Dierk Schaefers Blog

Der #Tod bringt nur Vorteile

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 18. November 2014

»Man müsse berücksichtigen, dass „zwei der … Beschuldigten nicht mehr leben“«[1].

Und wenn’s der Tod nicht richtet, so doch das Hinscheiden der Rechtswirkung:

»Martin Hirschmüller, Anwalt der Brüdergemeinde, beruft sich auf die Verjährung. Die gerichtlich geltend gemachten Ansprüche würden „weit über 30 Jahre“ zurückliegen.«

Das sei auch Gott dem Herrn vorgehalten: Mit’m jüngsten Gericht is nix; alles längst verjährt am Ende der Zeiten.[2]

»Hirschmüller hat gegen die von Zanders Anwalt beim Landgericht beantragte Prozesskostenhilfe Widerspruch eingelegt.«

Ist doch nett, dass der Kirchenanwalt bemüht ist, die Gerichtskasse zu schonen, und zwar ganz uneigennützig. Denn wenn’s gar nicht erst zum Prozess kommt, weil der Kläger kein Geld hat, verdient auch Hirschmüller weniger als mit Prozess.

Ob ihm die Kirche dafür angemessen entschädigt? Schließlich spart sie am meisten:

  1. an Geld und
  2. kann sie in einem öffentlichen Prozess nicht vorgeführt werden.

Offenheit im Umgang mit Fehlern sieht anders aus.

Ich spreche ausdrücklich von Fehlern, denn die Verbrecher sind tot.

[1] alle Zitate aus: http://www.morgenweb.de/nachrichten/sudwest/mann-klagt-sein-fruheres-kinderheim-an-1.1847905

[2] http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2011/07/das-jc3bcngste-gericht2.pdf

Sie kapierens einfach nicht, die Brüder

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 13. November 2014

»Die Fronten zwischen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal und den ehemaligen Heimkindern verhärten zunehmend. In einer Pressemitteilung hat die diakonische Einrichtung, die sich mit schweren Vorwürfen unter anderem des sexuellen Missbrauchs konfrontiert sieht, nun offiziell die Vertreter der Heimkinder zu einem Gespräch eingeladen. …

Verärgert sind die Betroffenen etwa darüber, an wen sich die Brüdergemeinde richtet: In der Mitteilung wird der Musikschulleiter Peter Meincke als Vertreter der Heimkinder genannt. Doch Meincke weist diese Rolle von sich. „Es ist ein bisschen schräg, dass die Brüdergemeinde bestimmt, wer der Ansprechpartner ist.“ Er sieht seine Aufgabe eher darin, den Heimkindern Öffentlichkeit zu verschaffen, etwa über die Internetseite der Opferhilfe Korntal.«[1]

Die Verjährung sei für ihn eine Grundsatzfrage, »hatte Klaus Andersen, der weltliche Vorsteher der Brüdergemeinde, bereits im Sommer … gesagt. Für ihn stehe aktuell ein Gespräch im Vordergrund. … Er bedauert, dass ein Dialog bisher nicht zustande gekommen sei. Die laufende juristische Auseinandersetzung hemme den persönlichen Kontakt.«

 

Der persönliche Kontakt, am Kamin oder bei Kaffee und Kuchen? In welchem Wolkenkuckucksheim lebt der denn? Die Brüdergemeinde kämpft mit den harten Bandagen: der Verjährung. Das heißt für die Opfer Kampf, und kein „Gespräch“. Wie Gespräche ohne Rechtsbeistand aussehen, haben die ehemaligen Heimkinder erfahren müssen.

 

Vielleicht haben’s die Brüder aber doch kapiert u sind nur trickreich.

 

[1] alle Zitate aus http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.korntal-muenchingen-angebot-der-bruedergemeinde-veraergert.883b55e8-1384-46e6-b9d6-fbc5ddd2456b.html

Die Kirche der Reformation

Posted in Kirche, Politik, Theologie by dierkschaefer on 11. November 2014

»Für eine Kirche darf nicht der Machterhalt, die Institutionensicherung zum Selbstzweck werden. Sie muss nach Wert und Würde des Menschen fragen, muss die vertreten, die keine Stimme haben, ob es um Flüchtlinge geht oder um Sterbende oder um die Frage, wann das Unrecht militärischer Gewalt hingenommen werden muss, um schlimmeres Unrecht zu verhindern.«[1]

Dann wird sie sich grundlegend ändern müssen.

[1] http://www.sueddeutsche.de/panorama/evangelische-kirche-mehr-mut-taete-gut-1.2215055

Der Ricklinger Fürsorgeprozess 1930. Evangelische Heimerziehung auf dem Prüfstand

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Pädagogik, Religion, Theologie by dierkschaefer on 10. November 2014

Auch das ist schon einmal dagewesen:

»Die Missstände in der evangelischen Fürsorgeerziehung gelangten an die Öffentlichkeit, ihr Erziehungsverständnis wurde in Frage gestellt. Der Ricklinger Fürsorgeprozess markierte in diesem Sinne das Ende der repressiven Heimerziehung bis 1933.«[1]

[1] http://www.hsozkult.de/hfn/publicationreview/id/rezbuecher-11489

Prügel vom lieben Gott – neu aufgelegt

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität by dierkschaefer on 6. November 2014

»Die Erstauflage des Buchs Prügel vom lieben Gott sorgte Anfang der 1980er Jahre für eine öffentliche Diskussion über das Leid von Heimkindern. Die Neuauflage von 2012 trug dazu bei, das System Bistum Limburg zu Fall zu bringen. Doch die Geschichte ist noch nicht zu Ende, denn die soeben erschienene dritte und ergänzte Auflage verlangt endlich eine Entschuldigung!«

Hier die komplette Presseerklärung des Verlags:

» Prügel vom lieben Gott ist zweifellos die „Blaupause“ aller kritischen Bücher zum System kirchlicher Heimerziehung und christlicher Schwarzer Pädagogik. Alexander Markus Homes beschreibt in seinem erstmals 1981 erschienenen Buch die in kirchlichen Kinderheimen vorherrschende Atmosphäre von Gewalt, Angst, Demütigung und Gehorsam. Bereits damals war alles bekannt, was die Öffentlichkeit heute entsetzt, und bereits damals hätten Staat und Kirche entschlossen reagieren können. Stattdessen ging die katholische Kirche juristisch gegen das Buch vor.

 

Große Aufmerksamkeit erregte auch die Neuauflage von 2012. Im Vorwort hatte Homes Fragen zur Aufarbeitung des Heimkinder-Skandals aufgeworfen. Die im Buch geäußerte Kritik am Verhalten seiner früheren Heimleitung unter dem inzwischen von seinem Posten entbundenen Limburger Generalvikar Franz Kaspar trug maßgeblich dazu bei, dass die Vorgänge erneut unter die Lupe genommen wurden. Inzwischen ist klar, dass Homes Geschichte nicht nur wahr ist, sondern dass andere Heimkinder noch viel Schlimmeres erdulden mussten. Ebenso wurde deutlich, dass Kaspar offensichtlich schwieg, verleugnete und vertuschte, wie im aktualisierten Vorwort nachzulesen. Was im Übrigen auch für seine Mitverantwortung für den Limburger Finanzskandal gilt. Auch hier sind noch viele Fragen offen.

 

Alexander Markus Homes ist jedenfalls nicht gewillt, die Fälle nun auf sich beruhen zu lassen. Franz Kaspar darf seiner Meinung nach nicht mit einer halbherzigen Entschuldigung davonkommen. Während er sich an einer üppigen Pension erfreuen kann, wurde das Leben vieler seiner ehemaligen Schutzbefohlenen für immer zerstört.

 

Hintergrund:

 

Für das ehemalige Heimkind Homes trägt Kaspar eine hochsignifikante Mitschuld daran, dass auch in seiner Direktorenzeit Heimkinder durch Nonnen und ErzieherInnen schlimmster Gewalt ausgesetzt waren. Der Geistliche habe billigend in Kauf genommen, so Homes, dass junge Menschen im Namen Gottes auf das Übelste gequält, gedemütigt, erniedrigt worden sind. Homes führt dazu aus, dass Kaspar mindestens in einem Fall gegen ein Elternpaar Anzeige erstattet habe, das ihn über Misshandlungen ihres autistischen Kindes informiert hätte und ein entschiedenes Vorgehen gegen die prügelnde Mitarbeiterin angemahnt habe. Der Kleriker sei zunächst nicht gegen die Erzieherin vorgegangen, sondern habe die besorgten Angehörigen wegen Übler Nachrede angezeigt. Das Verfahren ist laut Homes dann eingestellt worden – und nach entsprechenden Ermittlungen sei die Mitarbeiterin angeklagt und verurteilt worden. Kaspar sei massiv unter Druck geraten und habe sie entlassen, um sie etwa ein Jahr später wieder einzustellen.

 

Anfang der 70er Jahre – zu Kaspars Direktorenzeit – sei , Homes zufolge, ein Mädchen, das aus dem Heim geflohen war, in Rüdesheim von einem Bauarbeiter brutal geschlagen und vergewaltigt worden. Das Vergewaltigungsopfer sei später von der Polizei aufgegriffen und ins Heim zurückgebracht worden. Die Heimleitung habe aber offenbar keine Veranlassung gesehen, dem schwer traumatisierten Vergewaltigungsopfer längerfristig zu helfen. Man habe sich des Falles entledigt, indem das Opfer in ein Heim für Schwererziehbare abgeschoben wurde. Auch in der neuen Erziehungsanstalt habe man dem Opfer keinerlei Hilfe und Therapie angedeihen lassen: Das Opfer sei an die Kinder- und Jugendpsychiatrie weitergereicht worden. Zudem sei der Vergewaltigungsfall von allen Beteiligten unter der Decke gehalten worden. Auch seien die Strafermittlungsbehörden nicht eingeschaltet worden!

 

Kaspar habe offenbar auch Kenntnis über einen weiteren Vergewaltigungsfall, so Homes. Ein ehemaliges männliches Heimkind, das in den 60er und 70er Jahren im Stift untergebracht war, habe Homes versichert, von dem damaligen Priester und Direktor Rudolf Müller vergewaltigt worden zu sein. Er habe nach Müllers Suizid dem neuen Stiftungsdirektor, Franz Kaspar, über die Vergewaltigung berichtet. Kaspar habe dem Opfer nicht geglaubt. Das Vergewaltigungsopfer sei heute noch schwer traumatisiert und in psychiatrischer Behandlung.«

Seine Mutter hat ihn nach der Geburt einfach im Hotelzimmer liegen lassen

Posted in heimkinder, Kinderrechte, Kirche by dierkschaefer on 6. November 2014
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Die Bilanz von Nikolaus Schneider

Posted in heimkinder, Kirche by dierkschaefer on 6. November 2014

»Was waren Höhepunkte Ihrer Amtszeit?

Die Begegnungen mit den beiden Päpsten Benedikt XVI. in Erfurt und Franziskus in Rom gehören sicher dazu. Bei beiden Begegnungen wurde deutlich, dass unsere Kirchen sich gemeinsam in der Nachfolge Christi verstehen, sich in ihrer Verschiedenheit respektieren und auch herausfordern. Sehr bewegend waren auch die Treffen mit dem ökumenischen Patriarchen Bartholomäus in Istanbul und im Berliner Dom.«[1]

Nach den Tiefpunkten seiner Amtszeit wurde er nicht gefragt. Ihm wären dabei aber wohl kaum, ebenso wenig wie dem Interviewer, die ehemaligen Heimkinder eingefallen.

Schwamm drüber?

[1] http://www.ekd.de/aktuell/edi_2014_11_05_nikolaus_schneider.html

Papst ohne echtes Reformprogramm

Posted in Kirche, Theologie by dierkschaefer on 3. November 2014

Prof. Dr. Norbert Lüdecke erklärt die Lehrmeinung seiner Kirche zu Ehe und Sexualmoral. Sein Fazit: Auch der so freundliche Papst wird nichts ändern – und wohl auch nicht wollen. [1] Es ist gut, das einmal so deutlich zu hören.

Ich verstehe ohnehin nicht, warum die mit ihrer Kirche unzufriedenen Katholiken nicht „altkatholisch“[2] werden, da können sie katholisch bleiben ohne die Unfehlbarkeit einer Kirche und einer unbeweglichen Morallehre, die dem Menschsein nicht gerecht wird.

[1] http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2245046/Luedecke-Viele-warten-auf-Taten#/beitrag/video/2245046/Luedecke-Viele-warten-auf-Taten

[2] http://de.wikipedia.org/wiki/Altkatholische_Kirche

Dadurch getrieben hat die Diakonie der Brüdergemeinde begonnen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten

Posted in heimkinder, Justiz, Kinderrechte, Kirche, Kriminalität, Soziologie by dierkschaefer on 31. Oktober 2014

»Nicht nur der Hausmeister habe Kinder vergewaltigt, sondern „sehr viele weitere Täter, die sich kannten und vernetzt waren“. So hätten auch außerhalb der Kinderheime Kinder „in Korntaler Privathäusern den Tätern zur Verfügung stehen“ müssen.« [1]

Das wäre eine neue Dimension.

[1] http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.sexueller-missbrauch-in-korntal-neue-vorwuerfe-der-heimopfer.fa0e1a90-78c6-4bb4-a56b-25b36a6e71ab.html Freitag, 31. Oktober 2014

Eigener Fonds zur Entschädigung von behinderten Heimkindern geplant

Posted in Geschichte, Gesellschaft, heimkinder, Kirche, Kriminalität, Politik by dierkschaefer on 30. Oktober 2014

Ein Sprecher des Bundesarbeitsministeriums sagte, das Ministerium habe »den Ländern und den Kirchen ein detailliertes Konzept und einen Zeitplan für die Errichtung eines eigenständigen „Fonds II“ für diese Betroffenengruppen zur Entscheidung vorgelegt«. Er betonte, »dass diese Initiative nicht auf das Bemühen der Kirchen zurückgeht: „Der Bundestag hat die Bundesregierung bereits 2011 beauftragt, sich auch um Hilfen für andere Opfergruppen zu bemühen.“« [1]

 

Einen Luftsprung vor lauter Freude wird wohl kaum jemand wegen dieser überfälligen Planvorgabe machen.

Zudem bleiben zwei Fragen.

  1. Warum ist die Initiative nicht von den Kirchen ausgegangen?
  2. Warum hat die Bundesregierung drei Jahre gebraucht, um zu Potte zu kommen?

 

[1] http://www.epd.de/landesdienst/landesdienst-west/schwerpunktartikel/eigener-fonds-zur-entsch%C3%A4digung-von-behinderten-he

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