’s.

 

»Sehr geehrter Herr Werner,

 

der Ratsvorsitzende der EKD, Dr. h.c. Nikolaus Schneider, hat Ihre Mail vom 2. Juli 2014 erhalten. Er dankt Ihnen für die Anteilnahme am Schicksal seiner Frau und für die guten Wünsche, die Sie ausgesprochen haben.

Als zuständiger Referent im Kirchenamt der EKD möchte ich zugleich Ihr im Weiteren geäußertes Anliegen, die ehemaligen Heimkinder betreffend, zum Anlass nehmen, auf Folgendes hinzuweisen: Für die Belange der ehemaligen Heimkinder hat sich der Ratsvorsitzende in seiner Amtszeit besonders und auch persönlich eingesetzt. So wurde die von ihm vorgetragene förmliche Bitte um Verzeihung von vielen Betroffenen als sinnvolles Zeichen angesehen. Darüber hinaus ist Ihnen sicher bekannt, dass sich die evangelischen Kirchen und ihre Diakonie von Beginn an an der Aufarbeitung der Heimkindererziehung in den Nachkriegsjahrzehnten beteiligt und am Runden Tisch mitgearbeitet haben. An der Umsetzung von dessen Empfehlungen im Hinblick auf Maßnahmen der Rehabilitierung und finanzielle Maßnahmen u. a. zur Überwindung von Folgeschäden und für Rentenersatzleistungen für Betroffene beteiligen sich die evangelischen Kirchen und die Diakonie mit großen Geldbeträgen. Kirchliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter standen und stehen im Übrigen für persönliche Gespräche mit ehemaligen Heimkindern zur Verfügung. Auch der Ratsvorsitzende hat in seiner Amtszeit viele solcher Gespräche persönlich geführt. In diesem Einsatz für die ehemaligen Heimkinder wird die Evangelische Kirche auch in Zukunft nicht nachlassen.

 

Mit freundlichen Grüßen

In Vertretung

 

OKR Dr. Christoph Thiele«

Kürzungen beim Opferfonds – Wer ist das Karnickel?

Posted in heimkinder, Kirche, Kriminalität, Politik by dierkschaefer on 7. August 2014

Kürzungen beim Opferfonds

“Grund für die Kürzung ist, dass die notwendigen Abstimmungen mit Ländern und Kirchen über deren Beteiligung sich verzögert.”

http://www.bundestag.de/presse/hib/2014_05/-/280560

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